Vor drei Jahren startete Kai Fobbe sein Projekt „42xxx“. Bald gibt es auch in Heckinghausen einen Standort.

Vor drei Jahren startete Kai Fobbe sein Projekt „42xxx“. Bald gibt es auch in Heckinghausen einen Standort.
An der Wittensteinstraße hat Kai Fobbe in einem Ingenieurbüro eine mannshohe Leinwand aufgestellt, auf der sein Video läuft.

An der Wittensteinstraße hat Kai Fobbe in einem Ingenieurbüro eine mannshohe Leinwand aufgestellt, auf der sein Video läuft.

Stefan Fries

An der Wittensteinstraße hat Kai Fobbe in einem Ingenieurbüro eine mannshohe Leinwand aufgestellt, auf der sein Video läuft.

Barmen. Um ein Bild richtig zu erkennen, ist es mitunter nötig, etwas auf Abstand zu gehen. „Manchmal sieht man besser aus der Entfernung. Da sieht man viel klarer“, sagt Kai Fobbe. Der 48-jährige Videokünstler steht am Heizkraftwerk in Barmen und schaut nach oben. Ganz oben am Rand des Kraftwerks läuft ein von ihm produziertes Video: Wer etwas länger schaut, erkennt eine Frau, die Leinenbahnen spannt. Es handelt sich um die Tänzerin Regina Advento, von der Fobbe im Rahmen seines Projektes „42xxx“ Filmmaterial von etwa 20 Stunden gedreht hat. Einen Ausschnitt aus diesem Fundus zeigt er auf dem Heizkraftwerk, zu sehen ist das allerdings nur für jene, die von der anderen Straßenseite nach oben schauen.

2017 geht das Projekt „42xxx“ in sein letztes Jahr: Seinen Ursprung hat das 2014 gestartete Vorhaben auf dem Arrenberg, mittlerweile ist es allerdings auch schon seit einiger Zeit in den östlichen Stadtteilen angekommen. Und in den kommenden Wochen soll ein neuer Standort in Heckinghausen dazukommen. An der Alten Zollbrücke soll eine Videoinstallation von einem Garagendach an eine Hauswand geworfen werden. Man habe jetzt die Zustimmung von dem Besitzer der Garage, auf dem Dach einen Beamer aufzustellen, sagt das Vorstandsmitglied des Vereins „Kultur und Künste“, Uwe Sippel.

Ab etwa Ende Februar soll die Video-Installation mit Anbruch der Dunkelheit an die dortige Hauswand projiziert werden. „Zu sehen ist das Video aber nur von der Brücke. Wir wollen, dass die Menschen das Auto verlassen und sich von der Brücke aus das Video anschauen“, erklärt Sippel. Damit der Beamer im Freien stehen kann, soll nun auch noch eine wetterfeste Box von Fobbe gebaut werden.

Mittlerweile sind 28 Standorte an Fobbes Projekt involviert

Der 48-jährige Video-Künstler hat momentan alle Hände voll zu tun, überarbeitet er doch derzeit 21 seiner alten Arbeiten an verschiedenen Standorten in der gesamten Stadt. Über die Videos an jenen Standorten legt er schwarz-weißen Schraffuren, die die Sequenzen durchaus etwas verfremden. Mit der Bearbeitung möchte Fobbe daran erinnern, dass sich der Blick des Betrachters an Schraffuren orientiert. Die Linien können horizontal oder vertikal verlaufen und sollen den Videos eine zusätzliche Ebene geben.

Mittlerweile haben sich 28 Standorte an „42xxx“ beteiligt - die meisten sind immer noch dabei, eine Handvoll ist aber auch schon wieder ausgestiegen: Zum Beispiel, weil sie die Stromkosten nicht mehr tragen wollten. Ausgeschieden aus dem Heer der Unterstützer ist auch die Oper Barmen. „Die brauchten den Beamer für eine Produktion“, bedauert Fobbe. Von seinem ursprünglichen Plan, 42 Standorte in Wuppertal mit seinen Video-Installationen zu bespielen, hat sich der 48-Jährige mittlerweile verabschiedet. Ersatzweise wird er dafür die Video-Sequenzen an 21 Standorten in den kommenden Wochen neu präsentieren.

Fobbe, der für sein Studium nach Wuppertal gekommen war, ist es nach eigenen Angaben wichtig, bei seiner Arbeit eine „Harmonie von Film und Ort“ zu finden. Das Licht der Projektion soll nicht in die Räume eindringen und die Bewohner beziehungsweise Nutzer stören, die Sequenzen sollen zu dem Gebäude passen und eine Einheit bilden.

Wie das funktioniert, ist an der Stadtsparkasse in Wichlinghausen zu sehen. Das Kreditinstitut wird in helles Licht getaucht. Ausgenommen davon sind die Fenster in der Häuserfassade. „Da dringt kein Licht in die Räume“, verspricht Fobbe.

Nicht weit entfernt liegt die Wichlinghauser Kirche an der Westkotter Straße. An der Front des evangelischen Gotteshauses ist eine neuere Arbeit Fobbes zu sehen. In der Sequenz faltet Advento aus sechs Metern schwarzen Stoff einen großen Turban. „Anders als die anderen Arbeiten ist die hier in Farbe“, betont Fobbe. Um die Ästhetik der Bewegung zu sehen, läuft das Video in leichter „Slow Motion“.

Auch kleinere Orte haben sich an dem Projekt beteiligt. Dazu gehört etwa das Ingenieurbüro Construction Consulting an der Wittensteinstraße. In dem Büro ist eine mannshohe Leinwand aufgestellt, auf der ein Video von Fobbe läuft. Die Aufnahmen wurden in einem Hallenbad gemacht: Advento zieht ihre Bahnen, auch Taucher sind im Einsatz. Allerdings braucht es ein wenig Zeit und auch Fantasie, um die Szene zu entziffern. Durch die Bearbeitung Kai Fobbes sind die konkreten Personen nämlich zu Schemen verwandelt.

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