Der Träger des Physik-Nobelpreises 2007 besuchte die Bergische Uni.

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„Ich bin geplättet.“ Peter Grünberg freute sich über den vollen Hörsaal in der Bergischen Uni.

„Ich bin geplättet.“ Peter Grünberg freute sich über den vollen Hörsaal in der Bergischen Uni.

Uwe Schinkel

„Ich bin geplättet.“ Peter Grünberg freute sich über den vollen Hörsaal in der Bergischen Uni.

Wuppertal. Ein wenig schüchtern wirkt er, der kleine, etwas gebeugte Mann mit dem schütteren Weißhaar, als seine Blicke über die überfüllten Ränge des Hörsaals 4 schweifen. "Mit so einem Interesse hätte ich nicht gerechnet", verstärkt das Saal-Mikrofon die verhaltenen Worte. Leises Gelächter geht durch die Menge - kokettiert hier ein Wissenschafts-Star mit seiner Berühmtheit? Schließlich ist Physik-Professor Peter Grünberg eine Legende seines Fachs: Nobelpreisträger 2007, mehrfacher Ehrendoktor und ein Pionier der Computertechnik. "Mr. Festplatte", gewissermaßen.

In jedem Computer steckt ein Stück Nobelpreis

Ronald Frahm, Physikprofessor der Bergischen Uni und heute gewissermaßen Grünbergs Gastgeber, drückt es so aus: "In jedem PC steckt heutzutage ein Stück Nobelpreis." 1988 hatte Grünberg gemeinsam mit einem französischen Kollegen den so genannten Riesenmagnetowiederstand entdeckt - eine Technologie, die eine drastische Miniaturisierung der bis dato oft wagenradgroßen Festplatten ermöglichte. Winzige Datenträger mit mehreren hundert Gigabyte Kapazität, die Fotos, Musik und Filme speichern? Die heutige Selbstverständlichkeit wäre nicht möglich gewesen ohne Grünbergs Entdeckung. Neben dem 2007er Nobelpreis brachte sie dem Forschungszentrum Jülich Patente mit - bis heute - zweistelligen Millionenerträgen ein.

Trotz allen Erfolges: Jegliche Art von Starallüren oder Eitelkeit sind Peter Grünberg fremd. Seit dem Vormittag lässt er sich durch die Uni führen, sucht das Gespräch mit Professoren und Studenten, besichtigt Institute und Arbeitsgruppen. Sein Resümee: "Ich habe viele engagierte junge Leute getroffen, die etwas erreichen wollen. Der wissenschaftliche Nachwuchs ist besser, als allgemein behauptet wird."

Besonders interessiert ihn die Arbeit von Wuppertals Astronomen - aus ganz persönlichen Gründen. "Die Beobachtung der Sterne hat mich auch zur Physik gebracht", sagt er lächelnd und schaut einen Augenblick versonnen. Fast fünf Jahrzehnte Wissenschaftler-Leben ist das jetzt her.

Auch nach dem Nobelpreis, der höchsten Auszeichnung des Wissenschafts-Betriebs: Grünberg, seit 2004 aus dem Lehrbetrieb ausgeschieden, forscht nach wie vor. Nur die Vortrags-Einladungen, die Pressetermine sind mehr geworden. "Die größte Veränderung ist aber das hier", schmunzelt Grünberg, als ihn ein Doktorand zögerlich zu einem Erinnerungsfoto bittet. "Ich habe noch nie einen Nobelpreisträger aus der Nähe gesehen", sagt Ran Jia (29), ehrfürchtig. "Eine große Ehre für die Bergische Universität", sagt auch Rektor Lambert T. Koch. Peter Grünberg ist das nicht wichtig. Er will nur eins: über Physik reden.

Peter Grünberg wurde am 18. Mai 1939 im tschechischen Pilsen geboren und lebt seit 1946 in Deutschland. Er studierte in Frankfurt und Darmstadt, wo er 1969 promoviert wurde. Von 1972 bis zum Eintritt in den Ruhestand 2004 arbeitete er am Forschungszentrum Jülich. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

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