Verliebt, aber nicht verhungert: Im Jahr der Fußball-WM stand der Theaterball unter besonderen Vorzeichen.

Ein eingetanztes Paar der Wuppertaler Bühnen: Opernsängerin Elena Fink und Gunther Volz (Künstlerisches Betriebsbüro).
Ein eingetanztes Paar der Wuppertaler Bühnen: Opernsängerin Elena Fink und Gunther Volz (Künstlerisches Betriebsbüro).

Ein eingetanztes Paar der Wuppertaler Bühnen: Opernsängerin Elena Fink und Gunther Volz (Künstlerisches Betriebsbüro).

Andreas Fischer

Ein eingetanztes Paar der Wuppertaler Bühnen: Opernsängerin Elena Fink und Gunther Volz (Künstlerisches Betriebsbüro).

Wuppertal. Mann müsste man sein. Und am besten noch einen eigenen Kostümfundus besitzen. Das dürfte sich so manche elegante Dame gedacht haben, die sich auf Schuhen, mit denen man garantiert nicht Fußball spielen kann, auf den Weg gemacht hatte, um sich auf die Fußball-WM vorzubereiten - rein mental, versteht sich.

Denn neben den Beinen sollten am Samstagabend auch die Gefühle in Schwung kommen: "Ball-verliebt" war das Motto beim 7. Theaterball in der nahezu ausverkauften Stadthalle - und das durften die 700 Gäste durchaus doppeldeutig verstehen.

Während das Publikum, das nicht auf die Bühne musste, aber nach dem einstündigen Eröffnungsprogramm aufs Parkett wollte, noch rätselte, ob das eigene Abendkleid eine Verlängerung auf der Tanzfläche wohl überstehen würde, hatte ein ganz besonderes Paar die Kleiderfrage galant gelöst: Johannes Weigand und Christian von Treskow sahen aus, als ob sie gerade erst einem 20er-Jahre-Film entsprungen wären. Die Intendanten hatten für ihre Premiere tief in den Fundus gegriffen. Na klar: Als Bühnen-Chefs hatten sie die Auswahl. Aber auch Verpflichtungen. Durchaus aufgeregt - wie zwei Kicker vor dem ersten Länderspiel - warteten die Moderatoren auf den Anpfiff.

"Für uns ist es in nicht ganz
einfachen Zeiten ein tolles Signal.
Es macht uns Mut, dass Sie bei uns sind."

Christianv on Treskow, Schauspiel-Intendant, zu den Theaterfreunden, die den Erlös des Balls den Bühnen und den Sinfonikern spenden wollen.

Der erfolgte im Großen Saal mit viel Taktgefühl: Das Sinfonieorchester eröffnete die Benefizveranstaltung mit der Akademischen Festouvertüre c-moll, op.80 von Johannes Brahms. Misstöne gab es auch danach nicht. Denn obwohl die Theaterfreunde im vergangenen Jahr 50.000 Euro für die Wiedereröffnung des Kleinen Schauspielhauses gespendet hatten, um wenig später zu erfahren, dass die Spielstätte ein Opfer des Sparzwangs zu werden droht und geschlossen werden soll, gab es kein Wehklagen - zumindest nicht an diesem Abend. Vorsitzender Günter Völker, der den Ball eröffnete und mit viel Liebe organisiert hatte, wollte sich die gute Stimmung nicht verderben lassen: "Heute wird nicht protestiert - alles zu seiner Zeit. Heute wird die Kultur gefeiert."

Auch Opern-Chef Johannes Weigand genoss das locker-leichte Programm mit Stücken aus Ländern, die schon einmal die Fußball-Weltmeisterschaft für sich entschieden hatten: "Wir sind heute unter Freunden." Zu denen gehörte Barmenia-Chef Josef Beutelmann genauso wie Kämmerer Johannes Slawig. Auch Pfarrerin Sylvia Engels (Citykirche) und Stadthallen-Chef Holger Kruppe zeigten sich "Ball-verliebt" - während Kulturdezernent Matthias Nocke, Markus von Blomberg (Meine Stunde für Wuppertal), und Orchesterdirektor Heiner Louis am Buffet aufliefen.

Gleich, ob die Liebe zu den kleinen Kultur-Häppchen oder die Aussicht auf Roastbeef und Tiramisu die größte Motivation war: Gut gestärkt feierten die 700 Gäste bis weit nach Mitternacht - obwohl oder gerade weil die Sparmaßnahmen derzeit dunkle Wolken über Wuppertals Kulturlandschaft schieben und es dort nicht erst seit dem Wochenende stürmisch ist. 

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