Rüdiger Hofmann führt für den Verschönerungsverein Besucher auf einen der schönsten Türme in Wuppertal.

Rüdiger Hofmann am Brunnen vor dem Toelleturm.
Rüdiger Hofmann am Brunnen vor dem Toelleturm.

Rüdiger Hofmann am Brunnen vor dem Toelleturm.

Uwe Schinkel

Rüdiger Hofmann am Brunnen vor dem Toelleturm.

Wuppertal-Barmen. 146 Stufen hoch – 146 Stufen wieder runter. Öfter als er hat niemand die Aussicht vom Toelleturm genossen – und trotzdem schwärmt Rüdiger Hofmann immer noch. „Hier oben herrscht eine himmlische Ruhe. Die Nordseite gefällt mir am besten. Bei klarer Sicht kann man sogar bis zur Kuppel der Schalke-Arena schauen.“

Die Treppe nach oben nimmt der 76-Jährige immer noch lockerer als viele seine Besucher. „Das Treppensteigen hält wohl fit“, schmunzelt der ehemalige Betriebsleiter einer Textilfabrik. Er ist nicht der einzige, aber der „Obertürmer“ des Barmer Verschönerungsvereins, in dessen Obhut sich der Turm befindet. Im Wechsel mit seinen Kollegen führt Hofmann an Sonn- und Feiertagen vom Frühjahr bis zum Herbst Gruppen auf den Turm. „Manchmal auch unter der Woche, zum Beispiel wenn Schulklassen kommen.“ Langweilig wird es ihm nicht, betont er. „Ich bin immer wieder überrascht, was es alles zu sehen gibt.“

Die beste Aussicht bietet sich übrigens im Oktober

Auch den Wandel der Stadt bekomme man gut mit. „Die Nordseite mit Hatzfeld oder Wichlinghausen war längst nicht so bebaut“, sagt er und zeigt in die Richtung des Wasserturms. „Wo früher eine Villa stand, stehen jetzt drei, vier Häuser.“ Die beste Aussicht gebe es übrigens im Oktober, weiß Hofmann. „Dann, wenn die Luft trocken ist.“

In den 70er-Jahren war der Turm längere Zeit geschlossen

Seine Liebe für den Turm entdeckte er, als es dem Bauwerk gar nicht gut ging. Ende der 70er Jahre musste der Toelleturm längere Zeit geschlossen werden. Fast 100 Jahre ohne große Reparaturen hatten ihre Spuren hinterlassen. Erst eine „Riesensammelaktion“, so Hofmann, rettete ihn. „Eine Million Mark kamen damals zusammen.“ Von da an war auch Hofmann aktiv dabei „Ich wohne doch hier um die Ecke, da muss man auch Verantwortung übernehmen, damit sich etwas tut.“

Wenn die Fahne weht, ist der Aussichtspunkt besetzt

Die Fahne am Mast ist das Zeichen, dass der Turm besetzt ist. Unter den Besuchern seien viele Stammgäste und – worüber sich Hofmann besonders freut – viele Kinder. „Das sind doch unsere Vereinsmitglieder von morgen.“ Zuletzt kamen aber auch ungebetene Gäste. „Vor einem Monat wurde hier eingebrochen.“ Gestohlen wurde nichts. Hofmann schüttelt verständnislos den Kopf. „Hier gibt es ja auch nichts.“ Außer mehr Arbeit für den Türmer, der sich um neue Schlösser kümmern musste.

Der Unterbarmer Fabrikant Ludwig Ernst Toelle, der gerne auf den Höhen spazieren ging, ist Namensgeber des Turms. Nach Toelles Tod stiftete des Familie dem Barmer Verschönerungsverein 15 000 Goldmark zum Bau des Aussichtsturms. 1887 wurden die Arbeiten abgeschlossen, ein Jahr später wurde der Toelleturm für Besucher freigegeben.

Der Toelleturm ist 26,5 Meter hoch und liegt 333 Meter über NN.  Die Barmer Anlagen umfassen insgesamt 100 Hektar Wald und Park.

Der Barmer Verschönerungsverein sucht Helfer, die Besuchergruppen auf den Turm führen. Interessenten können sich unter Telefon 55 79 27 oder per E-Mail melden

Demnächst soll es auch Hochzeiten auf dem Turm geben. „Wir würden ihn auf jeden Fall zur Verfügung stellen“, kündigt Hofmann im Namen des Vereins an. „Verlobungen hatten wir hier schon.“ Überhaupt sei die Stimmung oben immer gut. „Meckerer gibt’s nicht.“ Kein Wunder, bei der Aussicht.

Wie lange wird Hofmann noch die Treppen hochkraxeln? Der 76-Jährige lächelt. Ein Abschied sei noch kein Thema. „Aber einen Nachfolger habe ich mir schon ausgeguckt. Ich bin kein Sportler, der sein Karriereende verpennt.“

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