Tropische Pflanzen bei 20 Grad plus – so sieht die kalte Jahreszeit im Gewächshaus des Botanischen Gartens aus. Ein Besuch.

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Gärtner Dirk Derhof erklärt den Besuchern Christine Dransfeld und Helmut Thiele seine Pflanzen.

Gärtner Dirk Derhof erklärt den Besuchern Christine Dransfeld und Helmut Thiele seine Pflanzen.

Andreas Fischer

Gärtner Dirk Derhof erklärt den Besuchern Christine Dransfeld und Helmut Thiele seine Pflanzen.

Wuppertal. Avocado-Kern, drei Streichhölzer, Tasse und Wasser - der typische Baukasten für die Studentenbude verspricht allerlei, nur kein gestandenes Pflänzchen. Für Dirk Derhof, Gärtnermeister bei der Stadt, ist die Prognose klar: "Das bleibt ein dünner Pinn." Ganz anders sieht die stattliche Avocado im neuen Glashaus auf der Hardt aus, wo Derhof Wissenswertes "Vom Kaffee bis zum Zuckerrohr" vermittelt. Wer das feuchtwarme Reich betritt, ahnt sogleich, warum eine Avocado im Mief von Zigaretten, Toaster und Wäschetrommel nicht gedeihen kann.

Nur drei Gäste haben sich bei klirrender Kälte auf dem Dach der Stadt eingefunden. Allen anderen Wuppertalern sei gesagt, dass ihnen ein grandioses Erlebnis entgangen ist. Wie selten strahlt die Sonne über dickem Pulverschnee auf der Hardt! Wie einzigartig die Chance, gerade bei solchem Wetter von einem Fachmann durch einen tropischen Nutzgarten geführt zu werden!

Es ist angenehm warm im Glashaus, tagsüber konstant 20, nachts 18 Grad bei 70 bis 75 Prozent Luftfeuchtigkeit. Über den Boden kriecht eine Efeutute, zum Dach reckt sich eine Fächerpalme. "In der Nacht hatten wir Alarm", berichtet Derhof. Die Temperatur war zu tief abgesunken, eine der Kinderkrankheiten, die das Gewächshaus noch überstehen muss. Schließlich ist dies erst der zweite Winter, in dem Erfahrungen gesammelt werden.

Diese Erfahrungen besitzen aber auch ihre herrlichen Seiten. "Als unsere Guave gefruchtet hat, war der gesamte Raum mit dem Aroma erfüllt." Dagegen nimmt sich die Musa, gemeinhin als Banane bekannt, schon fast unscheinbar aus. Doch Derhof zieht einen Trumpf unter dem grünen Dach der Staude hervor: eine echte Banane, sozusagen als "Wuppita" gereift im eiskalten Wuppertal. Scheibchenweise verteilt der Gärtner das seltene Stück an die Gäste, ein köstlicher Genuss. Am Tropenstrand kann jeder eine sonnengereifte Banane verzehren, vor Schneepanorama nur wenige.

Vorbei an Mimose und Kaffeestrauch geht der Streifzug weiter in den kälteren Nachbarraum, wo bei maximal 15 Grad Zitronen und Orangen überwintern. "Bei den Temperaturen fühlen sich hier natürlich auch Schädlinge wohl", sagt Derhof. Das Problem habe man aber inzwischen gut im Griff. Ansonsten sorgt Vollautomatik für gutes Gedeihen: Sonnenblenden, Heizung und eine UV-Beleuchtung, die sich bei Bedarf zuschaltet. Dagegen kann ein Ficus im Durchzug und vor heimischem Kamin nur vor Neid die Blätter abwerfen.

48 Seiten umfasst das Jahresprogramm 2009 des Botanischen Gartens, in der das Ressort Grünflächen und Forsten seine Termine vorstellt. Auftakt war die Führung durch das Glashaus. Sie wird am 20. Januar um 14 Uhr wiederholt. Eine "Reise durch die Wälder der Welt" gibt es am 22. Januar um 19.15 Uhr in der Villa Eller, am 25. Januar um 11 Uhr dann eine Führung zu Nadelgehölzen.

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