Vor 50 Jahren wurde das Zugsystem zwischen der Barmer Innenstadt und dem Toelleturm stillgelegt. Nach wie vor gibt es viele Erinnerungen an die Zahnradbahn.

Barmen. Ob er damals auch mit der Barmer Bergbahn gefahren ist? "Ich kann mich an viele Zugfahrten in meiner Kindheit erinnern", sagt Michael Malicke von den Wuppertaler Stadtwerken. "Eine Tour mit der Bergbahn gehört aber leider nicht dazu - auch wenn ich damit sicherlich unterwegs war." Keine Überraschung: Malicke selbst ist Jahrgang 1956, die Bergbahn unterdessen wurde am 4. Juli 1959 stillgelegt. Unter großem Protest der Bevölkerung.

Nach wie vor mit großem Erinnerungswert

Mit Blick auf den 50. Jahrestag hat Malicke "Erinnerungen an die Bergbahn und Straßenbahn" zwischen Buchdeckeln platziert - in einem Bildband, der Ende 2008 erschien und in Wuppertal bereits viele Leser gefunden hat.

"Ich werde immer wieder auf das Thema angesprochen", fügt Malicke hinzu. Nach wie vor habe die Bergbahn in Wuppertal einen großen Erinnerungswert. Dabei dürfe man aber niemals vergessen, das damals umstrittene Ende des Zugbetriebes immer auch im historischen Zusammenhang zu sehen.

Abgesehen davon, dass in den 1950er und 1960er Jahren das Auto als Fortbewegungsmittel immer populärer und vor allen Dingen bezahlbarer wurde, hatte gerade auch die 1894 in Betrieb genommene Bergbahn im Zweiten Weltkrieg extrem gelitten: "Damals wurde die Hälfte der Wagen zerstört, und in der Nachkriegszeit hatten einfach andere Dinge beim Wiederaufbau in Wuppertal einen größeren Stellenwert." Zudem fielen mit der ebenfalls zerstörten Barmer Stadthalle und dem Planetarium zwei wichtige Fahrtziele und damit auch viele Fahrgäste weg.

Der Widerstand der Bürger formierte sich

Dennoch: "Das Ende der Barmer Bergbahn zog den ersten großen Bürgerprotest nach dem Zweiten Weltkrieg nach sich." Der Widerstand formierte sich, als die Wuppertaler Stadtwerke erstmals öffentlich bekannt gaben, die Bergbahn in absehbarer Zeit stillzulegen. Am 8. März lud der Barmer Bezirksverein zu einer Informationsveranstaltung ein, bei der es laut und hitzig zugehen sollte. Abgesehen vom täglichen Fahrbetrieb müsse die Bahn zwischen dem Barmer Zentrum und dem Toelleturm unbedingt auch als Sehenswürdigkeit erhalten bleiben, hieß es damals. So wurde das 60-jährige Bestehen der Bergbahn im April 1954 im Zuge von Protesten gefeiert.

Eine Touristen-Attraktion allein reichte damals nicht

Michael Malicke: Erinnerungen an die Wuppertaler Bergbahn und Straßenbahn, Wartberg Verlag, 63 Seiten, 17,90 Euro, ISBN 978-3-8313-1944-2.

Auf der anderen Seite - und auch das betont Malicke - standen Verkehrsplanungen, bei denen einheitliche, moderne und umstiegsfreie Bahnsysteme Vorrang hatten. "An eine Touristenattraktion wollten und konnten die Verantwortlichen nicht denken." Am letzten Fahrtag - am 4. Juli 1959 - versammelten sich nach Schätzungen der Polizei etwa 3000 Wuppertaler an der Bergbahn - zum Teil mit Transparenten. "Heute die Bergbahn - morgen die Schwebebahn", war zum Beispiel darauf zu lesen.

Von der anderen Seite gab es dagegen nackte und vor allen Dingen ernüchternde Zahlen: nur 2800 Fahrgäste am Tag im Jahr 1958 und ein Verlustgeschäft von 190.000 Mark - bei Sanierungskosten in Höhe von damals astronomischen 2,86 Millionen Mark. Untragbar aus Sicht der Stadtwerke.

Danach war die Bergbahn und ihre gut 1,6 Kilometer lange Strecke Geschichte. Auf dem Depotgelände begann im Sommer 1959 die Verschrottung. Zum Einsatz kamen Schweißbrenner, um die Metallreste der Bergbahn zu zerlegen - für den Hochofen. Zwei Wagen der Bergbahn schafften es für ein paar Jahre auf Kinderspielplätze im Zoo und im Nordpark. "Dann war auch ihre Zeit endgültig abgelaufen."

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