Der Historiker Michael Okroy zeichnet die Geschichte der Oper nach – als Hommage und Aufarbeitung zugleich.

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Aus der Geschichte der Oper: Kolorierte Postkarte des Theaters um 1905 und Opern-Chef Kurt Horres 1968 mit Darstellern.

Aus der Geschichte der Oper: Kolorierte Postkarte des Theaters um 1905 und Opern-Chef Kurt Horres 1968 mit Darstellern.

Archiv Michael Okroy

Aus der Geschichte der Oper: Kolorierte Postkarte des Theaters um 1905 und Opern-Chef Kurt Horres 1968 mit Darstellern.

Wuppertal. "Dieses Buch war einfach überfällig", bringt es Michael Okroy selbst auf den Punkt. Was ursprünglich als Broschüre konzipiert war, ist nun ein stattliches Werk geworden und pünktlich zur Eröffnung des sanierten Opernhauses fertig. Auf 224 Seiten erzählt der Wuppertaler Historiker in "... damit die Träume atmen können" die spannende Geschichte des Barmer Stadttheaters, das später zum Opernhaus Wuppertal wurde, mit seinen berühmten Akteuren und künstlerischen Höhepunkten. "Es ist Hommage und historisches Porträt in einem", erklärt Okroy.

In neun Kapiteln werden herausragende Ereignisse aus der Zeit von 1874 bis 2008 erzählt - und derer gibt es viele. Angefangen bei Hans Gregor, Gründer der Komischen Oper Berlin, der lange Theaterdirektor in Barmen war, über Alfred Hertz, dessen internationale Karriere in Wuppertal begann, und Max Ophüls, der eine Spielzeit lang als Bühnenbildner und Regisseur tätig war.

Gert Fröbe, später James Bond-Gegenspieler in "Goldfinger", gab hier sein Debüt als "Vetter in Dingsda", Intendant Arno Wüstenhöfer und Operndirektor Kurt Horres brachten mit Erst- und Uraufführung das Haus an die Spitze der obersten Musikliga - und verpflichteten die blutjunge Philippine "Pina" Bausch. "Sie hatte etliche Hürden zu nehmen, ehe ihr kometenhafter Aufstieg begann."

"Es ist ein stolzer Blick zurück - und ein stolzer Blick nach vorn."

Bei allen Geschichten macht Okroy Zeit spürbar, dieses angespannte Warten auf Premieren, die Resonanz auf fabelhafte Inszenierungen. Prägende Zeiten unter Friedrich Meyer-Oertel und dessen einzigartige Zusammenarbeit mit Bühnenbildnerin Hanna Jordan werden erzählt, aber auch krisenhafte Zuspitzungen in den 80er Jahren nicht ausgelassen. "Schon die 70er Jahre markieren den Beginn diverser Krisen", so Okroy. Intendanten werden mehr Managerfähigkeiten abgefordert, drastische Etatkürzungen sind zu verzeichnen. Meilenstein der 90er Jahre ist die Fusion mit dem Musiktheater Gelsenkirchen - "bis heute hat das Thema Brisanz".

Viele empfanden die Kooperation als prasselnde Ohrfeige, andere als einzige Chance. "Das Buch möchte dazu beitragen, sich mit dem Theater auseinander zu setzen. Es ist ein stolzer Blick zurück - und ein stolzer Blick nach vorn."

Michael Okroy, . . .damit die Träume atmen können, Born Verlag, 224 Seiten, 24,80 Euro. Mehr Infos unter Telefon 563 76 43.

Anlässlich der Wiedereröffnung des Opernhauses stellt der Autor sein Buch am Sonntag, 18. Januar, um 15 Uhr im Opernfoyer vor. Das Buch gibt es ab Montag im Handel und wird auch von den Bühnen vertrieben.

Der Clou am Buch zur Oper ist eine Beilage mit dem Titel "Mein Opernhaus". Darin finden sich Beiträge von Zeitzeugen, Schauspielern und Journalisten - darunter auch von WZ-Kulturredakteurin Dr. Martina Thöne

2001 nämlich markiert nach Pannen, Pech und Pleiten den Neuanfang mit einer "Reihe höchst interessanter Inszenierungen." "Tödliche Blume" oder "Macbeth" des Sizilianers Salvatore Sciarrino. Übrigens feiert Sciarrinos Uraufführung "Vor dem Gesetz" am Samstag, 25. April, im Opernhaus Premiere.

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