WZ-Kolumnist Uwe Becker über seine Aversion gegen Grill-Abende.

Uwe Becker, 1954 in Wuppertal geboren, ist Chefredakteur des Wuppertaler Satiremagazins Italien und Mitarbeiter des Frankfurter Satiremagazins Titanic. Jeden Mittwoch schreibt er in der WZ über sein Wuppertal.
Uwe Becker, 1954 in Wuppertal geboren, ist Chefredakteur des Wuppertaler Satiremagazins Italien und Mitarbeiter des Frankfurter Satiremagazins Titanic. Jeden Mittwoch schreibt er in der WZ über sein Wuppertal.

Uwe Becker, 1954 in Wuppertal geboren, ist Chefredakteur des Wuppertaler Satiremagazins Italien und Mitarbeiter des Frankfurter Satiremagazins Titanic. Jeden Mittwoch schreibt er in der WZ über sein Wuppertal.

Joachim Schmitz

Uwe Becker, 1954 in Wuppertal geboren, ist Chefredakteur des Wuppertaler Satiremagazins Italien und Mitarbeiter des Frankfurter Satiremagazins Titanic. Jeden Mittwoch schreibt er in der WZ über sein Wuppertal.

Wuppertal. Der Sommer beginnt offiziell erst in 14 Tagen, aber in Elberfeld macht man sich schon jetzt große Sorgen, ob wir im Dezember einen Weihnachtsmarkt bekommen. Ich finde, zunächst sollten wir alle unsere Daumen drücken, beten und hoffen, dass es ein prächtiger Sommer wird. Donald Trump würde sagen: „Summer first!“ oder „Make Summer great again!“

Ich freue mich schon jetzt auf unzählige Grill-Abende mit Freunden, verkohlte Würstchen, schlimm marinierte Nackenkoteletts, warmes Bier, schreckliche Nudelsalate und wackelige Pavillons. Man sitzt mit seinem Pappteller auf defekten Campingstühlen auf abfallenden Wiesen, versucht Mücken abzuwehren, blickt in die ausgehungerten und bettelnden Augen zahlreicher Kinder und Hunde, die von einigen Gästen samt Nudelsalat mitgebracht werden.

Nein, der Grill-Abend und ich, wir werden keine Freunde mehr. Aber ich muss da manchmal einfach hin, nicht nur, weil man seine Freunde nicht immer vor den Kopf stoßen kann, nein, auch weil ich meine Vorurteile gerne immer wieder auf’s neue bestätigt sehen möchte, obgleich es in Wahrheit natürlich Urteile sind.

Ganz ehrlich? Ich kann einfach draußen, mit einem Teller auf dem Schoß, nicht essen. Ich erinnere mich an eine Situation im Sommer 1987, als ich etwas verspätet zu einer dieser Garten-Partys eintraf, und mir der Gastgeber die letzte Wurst auf den Pappteller legte. Mit Bier in der linken und dem Teller in der rechten Hand, manövrierte ich mich vorsichtig in einen dieser billigen Klappstühle, dabei bekam der Einwegteller eine leichte Schräglage und meine Bratwurst rollte auf die Wiese. Ich gab dem blitzschnell zur Stelle eilenden Hund dann auch noch meinen Nudelsalat.

Fakt ist: Ich sitze beim Essen gern am Tisch und in geschlossen Räumen. Ich nenne Ihnen auch den Grund für meine Aversion gegen die Nahrungsaufnahme unter freiem Himmel: Meine Eltern hatten früher einen kleinen Garten in der Nähe der Müngstener Brücke, wo wir an Wochenenden oft im Zelt übernachten mussten. Es gab damals anscheinend keine Schlafsäcke, weil meine Mutter uns abends Schlafanzüge anzog und in Wolldecken wickelte.

Natürlich wurde auch draußen gegessen. Mein Bruder legte einmal einen Regenwurm auf meinen Teller mit Spaghetti, was zur Folge hatte, dass ich mich übergeben musste. Nach diesem Vorfall blieb ich an den Wochenenden immer bei meiner Oma.

Kommen wir nun zur eingangs erwähnten Sorge mancher Elberfelder, ob es in diesem Jahr einen Weihnachts- oder Lichtermarkt geben wird. Es ist zweifellos schade, dass unsere Stadtverwaltung nicht in der Lage ist, so etwas zu organisieren beziehungsweise organisieren zu lassen. Und das spricht keinesfalls für die große Koalition und die verantwortlichen Politiker im Rathaus. Wenn man zynisch wäre, könnte man bemerken, dass es ja vor dem Rathaus in Barmen einen Weihnachtsmarkt geben wird, was braucht es da noch einen in Elberfeld?

Was mich persönlich betrifft, werde ich den Weihnachtsmarkt nicht vermissen, schon mal gar nicht die riesigen Champignon-Pfannen, die Fischbrötchen und Riesenkrakauer. Ich esse ja nicht gern draußen. Und mit Handschuhen in eisiger Kälte erst recht nicht.

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