Warum das Gesangs-Duo Jochen Calypso nach einer Visite im großen Party-Geschäft zu seinen Wurzeln züruckkehrt.

Glänzende Aussichten: Marco Marenge (links) und Jochen Calypso, Wuppertals weiße Ritter des schlechten Musikgeschmacks, veröffentlichen demnächst ein neues, wieder eher puristisches Album. Außerdem stehen sie vor einem Leinwand-Auftritt.
Glänzende Aussichten: Marco Marenge (links) und Jochen Calypso, Wuppertals weiße Ritter des schlechten Musikgeschmacks, veröffentlichen demnächst ein neues, wieder eher puristisches Album. Außerdem stehen sie vor einem Leinwand-Auftritt.

Glänzende Aussichten: Marco Marenge (links) und Jochen Calypso, Wuppertals weiße Ritter des schlechten Musikgeschmacks, veröffentlichen demnächst ein neues, wieder eher puristisches Album. Außerdem stehen sie vor einem Leinwand-Auftritt.

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Glänzende Aussichten: Marco Marenge (links) und Jochen Calypso, Wuppertals weiße Ritter des schlechten Musikgeschmacks, veröffentlichen demnächst ein neues, wieder eher puristisches Album. Außerdem stehen sie vor einem Leinwand-Auftritt.

Wuppertal. Sie haben dran gekratzt. An der Glitzerwelt des Showbusiness. Sie haben eine Hochglanz-Scheibe veröffentlicht, waren bei Bohlen und am Ballermann. „Wir wissen jetzt, wie es geht“, sagt Marco Marenge, die andere Hälfte des Schlager-Duos Jochen Calypso. Doch sie wissen jetzt auch: Das ist nicht ihr Ding.

„Nichts ist so einfach wie Songs schreiben.“

Jochen Calypso

Rückblick: 2010 präsentierte Jochen Calypso sein Debüt-Album „Perlen vor die Säue“ und reiste anschließend auf Promo-Tour durch die Republik und auch ins Party-Mekka Mallorca. „Engelsgleicher Gesang“ und „gutes Aussehen“ sowie „ein trendiges Lifestyle-Gefühl“ – mit diesen selbst aufgezählten Zutaten fühlten sich die Wuppertaler Barden gerüstet für die Feier-Tempel, die etwa schon Tim Toupet, Mickie Krause und Michael Wendler groß gemacht haben.

Doch die Reaktionen der Pop-Manager auf der Party-Insel waren etwas überraschend. „Man hat uns zu verstehen gegeben, wir seien zu zweideutig“, erinnert sich Marco – „wir sollten eindeutiger sein.“ Aber passt das zu zwei Musikern, die einst als ihren Anspruch formuliert haben: „Jochen Calypso – das ist wie eine einzige große Liebesperle“?

Also hat das Schlagerduo sich vom Ballermann ab- und seinen Wurzeln wieder zugewandt. Fan-Kontakt in Form von diversen Wohnzimmerkonzerten stand auf dem Programm – und die Erkenntnis: „Perlen vor die Säue“, das war einfach eine Spur zu stylisch, zu glatt für die bodenständigen Musiker aus Wuppertal. „Die neue Platte darf wieder mehr nach Mambo-Kurt klingen“, gibt Marco Marenge die Devise aus.

Mit Denny Fabian, ihrem Produzenten – oder, wie die Jungs ihn nennen, „Plattenfirmen-Schnuckel“, hat Jochen Calypso sich also an die Arbeit für eine neue Scheibe gemacht: Billigkeyboard-Sound veredelt Texte, die diverse Berufe zum Thema haben. Eine Kostprobe erscheint in Kürze: „Kapitän, Kapitän“ – Jochen und Marco sind im Song mit der Sängerin Oxana zu hören. „Die Idee für den Refrain kam mir eines Morgens, als ich Kaffee kochte“, verrät Marco, „am Abend hatte Jochen die Musik dazu fertig.“ Fazit: „Nichts ist so einfach wie Songs schreiben.“

Zu etwas abseitigem Ruhm aus unerwarteter Richtung haben Cover (Foto oben: Denny Schulze) und Titel von Jochen Calypsos Debütalbum „Perlen vor die Säue“ geführt. Weil (a) die Titelzeile aus der Bergpredigt stammt und (b) die großen Initialen JC (an wen erinnert das noch. . .?) die Rückseite des Covers zieren, wurde das Wuppertaler Barden-Duo via Internet nach Erscheinen der Platte reihenweise mit Anfragen eingedeckt – Tenor: „Seid Ihr unter die Prediger gegangen?“ Jochen Calypso kann aber Fans wie Gegner offiziell beruhigen: „Wir sind konfessionell völlig neutral.“ Im Auftrag des Herrn war zudem eine andere Band unterwegs – die Blues Brothers. Und deren Anzüge waren bekanntlich schwarz.
 

Wer sich von Jochen Calypsos bodenständiger Weltlichkeit überzeugen will, kann das am 11. Februar im Mad Dog an der Aue tun. Ab etwa 21 Uhr stehen Marco und Jochen dort mal wieder bei einem Heim-Konzert auf der Bühne.

Ihre eingängigen Botschaften jedenfalls haben auch einen Filmproduzenten überzeugt: Dirk Michael Häger. Der Macher des Wuppertal-Krimis „King Ping“ hat Jochen Calypso beim Elberfeld-Geburtstag E 400 live gesehen – und beschlossen, sie in seinen Film einzubauen. Mit ihrem Erfolgs-Titel „Du lebst ja immer noch – Du altes Arschloch“ wird bei „King Ping“ ein Verdächtiger fürs Polizeiverhör weichgekocht werden. Ehrensache für die beiden Lokalpatrioten, diesen Spaß mitzumachen: „Wir sind stolz, dabei zu sein.“

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