Das Drama in Japan rückt Wuppertals Hilfe für Kinder von Tschernobyl in den Blick.

Tschernobyl-Hilfe
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Wuppertal. In diesen Tagen rückt sie mit Macht zurück in den Blick der Öffentlichkeit: Lange Zeit war die Atom-Katastrophe von Tschernobyl nur ein Thema, wenn es um ehrenamtliche Hilfstransporte in jene Regionen ging, die bis heute – weitestgehend vergessen – unter der Strahlung leiden.

Erinnerungen an die ersten Jahre nach der Reaktor-Katastrophe

Von Beginn an ganz vorne dabei: Die Wuppertaler Hilfe für Kinder von Tschernobyl, die seit Anfang der 90er Jahre Menschen in Weißrussland hilft und gerade jetzt Einsichten bietet, die über Schreckensbilder hinaus reichen: Während Japan unter den Augen der Welt mit den Ausmaßen der Katastrophe kämpft, wussten die Wuppertaler Helfer bei ihren ersten Reisen nach Weißrussland 1992 nicht, welches Leid und welche Gefahr sie erwartet.

„Die Menschen dort haben ja erst Jahre später erfahren, was 1986 in ihrer Nachbarschaft geschehen ist“, erklärt Angela Dicke, die gemeinsam mit Waltraud Bingemann damals die ersten Hilfsaktionen auf die Beine gestellt hat. Abgesehen davon, dass die Menschen in den verstrahlten Gebieten bis 1989 von ihrer Regierung im Unklaren gelassen wurden, werde das Thema dort bis heute unter Verschluss gehalten. Das zeigte sich zuletzt, als Schilder, die vor Radioaktivität warnten, abgebaut und die Probleme für erledigt erklärt wurden. „Mittlerweile stehen die Schilder aber wieder“, sagt Dicke. Die Bilder aus Japan verfolgt sie mit gemischten Gefühlen: Einerseits sei es wichtig, auch Tschernobyl wieder ins öffentliche Bewusstsein zu rufen. Andererseits warnt aber auch die Wuppertalerin vor Hysterie und Instrumentalisierung.

„Man darf ja nicht vergessen, dass wir seit Jahren in belastete Gebiete fahren und die Risiken selbst abwägen.“ Eben erst wurden wieder 400 Lebensmittelpakete für den nächsten Hilfstransport zusammengetragen. Er führt zu Ostern nach Weißrussland, bevor Anfang Juni wieder 25 Kinder aus verstrahlten Gebieten für vier Wochen in Wuppertal erwartet werden. „Wenn, dann muss man den Menschen langfristig helfen“, sagt Dicke. Dafür stehen bislang 17 Hilfstransporte mit mehr als 750 Tonnen Hilfsgütern im Wert von gut 2,5 Millionen Euro. Vier Arztpraxen wurden eingerichtet und in 17 Jahren mehr als 1000 Mädchen und Jungen in den Ferien zur Erholung nach Wuppertal geholt. Viele sind mittlerweile erwachsen, studieren – und stehen bald für ein neues Weißrussland.

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