Für den Rosensonntagszug hoffen die Karnevalisten auf bis zu 100 000 Zuschauer – und denken zugleich angesichts hoher städtischer Auflagen ans Aufhören.

Rosensonntagszug wuppertal
$caption

$caption

Wuppertal. Das Problem von Uwe Lischke lässt sich gut in zwei Zahlen zusammenfassen: 58 und 50 000. 58, das ist die Zahl der Seiten, die die städtische Ordnungsverfügung zum morgigen Rosensonntagszug umfasst. Und 50 000 Euro, das ist das höchstmögliche Ordnungsgeld, das die Stadt den Zug-Veranstaltern vom Carneval Comitee Wuppertal (CCW) aufbrummen kann, wenn diese gegen Auflagen aus der Ordnungsverfügung verstoßen. Deshalb ist dem CCW-Vorsitzenden Lischke nach eigener Aussage „mulmig“ zumute, was den Zug am Rosensonntag angeht.

15 000 Euro kostet der Zug die Karnevalisten

Allerdings nicht, etwa, betont der CCW-Vorsitzende, weil die Jecken schlecht vorbereitet seien. 15 000 Euro haben die Wuppertaler Karnevalisten aus eigener Tasche für den Zug mit seinen 22 Wagen und Fußgruppen aufgebracht. 96 Radwachen laufen neben den Wagen her, um zu verhindern, dass etwa Kinder im Kamelle-Trubel vom Straßenrand her unter ein Fahrzeug geraten könnten. Dazu kommen 45 vom CCW finanzierte Verkehrskadetten. Und die Karnevalisten mussten für jedes ihrer Fahrzeuge Tüv-Gutachten vorweisen – was zur Folge hatte, dass das nicht gerade mit Reichtümern gesegnete CCW zwei betagte Anhänger für Mottowagen ausmustern musste.

„Wir stellen uns die Frage, ob es im nächsten Jahr überhaupt einen Zug geben wird.“

Uwe Lischke vom Carneval Comitee.

Ohnehin ist der Zug mit etwa 800 Teilnehmern kleiner als in den Vorjahren, wo schon einmal 1000 Jecken und mehr durch Wuppertal zogen. Dafür gibt es offiziellen Zuwachs: Als 23. Teilnehmer wird das Ordnungsamt mit einem Wagen im Zug mitrollen – eine Premiere. Zu überwachen haben die Vertreter der Stadt angesichts der Auflagenfülle genug.

„Uns wird allein schon ein Ordnungsgeld angedroht für den Fall, dass der Zug seinen Zeitplan nicht einhält oder dass die Abstände zwischen den Wagen zu groß werden“, zählt Lischke aus der Liste der Stadt auf. Auch für Schäden an Straßen und Beeten an der Strecke muss das CCW haften. Die Bußgeld-Summen fangen bei 5000 Euro an. „Wie sollten wir so etwas zahlen, wenn der schlimmste Fall einträte?“

Ordnungsgelder drohen etwa, wenn der Zug zu langsam rollt

Sein Unmut verstärkt sich durch die Tatsache, dass aus dem Rathaus zwar jede Menge Regeln kommen, aber der bisher übliche städtische Zuschuss von 3000 Euro für das CCW angesichts der knappen Wuppertaler Kassen auf der Kippe steht. Lischke fühlt sich daher ein wenig wie die Veranstalter des Vohwinkeler Flohmarktes von der Bürokratie an die Wand gedrückt: „Wir stellen uns die Frage, ob es im nächsten Jahr überhaupt einen Zug geben wird.“

twa 800 Jecken werden beim Zug dabei sein – auf zehn Wagen und in zwölf Fußgruppen.

Los geht es um 14.11 Uhr an der Ecke Brändströmstraße/Berliner Straße. Dann ziehen die Narren über die B 7 Richtung Elberfeld – wobei sie an der Schwebebahnstation Werther Brücke sicherheits- und baustellenbedingt eine Wurf-Pause einlegen müssen. Über die Haspeler Straße und die Haspeler Brücke ziehen die Jecken dann weiter zum Hofkamp, wo der Zug auf der Höhe der Polizeiwache offiziell endet und sich im Bereich Hofkamp/Morianstraße auflöst.

Schicken Sie uns ihre schönsten Fotos zum Zug – per E-Mail an:

stadtteile@ wz-wuppertal.de

Ulrike Schmidt-Kessler von der Stadt hat für die Klagen des CCW nur bedingt Verständnis: „Die Auflagen sind die gleichen wie letztes Jahr – da hat auch alles geklappt.“ Dass das Ordnungsamt mitfahre, sei mehr als Unterstützung denn als Kontrolle gedacht. Den Zug wolle man den Wuppertalern nicht verderben. Dass die angedrohten Ordnungsgelder aber nur Papiertiger sind, will sie auch nicht so stehen lassen: „Das soll unterstreichen, dass die Auflagen wichtig sind.“ Denn bei aller jecker Stimmung: „Sicherheit geht vor.“

Leserkommentare (31)


() Registrierte Nutzer