Mit dem neuen Album und seiner Bühnen-Show "Trassenfieber" liefert Sascha Gutzeit den Soundtrack zur Rheinischen Strecke.

Wuppertal. Jenseits neu aufgeflammter Diskussionen rund um die Reaktivierung der Rheinischen Strecke als Rad- und Wanderweg: Am Freitagabend spendiert Sascha Gutzeit der Nordbahntrasse einen eigenen Soundtrack. "Trassenfieber" heißen das neue Album und die Ein-Mann-Show des Wuppertaler Songschreibers. Beides feiert im ausverkauften Rex am Freitagabend Premiere - als eine mal rockige, mal sentimentale Liebeserklärung an die Heimatstadt.

"Es ist Zeit, Zeit sich zu vertragen, Erwachsene und Blagen, Wir sind doch eine Stadt."

Sascha Gutzeit auf seinem Album "Trassenfieber"

Als hätte Gutzeit das geahnt: "Zeit sich zu vertragen" heißt einer der zwölf rockigen Albumsongs zur Nordbahntrasse. Mit Gospel-Anleihen und einem gehörigen Schuss Ironie geht es im Lied eigentlich "nur" darum, dass die ehemalige Eisenbahnstrecke Wuppertaler Stadtteile und ihre Menschen nach wie vor miteinander verbindet.

Angesichts neuer Reibereien rund um das Trassen-Projekt klingt der Song aber gerade jetzt wie ein augenzwinkernder Appell an die Vernunft - ohne auch eine Sekunde lang staatstragend zu sein: "Es wird Zeit, Zeit sich zu vertragen", singt Gutzeit da, "Erwachsene und Blagen, wir sind doch eine Stadt." Dass diesem Song auf dem Album dann auch noch eine verschmitzte Innenansicht über das Leben der "Nordbahntrassenfledermaus" folgt, ist alles - nur kein Zufall.

Von Politik, Diskussionen und erhobenen Zeigefingern ist das "Trassenfieber" aber mindestens so weit entfernt wie Wichlinghausen von Vohwinkel: In erster Linie geht es um eine unkonventionelle Reise durch die Stadtteile entlang der Wegstrecke, um persönliche Erinnerungen, um puren Spaß an Rockmusik und um Wuppertal-Eindrücke, die Gutzeit in Songtexten präzise auf den Punkt schreibt.

Auch BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken stand im Studio

"Wir haben bei den Aufnahmen versucht, den Moment einzufangen", erinnert er sich an die 10-tägige Produktion des Albums im "Heyday"-Studio von Andreas Herr in Heckinghausen. Voraus gingen ihr monatelange Arbeiten an den Melodien, Texten und Projektionsbildern für die damit verbundene Live-Show.

Die Albumsongs liefern jede Menge Lokalkolorit - angefangen bei Titeln wie "Vohwinkel, Vohwinkel", "Feiern am Dorp", "Heissmangel aufm Rott" und "Mädchen vom Heubruch". Das CD-Booklet enthält unter anderem auch historische Trassenfotos. Anspieltipp neben dem Titelsong: "Mein Viertel" und das schräge Bonus-Stück "Moppern", das sich um den Wuppertaler Hang zum Herummeckern dreht.

Im Studio standen Sascha Gutzeit mit Ingo Meyer an der E-Gitarre und Björn Krüger am Schlagzeug langjährige Weggefährten zur Seite. Bassist Theo Fotiadis ist ebenfalls aus "Heyday"-Zeiten noch ein Begriff - während Martin Huch, der auf dem "Trassenfieber"-Album an der Hawaii-Gitarre vertreten ist, auch schon für Heinz-Rudolf Kunze in die Saiten griff.

Neben Gutzeits Freundin Vanessa Berg steuerten auch Paul Deckers Töchter Tonia und Tanya den Songs Hintergrundgesang bei. Nicht zu vergessen ist natürlich auch BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken, mit dem Gutzeit - wie berichtet - vor kurzem den finalen "Trassenfieber"-Song "Heut Nacht bleib ich bei dir" eingesungen hat. Drei Bonus-Titel runden das Album ab - darunter auch Gutzeits sentimentaler Song zur Sambatrasse, mit der er ebenfalls viele Erinnerungen aus seiner Kindheit und Jugend verbindet. Sie passen sich - das wird schon beim ersten Hören der CD deutlich - perfekt ins "Trassenfieber" ein.

Weitere Live-Termine stehen fest

Überhaupt gibt es auf dem Album neben Geradeaus-Rock immer wieder stille und nachdenkliche Momente: "Das Geräusch von dem Zug, der nicht kommt" erzählt - flankiert von Ingo Meyers erhabenem Gitarrenspiel - die Geschichte eines Varresbecker Stellwerk-Arbeiters, der über das Ende der Rheinischen Strecke und seines Berufslebens nicht hinwegkommt - und ins Leere läuft. Tiefer geht’s nicht.

Auf der Bühne wird Gutzeit seine Trassen-Songs zu Bildern des Filmemachers und Fotografen Christoph Müller mit Leben füllen. Wie berichtet, haben sie die ehemalige Eisenbahnstrecke wochenlang mit der Kamera erkundet, um Material für die Live-Show zusammenzustellen. Auch viele alte Aufnahmen kamen dabei zusammen. Für die Live-Show stehen nach der Premiere jetzt die nächsten Termine fest: Am 24. und 25. April gibt es "Trassenfieber" um 20 Uhr im Alten Wartesaal des Bahnhofs Vohwinkel, am 14.Mai um 20 Uhr in der Skaterhalle Wicked Woods an der Langobardenstraße sowie am 4. Juni um 19 Uhr in der Rotter Kirche an der Rödiger Straße. Das beim Label Wunschkind erschienene Album ist ab Freitag im Musik- und Buchhandel erhältlich.

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