Die „Wupperschiene“ will die Wuppertalbahn reaktivieren – und verhandelt mit der Deutschen Bahn.

Beyenburg
Der Blick zurück: Der Schienenbus in Beyenburg in den 1970er Jahren.

Der Blick zurück: Der Schienenbus in Beyenburg in den 1970er Jahren.

Bislang wird die Trasse hauptsächlich für Draisinenfahrten genutzt.

Rudolf Inkeller, Bild 1 von 2

Der Blick zurück: Der Schienenbus in Beyenburg in den 1970er Jahren.

Beyenburg. Für einen Eisenbahnfan könnte es eigentlich keine bessere Aussicht geben. Wenn Rudolf Inkeller aus seinem Schlafzimmer schaut, hat er genau den Beyenburger Bahnhof im Blick. Zahlreiche Fotos hat Inkeller geschossen, damals, als die Bahn noch regelmäßig fuhr. „Natürlich wollte ich schon als Kind Lokführer werden“, erinnert sich der 57-Jährige. Auch wenn es nicht so kam – Inkeller arbeitete später als technischer Zeichner – blieb seine Liebe zur Wuppertalbahn, deren Geschichte er auch ein Buch gewidmet hat.

Ein Teil der Strecke gehört schon dem Verein – der Rest der Bahn

Ehrensache, dass sich auch Inkeller im Verein Wupperschiene engagiert, der nur ein Ziel hat: Auf der Strecke sollen wieder (Museums-)Züge fahren. Denn seit Jahren herrscht zwischen Radevormwald und Oberbarmen meist tote Hose. „Dabei ist die Trasse noch komplett vorhanden“, sagt Inkeller.

Ein Teil der Strecke gehört dem Verein bereits, doch das Stück, auf das es ankommt – zwischen Beyenburg und Rittershausen –, befindet sich noch im Besitz der Deutschen Bahn. „Wir verhandeln derzeit“, erklärt Holger Piwowar, bei der Bergischen Entwicklungsagentur zuständig für den Bereich Tourismusfragen. Ein Kaufpreis von etwa 150.000 Euro steht im Raum. Der Prozess gestalte sich „nicht ganz so einfach“, wie Piwowar einräumt. Wenn alles glatt läuft, soll noch im ersten Halbjahr 2012 der zumindest der erste Vorvertrag unterzeichnet werden.

Fördermittel dürfen noch nicht fließen

Das Geld, betont Piwowar, steht längst zur Verfügung. Insgesamt gut 1,1 Millionen Euro (davon etwa 850.000 Euro aus Fördertöpfen) hat Wupperschiene zusammen. Der Haken: Das Geld fließt erst, wenn sich der Verein und die Bahn geeinigt haben. „Seit drei Jahren zieht sich das jetzt hin“, erklärt Piwowar. Aber: „So weit wie jetzt waren wir noch nie.“

Auch die Wupperschiene-Mitglieder stehen in den Startlöchern. Auf dem eigenen Trassenstück waren die Helfer schon fleißig, brachten unter anderem die alte Brücke in Beyenburg aufwändig auf Vordermann. Mit RSE Rhein-Sieg-Eisenbahn hätte der Verein zudem einen möglichen Betreiber bereits an der Angel. „Der müsste später auch die rechtliche Verantwortung übernehmen“, erklärt Ulrich Grotstollen, Vorsitzender von Wupperschiene. Wann dieses „Später“ sein könnte, will er lieber nicht sagen. „Wir sind vorsichtig geworden.“ Es bleibt noch viel Arbeit, wobei Grotstollen die Beseitigung des Hangrutsches von 1998 noch als kleinere Hürde sieht.

Ein Erfolgsmodell sind seit einigen Jahren die Draisinen-Fahrten auf der Trasse zwischen Beyenburg und Wilhelmsthal. Als Start- und Zielbahnhof dient der Bahnhof Dahlhausen, der von der Wupperschiene als Betriebsmittelpunkt genutzt wird. Die Strecke ist gut 8,5 Kilometer lang. Mehr Informationen unter:
www.wupper-trail.de

1886 wurde der erste Streckenabschnitt von Lennep nach Krebsöge eröffnet. 1888/90 wurde die Strecke über Beyenburg bis nach Oberbarmen-Rittershausen erweitert. „In unserer Gegend gab es damals viele Tuchfabriken. Da bot sich die Bahn für Transportwege einfach an“, erklärt Rudolf Inkeller.

Rudolf Inkellers „Die Wuppertalbahn“ ist als Heft 5 der Rheinisch-Bergischen Eisenbahngeschichte (ISBN 3-9806103-7-3) erschienen.
www.bbfw.de

Ab Ende der 1950er Jahre wurden die ersten Strecken stillgelegt. 1979 war auch für den Personenverkehr zwischen Oberbarmen und Krebsöge Schluss.

Zwischen Langerfeld und Beyenburg wurde zuletzt über die Trasse noch die Firma Erfurt beliefert. Ein Hangrutsch bedeutete aber 1998 das Aus auch für den Güterverkehr.

Auf der Strecke der Wuppertalbahn kam es am 27. Mai 1971 zum schwersten Zugunglück in der Geschichte der ehemaligen Deutschen Bundesbahn. In Dahlerau kollidierten zwei Züge, 46 Menschen, darunter 41 Schüler starben.

Der Verein arbeitet an einem „Gesamtpaket“, die Bahn allein würde sich nicht rentieren. Mit den Fahrten sollen touristische Angebote verknüpft werden, etwa Besuche im Wülfing-Museum oder Spaziergänge durch Beyenburg. Mehr Gastronomie müsste geschaffen werden, mahnt Inkeller, der sich vorstellen könnte, dass parallel zu den Fahrten zum Beispiel die Bootshäuser in Beyenburg Schnupperkurse anbieten. Grotstollen ist stolz, dass der Verein schon die Doppelgenehmigung für den Draisinen- (siehe Kasten) und Bahnbetrieb besitzt. Nur wann die Bahn endlich fahren kann, steht in den Sternen.

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