Totschlag im Alkoholrausch? Seit Dienstag muss sich ein 49-Jähriger wegen des Todes seiner Freundin vor Gericht verantworten.

Schmitteborn. Am Dienstag begann am Landgericht der Totschlag-Prozess gegen einen 49-Jährigen vom Schmitteborn. Der Kasache soll am 3. Oktober vergangenen Jahres in stark alkoholisiertem Zustand seine Lebensgefährtin in der gemeinsamen Wohnung in der verrufenen Hochhaussiedlung am Schmitteborn im Streit erstochen haben (die WZ berichtete). Doch nach dem ersten Verhandlungstag ist noch immer nicht klar, worüber das Paar gestritten hatte und wie es zu den tödlichen Verletzungen kam.

Der Angeklagte - er befindet sich seit Monaten in U-Haft - sagte gestern aus, an den Tatabend keine Erinnerungen mehr zu haben. Man habe gemeinsam getrunken - zwei Flaschen Wodka am Tag waren für das Paar üblich - und getanzt. An einen Streit erinnere er sich nicht. "Ich glaube nicht, dass ich sie getötet habe", sagte der 49-Jährige, der seinerzeit unter Bewährung stand.

Eindringlich schilderten die Nachbarn ihre Erlebnisse mit dem Paar, das zwei Jahre am Schmitteborn gewohnt hatte, bis es 2008 zur Tat kam. Trinkgelage seien ebenso üblich gewesen wie Besuche der Polizei. Schon im März 2008 habe die Nachbarin(53) aus der Wohnung neben dem Angeklagten das spätere Todesopfer in einer Blutlache vor dem Haus gefunden. Damals sei die 42-Jährige - sie stammte aus Russland - vom Balkon gestürzt. An den Folgen des Sturzes litt sie bis zur Tat. Bei anderen Gelegenheiten habe die 42-Jährige Hilfe geholt, weil ihr Partner so betrunken gewesen sei, dass der Notarzt kommen musste, so die Zeugen.

Die Nachbarn fanden die blutende Frau auf ihrem Balkon

Eine andere Zeugin, die am Tattag auf ihren Enkel in der Etage über der Wohnung des Angeklagten aufgepasst hatte, berichtete, dass sie nach Mitternacht von lauten Streitereien wach geworden sei. Eine Frau habe gerufen: "Sascha, öffne mir" und "ich blute, du hast mich geschnitten". "Ich gehe zurück nach Russland und du gehst ins Gefängnis", habe die Frauenstimme gesagt.

Das Paar aus der Nachbarwohnung hatte die stark blutende Frau in jener Nacht auf seinem Balkon gefunden. Dorthin hatte sie sich offenbar in Sicherheit gebracht. "Sie sah schrecklich aus, überall war Blut", sagte die Nachbarin gestern vor Gericht. Ihr Mann sagte: "Sie muss eine Todesangst gehabt haben. Es ist nicht leicht, auf den Balkon zu klettern - erst recht mit einem verletzten Bein."

Die 42-jährige Frau erlitt Schnittverletzungen, unter anderem am Mund, an den Handgelenken und in der Kniekehle. Dadurch war es zu großem Blutverlust gekommen. Nach einer Not-OP im Krankenhaus wurde die Frau ins künstliche Koma versetzt, aus dem sie nicht mehr erwachte - obwohl sie sich laut Rechtsmedizin zu dem Zeitpunkt außer Lebensgefahr befand. Todesursache sei eine Lungenembolie gewesen, so der Mediziner.

Der Prozess wird fortgesetzt, ein Urteil wird Anfang Mai erwartet. Dem Angeklagten droht eine Freiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren.

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