„Turnen bringt’s“: 23 Formationen zeigen, wie ein alter Sport sich neu erfinden kann.

Auch zur menschlichen Pyramide formierten sich die Turner auf Küllenhahn.
Auch zur menschlichen Pyramide formierten sich die Turner auf Küllenhahn.

Auch zur menschlichen Pyramide formierten sich die Turner auf Küllenhahn.

Andreas Fischer

Auch zur menschlichen Pyramide formierten sich die Turner auf Küllenhahn.

Turnvater Jahn hätte vermutlich seine helle Freude gehabt, so viele Menschen frisch, fromm, fröhlich und frei bei der körperlichen Ertüchtigung zu erleben. Unter dem schmissigen Titel "Turnen bringt’s" hatte der Turnverband Wuppertal am Sonntag eine Turngala zusammengestellt. Allerdings hätte der Urahn des Sports sicher gestaunt, wie sich die von ihm empfohlenen Kniebeugen und Co. inzwischen selbst bei ambitionierten Laien zu ausgetüftelten Choreographien entwickelt haben.

Viel Tanz, aber auch Rhönrad-Fahrer und Trampolin-Springer

So zeigte die Gruppe 28 Grad - das waren 18 Mädchen in engen Trikots - auf Küllenhahn mit viel aus Musikvideos inspiriertem Tanz, was sich der Zuschauer unter HipHop-Interpretationen vorstellen darf. Mit lautem Gejohle und anerkennenden Pfiffen wurde die Formation des Nächstebrecker TV nach ihrer achtminütigen Darbietung wieder hinter die Kulissen verabschiedet. Überhaupt hätte der Turnvater sehen und erleben dürfen, dass Geschwindigkeit keine Hexerei, aber notwendiges Übel bei einer solchen Veranstaltung ist.

Minutiös genau war der Ablaufplan ertüffelt worden, sodass jede der angemeldeten 23 Formationen ihren Auftritt hatte. Allerdings sorgten die kurzfristigen Absagen von PSV und zwei Gruppen des ASV Wuppertal - alle drei wären mit Tanzdarbietungen am Start gewesen - für ein bisschen Wirrwarr. Letztlich aber lag bekanntermaßen in der Ruhe die Kraft, und nachdem die Big Band des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums Punkt 14 Uhr für die Eröffnungsfanfare gesorgt hatte, gab es von Tanz, kunstvoller Verrenkung im Rhönrad (VSTV), Rollkunstlauf (BTV 1846) und Trampolin nichts, was es nicht gab.

Was zu Jahns Zeit sicher noch "Seilspringen" hieß, war an diesem Sonntagnachmittag von den Jumping Foxies als neudeutsches Rope Skipping zu bestaunen. Auch Tanz ist mitnichten gleich Tanz, das wurde bei den komplett unterschiedlichen Darbietungen von SV Bayer oder der Formation Grün Gold Casino überdeutlich. Nicht nur, dass mit Rollschuh-Clowns der BTV zu der Musik von "Oh mein Papa" zeigte, was sich auf beweglichem Untergrund leisten lässt - in luftige Höhen schossen die Herrschaften des BTB Beyenburg bei ihren beherzten Trampolin-Sprüngen.

Clowns auf Rollschuhen zeigen Artistik zu "Oh mein Papa"

Neben einer stark von den dicht besetzten Rängen gefeierten Aufführung der Cheerleader (BTV) gab es sogar eine Eltern-Kind-Aufführung - und als dann mit "It’s Raining Man" Regen in der Turnhalle angesagt war, erstaunte das keinen. Die Mädchen vom HTV zeigten geturnte Interpretationen von Regentropfen in fantasievollen Kostümen. Der Freude nach zu urteilen, die den Beteiligten nach ihren jeweiligen Auftritten an den Gesichtern abzulesen war, scheint es Turnen tatsächlich zu bringen.

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