Auf Schnäppchenjagd in Wuppertal hat sich WZ-Mitarbeiterin Valeska von Dolega gemacht – mit 50 Euro in der Geldbörse.

Wuppertal. Mag sein, dass Meryl Streep als Teufel ausschließlich Prada trägt. Preisbewusste kennen keinen Etikettenzwang, sie nehmen, was sie bekommen können.

Beste Gelegenheit, das bewährte Motto "Einkaufen bis zum Umfallen" auszuleben, bietet der Sommerschlussverkauf - abgekürzt schlicht SSV. Im konkreten Fall wollen 50 Euro optimal eingesetzt werden. Ziel ist es, ein komplettes Outfit zu erstehen. Start des Powershoppings ist Barmen.

Bei Haschi gibt es Kleidung, die rasch wechselnde Moden nicht tangiert und für sich steht. Diese zeitlose Eleganz allerdings kostet, "wir führen höherpreisige Sachen", sagt Haschi-Mitarbeiterin Annelie Rudolph mit Blick auf Caprihosen und um satte 50 Prozent reduzierte Blazer.

Gleiches gilt in der Edelboutique Howahrde. Aber in den kleinen Läden, die den Werth säumen, schlägt des Kauffreudigen Herz schneller. Zwar wenig attraktiv präsentiert, dafür zu absoluten Tiefstpreisen stapeln sich bei Stil for Fashion Oberteile, Trittchen und Schals in allen Farben des Regenbogens.

Einkaufen wie im Rausch: Baumwoll-Mode zu Tiefstpreisen

Mein schottisches Blut gerät in Wallung, wie im Rausch raffe ich Hosen und Röcke bei der schwedischen Kaufhauskette, die von Insidern liebevoll "Hasi und Mausi" (H&M) genant wird. Garderobe aus 100-prozentiger Baumwolle gibt es mit phantastischen Rabatten.

Eigentlich sind der Winter- und der Sommerschlussverkauf abgeschafft worden, zumindest per Gesetz. Der Einzelhandel bietet beide Aktionen jedoch weiterhin an, nach dem sich herausgestellt hat, dass die Kunden die Schlussverkäufe auch weiterhin haben wollten - und dann kräftig einkaufen.

Preisnachlass hin oder her, in manche der Textilien passen nur vom Skalpell geformte Wesen wie die singende Gewürzgurke Victoria Beckham. Aber kann für ein Jäckchen aus Lederimitat, für das gewöhnlich das Fünffache berappt werden muss, nicht dauerhaft der Bauch eingezogen werden?

Auch bei Klauser stelle ich mir diese Frage. Im Märchen würde sich die böse Stiefschwester für diesen Super-Schuh in Petrolgrün ein Stück des Fußes abschneiden. Im echten Leben kommt das Prunkstück einfach zurück in den Karton.

Ob bei Wernick Wolle, wo das 50-Gramm-Knäuel, aus dem sich sicher ein luftiges Häkeloberteil arbeiten ließe, keinen Euro mehr kostet, oder dem Jeans-Spot New Yorker - zurzeit gibt es Preisnachlässe bis zu 70 Prozent.

In der Jeans-Filiale wartet ein Paar sommerleichter, kunterbunter Sandalen auf mich, bei M&S erstehe ich einen schlichten Gürtel. Gesamtkosten: zehn Euro. "Es ist alles eine Frage des Preises", weiß Edith Varagic zum Thema, welche Kollektionsteile sich verkaufen lassen und welche nicht. Vielleicht habe ich zu früh beim Gürtel "ja" gesagt. Denn die M&S-Verkäuferin avisiert weitere Preisnachlässe in den kommenden Tagen. Lohnt es sich also zu warten? Lieber nicht.

Bei Biba gibt es die edel knitternden Leinenteile als Blusen, Hosen und Röcke zwar schon um bis zu 40 Prozent reduziert, dass aber eine Kombination für die besagten 50 Euro zu haben wäre, darauf kann Monika Wieden keine Hoffnung machen. So pirsche ich weiter. Marcel Seifert, der bei Broadway arbeitet, freut sich, dass T-Shirts, Tops und Poloshirts zum minimalistischen Tarif wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln über den Ladentisch gehen.

Knapp zehn Euro kostet die neue Lieblingsjeans

Und auch ich werde Geld los: knapp zehn Euro kostet meine neue Lieblingsjeans, ein Traum in ultraviolett! Langsam geht es auf die Zielgerade zu, dafür steht der Ortswechsel in die City-Arkaden in Elberfelds an.

Am Wühltisch bei Zara kommt es zum Nahkampf. Das schlammfarbene Baumwoll-Shirt zum Schnäppchenpreis von vier Euro gibt es exakt ein letztes Mal in einer tragbaren Größe.

Mit diesem textilen Triumph unterm Arm und noch Restgeld im Portemonnaie lässt sich einen Grabbeltisch weiter ein keckes Hütchen ershoppen. Nach einem spontan bei Tom Tailer erworbenen luftig-leichten Tuch, das ich mir mehrfach um den Hals schlinge, kommt es zum Showdown:

Soll es die schrill-pinke Clutch sein, die mir Karin Ciullo für zehn Euro bei Hallhuber anbietet? Oder greife ich zum bloß halb so teuren, dafür doppelt so großen Handtaschenmodell bei H&M? Soll ich noch mal bei der Galeria Kaufhof reinschauen, da lockt auch so einiges?

Aus optischen Gründen macht das XXL-Modell das Rennen. Fazit: Hut, Tuch, T-Shirt, Jeans, Sandalen und Handtasche konnten erbeutet werden. Ich bin erschöpft, aber glücklich.

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