Grafenstraße: Die Bezirksvertretung Oberbarmen fühlte sich nicht ausreichend von der Verwaltung informiert und vertagte das Thema. Der Sozialdezernent befürchtet den Verlust von Fördergeldern.

Grafenstraße: Die Bezirksvertretung Oberbarmen fühlte sich nicht ausreichend von der Verwaltung informiert und vertagte das Thema. Der Sozialdezernent befürchtet den Verlust von Fördergeldern.
Die Kita Grafenstraße soll mehr Platz für Kinder bekommen.

Die Kita Grafenstraße soll mehr Platz für Kinder bekommen.

Anna Schwartz

Die Kita Grafenstraße soll mehr Platz für Kinder bekommen.

Wichlinghausen. Es war nicht viel, was der Stadtbetrieb Kindertagesstätten der Bezirksvertretung (BV) Oberbarmen zur Erweiterung der Kita Grafenstraße mitgeteilt hat. Ein Ersatzbau soll errichtet werden, um aus der dreigruppigen eine sechsgruppige Einrichtung zu machen, war zu lesen. Doch diese Information reichte den Politikern in Oberbarmen – anders als denen im Jugendhilfeausschuss – nicht, um dem Stadtrat zu empfehlen, die Machbarkeit eines Um- oder Neubaus prüfen zu lassen.

Außerdem, so argumentierten die Bezirkspolitiker in der jüngsten Sitzung, sei die Vorlage zu spät gekommen, um sich ausreichend auf das Thema vorzubereiten. Daher wurde eine Empfehlung auf die nächste Sitzung vertagt – die ist erst im April. Der Rat soll aber schon am 20. Februar entscheiden.

Sozialdezernent Stefan Kühn (SPD) befürchtet, dass Fördergelder nicht rechtzeitig beantragt werden können, wenn der Rat nächste Woche keinen Prüfantrag erteilt. Sehr bedauerlich findet Kühn, dass niemand aus der Bezirksvertretung ihn im Vorfeld auf das Thema Grafenstraße angesprochen habe, räumt aber ein, dass die Vorlage nicht sehr umfangreich gewesen sei. „Es geht zunächst aber auch nur um einen Prüfantrag. Erst wenn der positiv ausfällt, wird darüber entschieden, ob die Kita tatsächlich einen Ersatzbau erhält“, erläutert Kühn.

Politik fragt: Was ist mit dem Kita-Gebäude am Diek?

Es sei aber wichtig, die Machbarkeit schnellstmöglich feststellen zu lassen. Denn es könne sein, dass der Bund demnächst neue Förderprogramme anbiete, für die die Stadt dann sofort einen Antrag stellen wolle. „Wenn der Rat jetzt keine Entscheidung trifft, verzögert sich alles bis Mai. Bis dann die Prüfung erfolgt ist, sind vielleicht keine Gelder mehr vorhanden“, befürchtet der Sozialdezernent.

Neben dem finanziellen Nachteil sieht Stefan Kühn aber noch einen anderen: „Im Bezirk Oberbarmen fehlen rund 200 Betreuungsplätze, die wir dringend schaffen müssen. Alle Verzögerungen gehen zu Lasten der Kinder.“ Mit einem Ersatzbau, der nach Aussage von Kühn theoretisch auch nur eine zweite Etage auf dem jetzt einstöckigen Gebäude sein könnte, könne die Kita Grafenstraße statt drei dann sechs Gruppen anbieten.

Die Tageseinrichtung für Kinder Grafenstraße 11 liegt in einem dichtbesiedelten Wohngebiet in Wichlinghausen und gehört zum Bezirk Oberbarmen. Sie wird in einem eingeschossigen Gebäude geführt, das nur den Betrieb von drei Gruppen mit rund 60 Betreuungsplätzen erlaubt.

An dem Wort „Ersatzbau“ stören sich die Politiker in der Oberbarmer BV. „Warum soll bereits jetzt über einen Ersatzbau gesprochen werden, wenn die grundsätzliche Machbarkeit noch gar nicht feststeht?“, moniert Burkhard Rücker, Sprecher der CDU-Fraktion. „Ein Ersatzbau beinhaltet sprachlich den Abriss bestehender Gebäude. Wo sollen Kinder und Betreuer in der Zeit des Neubaus hin?“

Desweiteren wundert sich Rücker, dass es Am Diek – also in fußläufiger Entfernung zur Grafenstraße – ein Kindergartengebäude gibt, das der evangelischen Kirchengemeinde Wichlinghausen-Nächstebreck gehört und das leer steht. „Hat die Verwaltung Kontakt mit der Kirchengemeinde aufgenommen?“, will Rücker wissen.

Das muss der Sozialdezernent verneinen: „Meiner Kenntnis nach hat die Gemeinde damit eigene Pläne.“ Auf jeden Fall sei der Verwaltung das Gebäude nicht angeboten worden: „Sonst würden wir das gern prüfen“, meint Stefan Kühn, der sich gut vorstellen kann, dass ein Freier Träger an dieser Stelle eine Kita eröffnen möchte.

Davon bliebe die Erweiterung der Grafenstraße allerdings unberührt: „Wir brauchen additiv Plätze, denn im Bezirk Oberbarmen erreichen wir bei der Betreuung der Unter-Dreijährigen derzeit 28 Prozent, wir brauchen aber 40 bis 50 Prozent.“

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