580 Wuppertaler ließen sich typisieren. 80 Feuerwehrleute halfen bei der Aktion.

Knapp 600 Wuppertalern wurde für die Aktion in der Feuerwache Blut abgenommen.
Knapp 600 Wuppertalern wurde für die Aktion in der Feuerwache Blut abgenommen.

Knapp 600 Wuppertalern wurde für die Aktion in der Feuerwache Blut abgenommen.

Gerhard Bartsch

Knapp 600 Wuppertalern wurde für die Aktion in der Feuerwache Blut abgenommen.

Heckinghausen. Engagement benötigt manchmal einen besonders kräftigen, schonungslosen Anstoß. So war das auch bei der Berufsfeuerwehr in Barmen, auch wenn deren Engagement für das Wohl der Bürger eigentlich außer Frage steht. Vor einer Weile war dort ein 28 Jahre alter Kollege an Leukämie erkrankt - ein hartes Urteil für einen jungen Menschen. Ende November 2008 kam die Botschaft, es sei ein passender Spender gefunden. Der Betroffene darf nun im Rahmen einer Stammzellentherapie auf Genesung von der schweren Erkrankung hoffen.

"Man wird aus dem Alltag herausgerissen"

"So etwas gibt ein Signal", sagt Feuerwehrmann Roland Ferl. "Beruflich haben wir täglich mit schlimmen Fällen zu tun. Wenn es aber jemanden trifft, der ein Gesicht hat, dann wird man doch aus dem Alltag herausgerissen." Für den 42 Jahre alten Roland Ferl war das der Grund, am Samstag in der Feuerwache Waldeckstraße an einer Bluttypisierungsaktion teilzunehmen.

"Wie ziehen das heute mal durch", sagt Andreas Steinhard, Pressesprecher der Feuerwehr. Im Klartext läuft das darauf hinaus, dass 80 Feuerwehrleute auf ihre Freizeit verzichten, um eine lebensrettende Zusatzaktion zu leisten. Während einige Kollegen in Bereitschaft sind, kümmert sich die übrige Mannschaft an sieben Tischen um die Erfassung von Daten spendenwilliger Bürger. Denn wer bereit ist, sich ein wenig Blut zur Typisierung abnehmen zu lassen, muss zwischen 18 und 55 Jahren alt sein, darf keine ansteckenden Krankheiten, kein starkes Über- oder Untergewicht haben.

Anhand der Proben werden die Gewebemerkmale festgestellt. Nur bei Übereinstimmung können die Stammzellen wie ein Organ mit denen des Leukämiekranken ausgetauscht werden. Um passende Spender zu finden, ist ein weltweiter Datenabgleich erforderlich. Je höher also die Ziffer der möglichen Spender, die im Zentralen Knochenmarkregister erfasst sind, desto größer die Wahrscheinlichkeit, den genetischen Zwilling zu finden.

Nachdem der Fragebogen zur Krankheitsgeschichte ausgefüllt ist, geht es zur Blutabnahme. "Eben hat mir jemand gesagt, er sei noch nie so zärtlich gestochen worden", erzählt Volker Göbel von der Notfallmedizin der Feuerwehr. Er findet es vollkommen in Ordnung, mal ein langes Wochenende zu investieren. "Leukämie könnte ja jeden treffen." 580 Wuppertaler teilten diesen Gedanken und nahmen an der Aktion teil. Sie spendeten obendrein 4717 Euro, denn jede Typisierung kostet 50 Euro.

In Deutschland führen mehrere Organisationen Typisierungen durch. Partner der Feuerwehr am vergangenen Samstag war die DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei). Deren Datenbank umfasst mittlerweile insgesamt 1,8 Millionen Spender.

Bei der Leukämie kommt es zur ungebremsten Vermehrung weißer Blutkörperchen.

Die seit etwa zwei Jahrzehnten durchgeführte Therapie mit Stammzellen zielt darauf ab, kranke Zellen durch gesunde zu ersetzen.

Zur Gewinnung der Stammzellen wird entweder dem Beckenkamm unter Vollnarkose ein Knochenmark-Blut-Gemisch entnommen. Oder aber es wird Blut gespendet, aus dem bei der Entnahme durch einen Zell-Separator Stammzellen ausgefiltert werden.

Zur Belohnung gab es für die Teilnehmer Kaffee und Kuchen - wofür die Feuerwehr obendrein gesorgt hatte.

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