1100 Gäste genießen in der Stadthalle eine klangvolle Reise in die Welt des Chansons.

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Begeisterte am Samstag mit einer Mischung aus Musik und Anekdoten: Götz Alsmann stellte deutsche Versionen französischer Chansons vor.

Begeisterte am Samstag mit einer Mischung aus Musik und Anekdoten: Götz Alsmann stellte deutsche Versionen französischer Chansons vor.

Andreas Fischer

Begeisterte am Samstag mit einer Mischung aus Musik und Anekdoten: Götz Alsmann stellte deutsche Versionen französischer Chansons vor.

Wuppertal. Rotlicht-Gangster, Rauschgift und Geheimagenten: Götz Alsmann brachte alles mit, um die Stadthalle mit einer gewitzten Portion erotisch-krimineller Energie aufzuladen – und ließ am Samstagabend nichts aus, was bei privaten Fernsehsendern die Quote in die Höhe treiben würde. Mit einem Unterschied: Bei dem Mann mit der Tolle hat das Spiel mit den primären Reizbegriffen Niveau, Witz und Pfiff. Da lohnt sogar der zweite Blick – zumal der Retter des deutschen Jazz-Schlagers den Großen Saal mit seinem „Paris“-Programm auch beim zweiten Gastspiel bestens füllt.

„So schön wie in dieser Halle ist es nirgends.“

Götz Alsmann, Musiker und Entertainer, über die Stadthalle.

Lässig wie Eddie Constantine steht der 55-Jährige vor seinen 1100 Gästen und schwärmt von den Detektivfilmen seines Vorbilds. Spitzbübisch wirkt das Grinsen, mit dem Alsmann erzählt, wie er einst auf einer Teenager-Tanzparty der katholischen Jugend filmreifen Kontaktaufnahmen nacheiferte: „Ich dachte, wenn ich lerne, zu flirten wie Eddie Constantine, bekomme ich auch eine Frau, die aussieht wie Dominique Wilms.“ Der Plan war nicht von Erfolg gekrönt. Aber das macht nichts, schließlich ist der Schwadroneur alter Schule heute umso erfolgreicher.

Denn einer wird gewinnen – im Zweifel Götz Alsmann, der den Wolf ungehemmt Cha Cha Cha tanzen lässt, sich von Beginn an in die Herzen des Wuppertaler Publikums singt („Du bist mein liebster Gast“) und im Laufe der folgenden zweieinhalb Stunden charmant klarstellt, dass die Liebe jeden dumm macht. Dabei ist der Münsteraner klug genug, um genüsslich zu kokettieren – mit dem eigenen Modegeschmack, vor allem aber mit Inhalt und Form der französischen Welthits, die er mit viel Herzblut, aber ohne Kitsch, geschmeidig und äußerst taktvoll in deutscher Sprache präsentiert.

Apropos: „Was ist eigentlich ein Chanson?“, fragt der bekennende Frankreich-Fan und gibt direkt die Antwort. „Nichts anderes als ein immer wiederkehrendes Kompliment.“ Ein dickes Kompliment also: Der Musikwissenschaftler, der auch als TV-Moderator bekannt ist („Zimmer frei“) und vermutlich mehr als einen Koffer in Paris stehen hat, weiß, wie man Schlager und Schabernack vereint.

Das Zuhören ist nicht zuletzt ein rhythmisches Vergnügen. Denn da gibt es – inmitten all der schönen Anekdoten – ja auch noch die eigentliche Hauptsache: die Musik. Sie klingt unverkrampft, kraftvoll und doch behutsam arrangiert: Mit viel Gefühl besingt Alsmann „Die verlorenen Lieben“ (Les amours perdues), mit einer guten Prise Nostalgie schwärmt er von der Stadt an der Seine („Im Cafe De La Paix in Paris“), ebenso augenzwinkernd wie respektvoll holt er „Das Meer“ nach Wuppertal – natürlich auf den Spuren von Charles Trenet.

Rückkehr nicht ausgeschlossen: Der Entertainer und die Schwebebahn

„Wie steht es denn mit Liebe und Zärtlichkeit hier in Wuppertal?“, fragt Götz Alsmann augenzwinkernd. „Sie warten wohl auf Ihren Traumprinzen – hier bin ich.“ Schon vor einem Jahr hatte ihn das Forum Maximum mit seinem „Paris“-Programm in die Stadthalle geholt. Auch diesmal erklärt der Entertainer schelmisch, dass sein Sakko in „Wuppertal-Bleu“ gehalten sei. Neu sind die frechen Zwischenrufe („Meine Damen, wie finden Sie unsere nigelnagelneuen babyblauen Sakkos?“) also nicht – aber immer wieder ein Vergnügen.
 

Die harmonische Begleitung steht hinter ihm: Vier Band-Kollegen begleiten den singenden Pianisten nahezu perfekt – auch wenn der gewollt komische Einsatz eines Baguettes als Instrument wohl eher in die Kategorie „Klamauk, die die Musikwelt nicht braucht“ fällt.

Der unumstrittene Star des Abends redet (zu) schnell, versteht es aber immer besser, das Timing so zu gestalten, dass auch junge Zuschauer, für die das Schwarz-Weiß-Fernsehen nur eine Sage von vorgestern ist, der Zeitreise in die 30er bis 60er Jahre mühelos folgen können.

Alsmann verstellt im Plauderton immer wieder die Stimme, wischt sich mit einem weißen Tuch galant den Schweiß von der Stirn und hat alles im Griff, vor allem die Klaviertasten. Er gibt den charmanten Conférencier, den eloquenten Entertainer, aber auch den selbstironischen Märchenonkel: Was mitunter altbacken anfängt („Und das kam so . . .“) , endet stets mit viel Applaus. Denn das Publikum sagt begeistert „Merci“ – dafür, dass Alsmann erzählt, wie er als Kind den großen Gilbert Bécaud in der Fernsehshow „Einer wird gewinnen“ erlebte, dass er zum Akkordeon greift oder allein mit der Ukulele zur Höchstform aufläuft.

Die Gäste – auch unter ihnen ist die eine oder andere Tolle zu entdecken – geben die Komplimente nach dem Finale gerne zurück: Mehrere Zugaben und ein begeistertes Pfeif-Konzert beenden die musikalische Reise, die sicherlich nicht Alsmanns letzte im Bergischen Land war. „Ich wär’ so gerne in Wuppertal geblieben, aber mein Agent will, dass ich in Mainz auftrete“, erklärt Alsmann, der potenzielle Gastspiel-Rückkehrer, schmunzelnd. „Ich mache mir schon einmal Knoten ins Taschentuch. Jeder Knoten steht für eine Haltestelle der wunderbaren Schwebebahn . . .“

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