Altweiber ist der Frauentag im Karneval. Am Donnerstag stürmten sie pünktlich um 11.11 Uhr das Rathaus.

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Kinderprinzessin Janina II. schneidet OB Peter Jung die Krawatte ab.

Kinderprinzessin Janina II. schneidet OB Peter Jung die Krawatte ab.

Die „Weiber“ schunkel und klatschen zu Liedern wie „Et Lehnchen“ im Rathaus.

Fischer, A. (f22), Bild 1 von 2

Kinderprinzessin Janina II. schneidet OB Peter Jung die Krawatte ab.

Wuppertal. „Sierra, Sierra Madre del Sur, Sierra, Sierra Madre, oh, oh...“ Singend wiegt sich eine Frau im grünen Teufelskostüm mit roten Plastikhörnern auf dem Kopf vom linken Bein aufs rechte. Ein wenig verloren wirkt sie auf dem großen grau gepflasterten Johannes-Rau-Platz. Auch ein paar Hexen und Piratinnen sind gekommen und schunkeln verhalten zur Musik, die blechern aus dem grauen Kleinbus vorm Rathaus dringt.

Viele Närrinnen sind nicht ins Rathaus gekommen

Es ist Altweiber, kurz vor 11 Uhr. Rund 40 karnevalsaffine Damen stehen vor dem Rathaus und warten darauf, das Gebäude zu „stürmen“, heute am Tag der Frauen. Ansonsten viel Platz für Menschen. Aber die kommen nicht. Vereinzelt bleiben ein paar ältere Herrschaften stehen, gucken, gehen weiter. Ein Mann fragt: „Sagen Sie mal, ist hier heute was besonderes los?“ „Karneval.“ „Ach so, ist das wieder so weit. Mmmh. Viel ist hier ja nicht los“, fügt er hinzu und legt die Stirn in Falten, bevor er weiter trottet.

Während rund 30 Kilometer weiter die Düsseldorfer Altstadt voller Jecken in Feierlaune ist, bemühen sich die Wuppertaler Damen mittleren Alters redlich darum, an das Brauchtum zumindest zu erinnern. „Der Nachwuchs fehlt“, klagt Silvia Hagedorn, die Vorsitzende der „Großen Wuppertaler Damen-Karnevalsgesellschaft“. Was sie dagegen tun können? Ein wenig ratlos wirkt Hagedorn und überlegt: „Es müsste mehr berichtet werden.“ Und sie ärgert sich noch über etwas anderes: Beim Empfang des Kinderprinzenpaares wurden eine Stunde später auch Männer empfangen. „Es ist ja so, dass heute Weiberfastnacht ist. Und nun macht man uns unsere hart umkämpfte Gleichberechtigung im Karneval streitig“, sagt Hagedorn.

„Ich wusste ja schon immer, dass Sie eine Hexe sind“

11.03 Uhr. Oberbürgermeister Peter Jung mit Narrenkappe und Sozialdezernent Stefan Kühn, verkleidet als Ludwig XIV., betreten den Balkon im Rathaus und winken den Narren zu. Gleich ist es soweit. Es sind um 11.11 Uhr noch gar nicht alle Damen im ersten Sitzungssaal versammelt, da ist Jungs Krawatte schon einige Zentimeter kürzer. Nach der Rede von Silvia Hagedorn im Hexenkostüm kontert Peter Jung breit grinsend: „Ich wusste ja schon immer, dass Sie eine Hexe sind.“ Entgegen jeglicher Parteiräson beginnt seine Rede mit einem Hieb gegen den soeben wegen der Plagiatsaffäre zurückgetretenen Karl-Theodor zu Guttenberg. „Die Worte sind nur von mir – und kein Plagiat.“

Und so kommt trotz des überschaubaren Rahmens doch noch Karnevalsstimmung im Saal auf. Übermütig ruft der kölsche Sozialdezernent noch ein „Kölle Alaaf“ in den Raum. Am Ende demonstrieren die Närrinnen und die Politiker doch noch singende Eintracht. Et Lehnchen sei Dank. „Da wo die Wupper rauscht, da ist meine Heimat, da bin ich zu Haus.“

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