Der älteste Wuppertaler Rotary-Club feiert heute sein 75-jähriges Bestehen. Wer dabei sein will, wird genau geprüft.

Wuppertal. Einmal hätten sie beinahe in die Wuppertaler Kommunalpolitik eingegriffen. Das war Anfang 2000, als die Rotarier das Gefühl überkam, mit Wuppertal gehe es nur noch in eine Richtung - und zwar bergab. Doch das Vorhaben scheiterte, keines der Mitglieder wollte ernsthaft um ein wichtiges politisches Amt kandidieren.

"Seitdem sind solche Gedanken kein Thema mehr", erklärt Eberhard Robke, Präsident des ersten Rotary-Clubs in Wuppertal, der derzeit 76 Mitglieder umfasst. Die Aussichten, damals wirklich eine Veränderung herbeizuführen, hätten womöglich gar nicht einmal schlecht gestanden. Denn in den so genannten Rotary-Clubs, die weltweit rund 1,2 Millionen Mitglieder haben, versammelt sich alles, was Rang und Namen hat. Bürgermeister, Unternehmer, Akademiker, Vorstandsvorsitzende - das Netzwerk der Rotarier umfasst meist alle wichtigen Bereiche des öffentlichen Lebens.

Dass dieses Netzwerk auf Außenstehende so elitär wirkt, liegt nicht zuletzt daran, dass die Aufnahmekriterien sehr streng sind: Mitglied kann man nur durch persönliche Einladung werden, nach genauer Prüfung. "Wir gucken uns an, wie die Nominierten agieren, was sie für einen Charakter haben", so Robke. An diesem Wochenende feiert der älteste Wuppertaler Rotary-Club - mittlerweile gibt es im Tal insgesamt drei - sein 75-jähriges Bestehen.

Seit 1934 treffen sich Wuppertaler Rotarier jeden Freitag zum Essen und zu Diskussionen und Vorträgen über Wirtschaft, Wissenschaft, Medizin, Kunst und Kultur, Politik und Themen aus dem beruflichen Wirkungskreis. Eine kurze Pause der Rotarier-Bewegung gab es lediglich zwischen 1937 und 1945, als sie von den Nationalsozialisten verboten wurden und sich auflösen mussten. Neben den internen Treffen spielt das soziale Engagement bei den Rotariern eine herausragende Rolle.

Jedes Jahr spenden die Rotarier 75.000 Euro für soziale Zwecke

Jedes Jahr spenden die ausschließlich männlichen Mitglieder des Wuppertaler Clubs rund 75.000 Euro, die an verschiedene Einrichtungen verteilt werden. Darüber hinaus sind die Clubs weltweit an Projekten wie etwa "Polio Plus" beteiligt, das sich die Eindämmung der Kinderlähmung zum Ziel gesetzt hat. Bei solchen Projekten geht es dann schnell auch einmal um dreistellige Millionenbeträge. Trotz allem bleiben die Rotarier bescheiden. "Wir verstecken uns nicht, aber wir drängen auch nicht unbedingt in die Öffentlichkeit", erklärt Eberhard Robke. Mit einem eigenen Stand etwa auf Weihnachtsmärkten, um dort Geld für den guten Zweck zu sammeln, sucht man die Rotarier vergebens. "Wir sind eben keine Waffelbäcker", lacht der Präsident.

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