Barbara Philipp und Dirk Budde bereisten Afrika, Australien und Südamerika auf Motorrädern – die Erfüllung eines Traums.

Ausrüstung, Kleidung, Verpflegung – alles Nötige für ihre Reise transportierten Barbara Philipp und Dirk Budde auf ihren Motorrädern.
Ausrüstung, Kleidung, Verpflegung – alles Nötige für ihre Reise transportierten Barbara Philipp und Dirk Budde auf ihren Motorrädern.

Ausrüstung, Kleidung, Verpflegung – alles Nötige für ihre Reise transportierten Barbara Philipp und Dirk Budde auf ihren Motorrädern.

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Ausrüstung, Kleidung, Verpflegung – alles Nötige für ihre Reise transportierten Barbara Philipp und Dirk Budde auf ihren Motorrädern.

Wuppertal. Wer kennt es nicht: das Gefühl, Hektik und Alltag hinter sich lassen zu wollen. Die meisten träumen nur davon. Barbara Philipp und Dirk Budde haben es getan. Ein Jahr lang sind die beiden Wuppertaler ausgestiegen - für eine Weltreise mit dem Motorrad. Naja - für eine Beinahe-Weltreise.

"Die ganze Welt haben wir nicht geschafft. Aber drei Kontinente", schwärmt Barbara Philipp. Neugierde und Abenteuerlust haben das Paar animiert. "Das war ein Kindheitstraum", gesteht die Bibliothekarin. "Anstelle nur von Abenteuern zu lesen, habe ich die jetzt mal selbst erlebt." Mit ihrem Liebsten an der Seite auf dem Motorrad - "so haben wir Land und Leute kennen gelernt", fasst es Dirk Budde zusammen.

Drei Jahre lang haben die beiden ihre Tour vorbereitet. Vor allem sich aus den Jobs frei zu machen, war "ein komplizierter, aufwendiger Papierkrieg, der nur durch die Unterstützung unserer Chefs gewonnen werden konnte", erklären die Bibliothekarin und der Industriemeister. "Vorbereiten kann man die Route nicht wirklich", so der 49-Jährige. Natürlich haben sich die Biker mit Gleichgesinnten in Internetforen ausgetauscht oder entsprechende Erfahrungsberichte in Zeitungen verschlungen. "Durch Bekanntschaften vor Ort und Tipps von Einheimischen haben sich die Pläne manchmal ganz maßgeblich verändert", sagt die 47-Jährige.

Im Oktober 2008 ging es los - per Flug nach Kapstadt, die Bikes kamen per Schiff nach. Von Südafrika ging es nach Botswana, dann nach Namibia - das nächste Ziel wäre Malawi gewesen. "Aber wegen platter Reifen mussten wir zurück nach Namibia." Dort wurden die aus Deutschland eingeflogenen neuen Reifen aufgezogen, um noch Angola zu bereisen. Angst, Überfälle, Krankheiten in dieser Weltregion? Kein bisschen, versichern die Reisenden, die ihre ganze Ausrüstung auf den Bikes mitführten und sich mal mit Englisch, mal mit Händen und Füßen verständigten.

Ob Afrika, Australien oder Südamerika - "es waren unvergessliche Eindrücke", erzählt das Paar. Vor allem die Gastfreundschaft in den fremden Ländern habe ihnen imponiert - "Ohne großes Tamtam wurden wir immer wieder aufgenommen, eingeladen - das war wunderschön." Und das vermissen sie auch ein wenig seit der Rückkehr nach Deutschland, fügt Philipp hinzu.

"Es war schwer, ins alte Leben zurückzufinden."

Barbara Philipp

Inzwischen sind Budde und Philipp wieder in ihre alten Jobs zurückgekehrt - sie in ihre Arbeit als Bibliothekarin in Düsseldorf, er zu seiner Wuppertaler Firma. Für die Zeit ihrer Reise haben sie sich freistellen lassen.

Auf ihrer Reise vermisst haben die zwei hingegen "nichts. Vielleicht mal eine Frikadelle oder Schwarzbrot". Dafür lernten sie bei Völkern wie den Himba in Namibia, wie köstlich geröstete Würmer schmecken können. Wale haben sie beobachtet ("diese Energieberge"), lernten im Siebenfarbengebirge Argentiniens ein "unfassbares Farbspektrum" vom schrillsten Pink bis zum sattesten Grün kennen. Beim Wechsel der Kontinente haben sie ihre Motorräder jeweils per Schiff überführt. Übernachtet wurde meist im eigenen Zelt - wer viel erleben will, darf nicht anspruchsvoll sein.

Eine Hochwasserkatastrophe in Australien erlebten sie ebenso hautnah mit und wie Feuer in Südamerika zur Brandrodung - bei einer solchen gerieten sie ein gesperrtes Waldgebiet und standen auf einmal mitten in riesigen Rauchwolken. Dass sie in Peru eine Nacht auf einem "unglaublich gepflegten, umzäunten riesigen Park" verbrachten, der sich im Morgenlicht als Friedhof entpuppte, war einer der "Späße am Rande". Wenn mal ein Motorrad kaputt war, reparierte Budde selbst. Krank waren sie kein einziges Mal - "bis auf ein, zwei Tage Schnupfen".

Das "Gefühl von Freiheit" und "losgelöst aus Zeit und Raum" zu sein, sind mit die stärksten Erinnerungen an diese Reise. "Es war schwer, ins alte Leben zurückzufinden", bekennt Barbara Philipp - seit Oktober sind beide wieder in Wuppertal sind. "Wenn wir es uns leisten könnten und nochmal genehmigt bekämen, würden wir sofort wieder losreisen." Die Mongolei, überlegt Dirk Budde, könnte als nächstes Ziel sicher interessant sein.

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