Das künftige neue Stück des Fuß- und Radwegs war Ziel des Ausflugs der Wuppertalbewegung und fand großen Anklang.

Das künftige neue Stück des Fuß- und Radwegs war Ziel des Ausflugs der Wuppertalbewegung und fand großen Anklang.
Viele Neugierige erkundeten die alte Bahnstrecke.

Viele Neugierige erkundeten die alte Bahnstrecke.

Stefan Fries

Viele Neugierige erkundeten die alte Bahnstrecke.

Wichlinghausen. „Heute schon das Morgen erleben“, steht auf einem großen Transparent der KlimaExpo auf dem Gelände des Bahnhofs Wichlinghausen zu lesen. Ein Gatter versperrt den Zugang zum „Morgen“, nämlich zu einem weiteren Projekt der Wuppertalbewegung: der Schwarzbach-Trasse. Sie soll, so Lutz Eßrich, zweiter Vorsitzender der Initiative, „50 000 Schwelmern und Langerfeldern ermöglichen, auf direktem Wege vom Langerfelder Sportplatz Grundstraße zur Nordbahntrasse zu gelangen“.

Viele Neugierige waren unterwegs auf der Trasse

1,7 Kilometer müssen dazu von rostigen Schienensträngen und Schotter befreit werden, es gilt, den wilden teilweise recht stachligen Pflanzenbewuchs zu entfernen und in einen Wander- und Radweg zu verwandeln.

Am Samstag wurde der Drahtverhau für rund 200 interessierte Wuppertaler im Rahmen der NRW Klimatage geöffnet, und schon im Vorfeld hatte die Wuppertal Bewegung darauf hingewiesen, dass die Strecke derzeit nicht zum „Lustwandeln“ geeignet ist. „Festes Schuhwerk und eine Taschenlampe sind unbedingt erforderlich“ hieß es, und „für Räder und Kinderwagen nicht geeignet.“ Lutz Eßrich betonte ausdrücklich, dass man sich auf eignes Risiko auf den Weg mache.

Trotz vielfältiger Verpflichtungen und Veranstaltungsalternativen an Wuppertals größtem Feierwochenende wünschte auch Oberbürgermeister Andreas Mucke den Wanderern mit Lutz Eßrich an der Spitze einen angenehmen Nachmittag. Mit dabei auch die Bezirksbürgermeister Christel Simon (CDU) aus Oberbarmen und Eberhard Hasenclever (SPD, Langerfeld/Beyernburg). „Die Strecke liegt je zur Hälfte auf Oberbarmer und auf Langerfelder Gebiet“, so Hasenclever.

Zwar war schon der erste Blick vom Viadukt – übrigens Wuppertals höchstem – auf die Schwarzbach bis hinunter zum Berliner Platz eindrucksvoll und für die meisten eine völlig neue Perspektive. Doch so richtig genießen konnte man das Panorama nicht, denn es galt, sich voll auf das holperige Geläuf zu konzentrieren. Am besten fuhren beziehungsweise gingen die, die ihren Schrittrhythmus dem Abstand der hölzernen Schwellen zwischen den Gleisen anpassten. Aber auch die waren oft genug beschädigt, angefault oder voller Teer, der sich angesichts der heißen Temperaturen von seiner aufgeweichten Seite präsentierte. Dazu die Brombeer- und Himbeer-Ranken, die neben anderen, üppig wuchernden Pflanzen anzeigten, dass sich die Natur die Schwarzbach-Trasse mehrere Jahre nach ihrer Schließung zurückgeholt hat.

„Die Gelder für die Schwarzbachtrasse kommen nicht vom Land, sondern vom Bund, und Ende Juli fällt darüber die endgültige Entscheidung“, so Lutz Eßrich. „Was wir bisher mündlich aus dem Umweltministerium gehört haben, stimmt uns optimistisch. Die Förderungsanträge über das 3,7 Millionen Euro teure Projekt sind korrekt ausgefüllt und entscheidungsreif“.

Nachdem auch das Viadukt Dahler Straße bewältigt wurde und mancher aus der Vogelperspektive wohl gerätselt hatte, wo man sich wohl befinde, galt es, die Taschenlampen einzuschalten. 220 Meter Länge bei totaler Dunkelheit. Da wurden alle Strahlen auf die Schwellen gerichtet und weder Wände noch Tunneldecke auf etwaige Fledermäuse abgesucht. „Es hat sich übrigens herausgestellt, dass die Fledermäuse durch die Nordbahntrasse keinerlei Schaden genommen haben“, so Lutz Eßrich. Nach dem Tunnel waren es dann nur noch wenige Meter bis zum Sportplatz Grundstraße, und wer auf die Uhr sah, erkannte, dass die 1,7 Kilometer rund eine Stunde in Anspruch genommen hatten.

Für Wolfgang Klug war der Weg über die Schwarzbachtrasse eine Reise in seine Schulzeit in den 1960er Jahren. „Wir wohnten in der Hildburgstraße und sind in der Hügelstraße zur Schule gegangen. Da war die Bahntrasse der beste Weg“, erinnert er sich und hat noch ein spezielles Anekdötchen auf Lager: „Damals zeigte eine Ampel an, ob ein Zug im Tunnel war, und da die Züge da immer langsamer fuhren, sind wir auf die Waggons geklettert und so zurückgefahren. War immer ein echtes Abenteuer.“

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