40 Prozent der Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule. Das führt häufig zu brenzligen Situationen im Verkehr.

Die Schüler der Grundschule Kruppstraße sind nicht die einzigen in Wuppertal, die Schwierigkeiten haben, ihre Schule gefahrlos zu Fuß zu erreichen.  Symbol
Die Schüler der Grundschule Kruppstraße sind nicht die einzigen in Wuppertal, die Schwierigkeiten haben, ihre Schule gefahrlos zu Fuß zu erreichen. Symbol

Die Schüler der Grundschule Kruppstraße sind nicht die einzigen in Wuppertal, die Schwierigkeiten haben, ihre Schule gefahrlos zu Fuß zu erreichen. Symbol

dpa

Die Schüler der Grundschule Kruppstraße sind nicht die einzigen in Wuppertal, die Schwierigkeiten haben, ihre Schule gefahrlos zu Fuß zu erreichen. Symbol

In jedem neuen Schuljahr müssen nicht nur die Kinder den Schulweg üben, sondern auch ihre Eltern. Denn pünktlich zum Schulbeginn kommt eine neue Generation von Eltern an die Schulen, die wissen will, dass ihre Kinder sicher in der Schule ankommen.

„In der jetzigen Phase haben wir wieder viele Eltern, die Ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen“, sagt Jens Leven, Büro für Forschung, Entwicklung und Evaluation (bueffee). Das Phänomen des Elterntaxis tritt immer in Phasen auf, sagt der Verkehrsplaner. Im Sommer gingen viele zu Fuß, im Winter gebe es zehn Prozent mehr Autos vor den Schulen. Jetzt, zu Beginn eines Schuljahres, ebenso.

„Das Problem haben wir seit vielen Jahren“, berichtet Michael Bartsch, Leiter der Verkehrsunfallprävention bei der Stadt Wuppertal. Eltern sollten vor Schulbeginn den Schulweg mit den Kindern üben und dabei schauen, welche Stellen kritisch sind. Denn der kürzeste Weg ist nicht immer der sicherste, betont Bartsch. Die Polizei habe nur eine beratende Funktion, setze sich aber dafür ein, dass mehr Kinder zumindest ein Teil des Weges gehen: Bewegungsmangel sei schlecht für die Gesundheit und es habe eine soziale Komponente, wenn Kinder zusammen zur Schule laufen.

In einer Testzone können Eltern ihre Kinder absetzen

Um mehr Kinder auf den Schulweg zu bringen, gibt es in Wuppertal seit einem knappen halben Jahr eine Hol- und Bringzone. Die Testzone befindet sich im Bereich vor der Grundschule und der Gesamtschule Kruppstraße. Hier hat die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsplanungsbüro bueffee drei Hol- und Bringzonen eingerichtet. In den Bereichen an der Kruppstraße können vier bis sechs Pkw halten. Eltern können hier ihre Kinder absetzen und wieder wegfahren, ohne an der Schule vorbeizukommen.

„Die Hol- und Bringzonen sind gut angekommen“, sagt Holger Schwaner, Schulleiter der Grundschule Kruppstraße. Es fehlen noch die aufgemalten Füße als Wegweiser, damit die Eltern sicher sein können, dass die Kinder gut ankommen. „Die Stadt hat Farbe verwendet, die sich schnell abwäscht“, berichtet Schwaner. Insgesamt machten es die Eltern der Grundschüler schon gut. „Die Eltern sind sich darüber bewusst, dass sie durch ihr Verhalten auch Kinder schützen.“

Verkehrssicherheit und Elterntaxis hängen direkt zusammen

Er kritisiert aber, dass die Kruppstraße dennoch unfallträchtig bleibt: Ein Zebrastreifen ist nach Angaben der Stadt in der 30er Zone nicht möglich. Dafür gibt es eine erhöhte rote Fläche, die zum langsamen Fahren animieren soll. „Sie wird von den Kindern wie ein Zebrastreifen genutzt, über die sie einfach rüberlaufen“, berichtet Schwaner.

Die Stadt will das Pilotprojekt im Frühjahr auswerten. Bislang gebe es immer noch viele Autos in dem Bereich, sagt eine Stadtsprecherin. „Das Problem der Elterntaxis besteht vor allen Wuppertaler Schulen“, sagt Jens Leven von bueffee. 40 Prozent der Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule. „Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen der Verkehrssituation und Elterntaxis“, erklärt er. Wuppertal belegt im Kinderunfallatlas der Bundesanstalt für Straßenwesen den 412. Platz - von 412.

„Nur auf die Eltern zu schimpfen, greift zu kurz“, sagt Leven. In einer Umfrage unter 7000 Eltern konnte er drei Gründe ausmachen, warum sie ihr Kind mit dem Auto bringen: Verkehrssicherheit, Bequemlichkeit und Angst, dass dem Kind etwas passiert. Die letzte Gruppe sei die schwierigste Zielgruppe, die anderen könnten häufig überzeugt werden.

Die Stadt habe für das Pilotprojekt mehrere Maßnahmen umgesetzt, zum Beispiel Fußwege verbreitert und Fußgängerampeln so geschaltet, dass Kinder sie in einem Rutsch überqueren können. „Hier hat die Kommune eine Hauptrolle: Verkehrssicherheit ist eine bauliche Aufgabe“, betont Leven. Er plädiert dafür, dass sich alle gemeinsam als Team das Problem angehen: „Wir sollten den Kindern ihren Schulweg zurückgeben.“

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