Selbst Förster sind ahnungslos: Hat denn niemand je die Nadeln gezählt?

Wuppertal. So schnell macht man Albert Vosteen nichts vor, schon gar nicht, wenn es um Bäume - speziell Nadelbäume - geht. Der Abteilungsleiter Waldbewirtschaftung/Forsten bei der Stadt Wuppertal kann mit beeindruckender Trefferquote vorhersagen, um wie viele Zentimeter sich der Trieb einer Nordmanntanne pro Jahr bewegt. Er weiß auch, dass eine Edeltanne, wenn sie erst mal abgeholzt ist, die Nadeln länger trägt als die übliche Weihnachtsbaum-Konkurrenz.

Eines aber weiß Albert Vosteen nicht: Wie viele Nadeln es denn nun sind an so einer Durchschnitts-Tanne für den weihnachtlichen Hausgebrauch - natürlich bevor sie nadelt? Schlimmer noch. Vosteen hat keine Ahnung, wen er fragen könnte. Und er kennt ziemlich viele Leute, die mit Nadelbäumen zu tun haben. "Unsere Förster haben keine Zeit, Nadeln zu zählen", lässt Vosteen verlauten.

Dabei bleibt offen, ob sich die Waldmenschen überhaupt je für diese Frage interessiert haben. Herbert Dauzenberg beispielsweise. Niemand sonst ist vertrauter mit der bestechenden Vielfalt der Nadelhölzer. Zum Verantwortungsbereich des Försters im Burgholz gehört nämlich das Arboretum, ein Exotenwald, in dem Bäume stehen, deren Herkunftsländer nicht einmal der Weihnachtsmann kennt.

Extrem nadelstark: Die pazifische Edeltanne

200 Baumarten sind dort vertreten - mit unterschiedlichem Blattwerk. Nadelzähler kämen aus dem Rechnen gar nicht mehr heraus. Deshalb beschränkt sich Dauzenberg lieber auf ein paar Tipps zum Weihnachtsbaum-Erwerb.

Die pazifische Edeltanne beispielsweise ist sein Favorit. Die lässt so schnell keine Nadel fallen und steht noch in voller Pracht, wenn die Nordmanntanne bereits alles unter sich gelassen hat. Allerdings, so Dauzenberg: "Die Nordmanntanne ist grüner und wächst homogener. Sie entspricht damit eher den Vorstellungen von einem klassischen Weihnachtsbaum."

Das Geschäft mit den Festhölzern liegt in Wuppertal übrigens schon eine Weile weitgehend brach. Bis 1995 konnten nach Angaben der Förster noch aus den Staatswäldern Weihnachtsbäume unters Volk gebracht werden.

Seitdem das nicht mehr möglich ist, wachsen die einzigen Weihnachtsbäume der Stadt noch unter den Hochspannungsleitungen. Dort werden Fichten gezogen - wegen des geringeren Diebstahlrisikos, die dann irgendwann in öffentlichen Gebäuden der Stadt landen - ohne, dass jemand vorher die Nadeln gezählt hätte.

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