Er hat das ganze Tal unter sich. Der Wuppertaler Guido Ferrai ist seit 2004 begeisterter Schwebebahnfahrer.

Schwebebahnfahrer Guido Ferrai sitzt in der Fahrerkabine eines normalen Wagens. Im Kaiserwagen hingegen müssen die beiden Fahrer stehen.
Schwebebahnfahrer Guido Ferrai sitzt in der Fahrerkabine eines normalen Wagens. Im Kaiserwagen hingegen müssen die beiden Fahrer stehen.

Schwebebahnfahrer Guido Ferrai sitzt in der Fahrerkabine eines normalen Wagens. Im Kaiserwagen hingegen müssen die beiden Fahrer stehen.

Uwe Schinkel

Schwebebahnfahrer Guido Ferrai sitzt in der Fahrerkabine eines normalen Wagens. Im Kaiserwagen hingegen müssen die beiden Fahrer stehen.

Wuppertal. "Ich wollte mich verändern und nach 18 Jahren Busfahren etwas Neues kennenlernen", erinnert sich Guido Ferrai, der 1986 bei den WSW angefangen hatte. Eines Tages bewarb er sich für die Ausbildung zum Schwebebahnfahrer, an deren Anfang eine ganz echte Mutprobe steht. "Du musst einmal oben über das Gerüst gehen - als Beweis, dass du schwindelfrei bist." Das hat der gebürtige Wuppertaler, der fast sein ganzes Leben in der Stadt verbracht hat, mit Bravour gemeistert und 2004 bei Fahrlehrer Detlef Peukert die sechs Wochen Schwebebahnfahrschule in Oberbarmen besucht.

Die Konkurrenz ist hoch, zeitgleich werden nur vier Fahrschüler unterrichtet. "Die ersten zwei Tage steht der Fahrlehrer noch hinter dir." Doch nach wenigen Tagen hat er sich sicherer gefühlt. In der Fahrschule werden alle möglichen Fehler simuliert etwa den Ausfall der Bremsen. "Dafür musst du dann oben auf das Gerüst klettern und alle vier Bremsklötze überprüfen", erklärt der 48-Jährige. Im Notfall können die Wagen sich gegenseitig anschieben bis zur Endstation - "natürlich ohne, dass die Passagiere transportiert werden."

"Das ist echte Maßarbeit, auf den Zentimeter genau im Bahnhof anzukommen."

Guido Ferrai, Schwebebahn-Fahrer, über die kniffligen Momente in seinem Job...

Am liebsten fährt Ferrai ganz früh morgens. Er ist Wuppertaler von Herzen, joggt gerne durch die Natur oder spaziert durch den Zoo. Doch seine große Leidenschaft ist die Technik - "und zwar von Kind an". Er kennt alle Details, die Hebel und Lämpchen in der Fahrerkabine. Mühelos erklärt er die Bedeutung der Buchstaben und Signale auf der Strecke, die er wie seine Westentasche kennt. "Achtung bei Stütze 100. Direkt am Zoo Stadion gibt es eine Kurve, wo einem öfter mal ein Wagen entgegenkommt", weiß Ferrai. Dort müssten die Fahrer besonders vorsichtig sein.

Die Schwebebahnwagen selbst fahren mit Strom, dessen Zufuhr über einen Hebel reguliert wird. Es gibt zwei verschiedene Bremsen, einen Rückwärtsgang und ein kleiner Monitor, auf dem der Fahrer die Türen überblicken kann. "Das ist echte Maßarbeit, auf den Zentimeter genau im Bahnhof anzukommen", sagt Ferrai, "sonst seh’ ich nämlich nicht, was an den Türen passiert."

Nicht nur für die Nostalgiefans unter den Passagieren und Wuppertal-Touristen ist der Kaiserwagen etwas besonderes. Auch für Schwebebahnfahrer Ferrai ist eine Kaiserwagenfahrt ein persönliches Highlight. In historischer, hellblauer Uniform mit silbernen Knöpfen stehen dann zwei Fahrer im Kaiserwagen, wo es keine räumliche Abtrennung zu den Passagieren gibt. "Viele wollen Fotos von uns machen. Und Hochzeiten sind über der Wupper immer ein besonderes Erlebnis", sagt Ferrai. Ein paar Minuten hält er dann an dem Wunschort des Paares, wenn sich Braut und Bräutigam das Ja-Wort geben. Die Fahrgäste schweben dann im wahrsten Sinne des Wortes auf Wolke sieben.

"Diesen Job gibt es nur einmal auf der Welt."

...und über das Privileg, Schwebebahnfahrer zu sein.

Es gibt 26 Wagen und einen Kaiserwagen. Ein Wagen ist 24 Meter lang. Die 70 Fahrer und Fahrerinnen fahren mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 27 Stundenkilometer, es sind aber bis zu 60 möglich. Die 13,3 Kilometer lange Strecke von Vohwinkel nach Oberbarmen dauert 29 Minuten. "Die Auslastung durch die Passagiere geht gegen 100 Prozent", sagt Guido Ferrai nicht ohne Stolz.

Mit der Anmeldung müsse man sich beeilen, gerade die Wochenenden sind schnell ausgebucht. "Heute Nachmittag ist es wieder soweit", sagt Ferrai und Vorfreude schwingt in seiner Stimme mit.

"Was kaum einer weiß, beim Kaiserwagen muss nach jeder Tour 100 Bar Luftdruck aufgepumpt werden." Außerdem schwört der Kenner: "Der Kaiserwagen hat ein ganz typisches Geräusch und fährt sich auch besser."

Aber immer nur geradeaus fahren? "Ja das ist für viele zu langweilig. Aber ich entdecke immer wieder Neues auf der Strecke, neue Perspektiven und Eindrücke", schwärmt Ferrai von seinem Job , "und den gibt es ja schließlich nur einmal auf der Welt."

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