Ilse Ginsberg-Schmahl wird 85 Jahre alt. Ihr macht in Sachen Elektro niemand etwas vor.

Wird heute 85 Jahre alt: Ilse Ginsberg-Schmahl.
Wird heute 85 Jahre alt: Ilse Ginsberg-Schmahl.

Wird heute 85 Jahre alt: Ilse Ginsberg-Schmahl.

Uwe Schinkel

Wird heute 85 Jahre alt: Ilse Ginsberg-Schmahl.

Barmen. Geschäftsideen können skurril erscheinen, vor allem dann, wenn man sie aus dem Blickwinkel einer anderen Ära betrachtet. 1928 hatte Siegfried Ginsberg so eine merkwürdige Idee: In Elberfeld richtete er eine Akku-Ladestation ein. Seine Kunden kamen von den Höhen, sie besaßen dort Schrebergärten, die damals noch nicht mit Strom versorgt waren. Damit die Hobby-Gärtner in der Laube kochen und elektrisches Licht nutzen konnten, ließen sie ihre Akkus - so groß wie Autobatterien - per Starkstrom von Ginsberg aufladen.

Ilse Ginsberg-Schmahl war vier Jahre alt, als der Vater die Firma gründete, die als Elektrofachgeschäft Ginsberg mittlerweile ihren Sitz an der Carnaper Straße hat. Als Inhaberin des Unternehmens feiert sie heute ihren 85. Geburtstag. "Ich kenne wenige Menschen, die so vorbehaltlos neue Dinge angehen", sagt Ilses Sohn Herbert Schmahl. Sie nimmt munter an Internet-Versteigerungen teil, kümmert sich um die EDV der Firma und ist die Seele des Unternehmens. "Eine aktive, junge 85-Jährige."

Ilse hatte früh gelernt, resolut anzupacken

Herbert Schmahl erklärt sich einen Teil des Elans damit, dass die Mutter eben zur Kriegsgeneration gehörte und in der schweren Zeit lernen musste, resolut anzupacken. Die Männer waren an der Front, wo Herberts Vater schließlich fiel. Ilse und ihre Mutter brachten das Geschäft alleine durch die Ära des Krieges.

Der große Schub für das Unternehmen kam aus Großbritannien. 1952 war dort König George gestorben. 16 Monate vergingen bis zur Krönung von Elisabeth II., eine lange Zeit, in der immer Menschen über die Anschaffung eines Fernsehers nachdachten, um das große Ereignis am Bildschirm mitverfolgen zu können. Ilse Ginsberg-Schmahl, die eine Technikerausbildung absolviert hatte, turnte auf Wuppertals Dächern herum, um dort Antennen zu installieren, während sich im Laden die Empfangsgeräte zu Boom-Artikeln entwickelten.

Dass solche Großereignisse immer mit Schüben für die Wirtschaft verbunden sind, ist für Ginsberg eine beruhigende Erfahrung. Die WM 2006 etwa hat die Begeisterung für die HDTV-Technik ins Rollen gebracht.

In Zeiten, da andere von Rezession sprechen, blickt Ginsberg optimistisch in die Zukunft. Das Unternehmen gehört zur Handelsgenossenschaft Euronics, die im vergangenen Geschäftsjahr ein Umsatzplus von neun Prozent machte. 800 Quadratmeter Verkaufsfläche auf zwei Etagen stehen Ginsberg an der Carnaper Straße zur Verfügung. Heute sind dort fünf Fachkräfte beschäftigt. Der einst starke Service-Bereich mit 15 Mitarbeitern ist erheblich geschrumpft, da Elektrogeräte zuverlässiger geworden sind.

Während Akku-Ladestationen auf die Größe eines Brötchens geschrumpft sind und als Dauerbrenner zum Sortiment gehören, zählen Energiesparlampen, Rauchmelder und moderne Wärmepumpentrockner zu den neuen Rennern in einem Geschäft, das mit Beratungskompetenz punktet und seine Stammkunden bewahrt hat.

Für sie ist Ilse Ginsberg-Schmahl das prägende Gesicht der Firma.

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