Die Fans feierten die Band mit frenetischem Applaus. Die gab ein eindrucksvolles Konzert vor grandioser Kulisse.

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Hier wird normalerweise Gestein abgebaut - am Donnerstag wurde gerockt.

Hier wird normalerweise Gestein abgebaut - am Donnerstag wurde gerockt.

Uwe Schinkel

Hier wird normalerweise Gestein abgebaut - am Donnerstag wurde gerockt.

Wuppertal. Als die Scheinwerfer ihre Strahlen über die 60 Meter hohen Felswände in den blauen Abendhimmel warfen und Razorlight um 21.45 Uhr den Abend mit "In the morning" bravourös eröffneten, war klar, dass die Kombination aus schroffem Stein und rauem Rock aufgehen würde. Exklusive Konzerte mit angesagten Bands an ungewöhnlichen Orten, das ist das Konzept der T-Mobile Street Gigs, deren 19. Auflage sich am Donnerstag im Steinbruch Oetelshofen zwischen massiven Felswänden und Riesenbaggern im Stadtteil Hahnenfurth abspielte. Eine knappe Woche hatten die Vorbereitungen gebraucht, damit aus der imposanten Naturkulisse ein perfektes Spektakel werden konnte.

Ein sympathischer und authentischer Johnny Borrell 

Rund 2000 zumeist jugendliche Fans begrüßten die britisch-schwedische Band frenetisch, die sich selbst äußerst wortkarg zeigte und die Wuppertaler Fans nicht ein einziges Mal ansprach. Vielleicht hatte ja die Mannen um den charismatischen Frontmann Johnny Borrell das peinlich unbeholfene Geplapper der Vorband Kilians aus Dinslaken abgeschreckt. Musikalisch demonstrierten Razorlight jedoch schnell ihre eigene Klasse. Nicht nur, dass die Briten richtig gute Songs schreiben, die sich gekonnt zwischen Britpop, Indierock und Folk bewegen, vor allem die tadellose und facettenreiche Stimme Borrells überzeugt an diesem Abend - ob bei schräg nölenden Songs wie "London Trash", dem pathetischen "America" oder ganz intim, allein mit der Gitarre zu "Behind your Barricade".

Überhaupt ist bei Razorlight alles auf den 29-jährigen Borrell ausgerichtet, dem es auf wundersame Weise gelingt, trotz eines gewissen Größenwahns auf der Bühne zugleich sympathisch-authentisch zu wirken. Und der es schafft, dass seine Songs zuweilen heller strahlen als die Scheinwerfer über der Bühne. Bei Hits wie "Wire to Wire" oder "Hostage of Love" halten die Fans gebannt inne, genießen die Wirkung der eindrucksvollen der Musik in Verbindung mit der grandiosen Kulisse, die mit Videoprojektionen zusätzlich in Szene gesetzt wurde. Da möchte man auch verzeihen, dass es sich bei der Info, Razorlight hätten sich persönlich für diese Location entschieden, wohl um eine medienwirksame Legende handeln muss. Sagte Gitarrist Björn Agren doch im WZ-Interview, man habe vorher gar nicht gewusst, wo man spielt. 

Sei’s drum. Als der Tross der Zuschauer sich um 23 Uhr glücklich die Serpentinen heraufschiebt, ist für die Veranstalter der Gig schon Vergangenheit. Im Steinbruch aber wird er noch länger Gesprächsthema sein.

Ein WZ-TV-Video zum aufwändigen Aufbau im Steinbruch sehen Sie hier.

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