Beim Rosenmontagskonzert des Sinfonieorchesters gab es viel zu lachen – unter anderem über Wuppertals Sparpaket.

Multitalent: Thomas Braus rezitierte und sang.
Multitalent: Thomas Braus rezitierte und sang.

Multitalent: Thomas Braus rezitierte und sang.

Andreas Fischer

Multitalent: Thomas Braus rezitierte und sang.

Wuppertal. Jupiter ist da, die schöne Helena und Paris, Orpheus und seine Eurydice, auch Tantalus, Prometheus und seine Geschöpfe bevölkern die Bühne: Das Rosenmontagskonzert im Opernhaus macht es möglich, die Figuren der griechischen Mythologie auf der Bühne zu versammeln. Dass dies in freier Nachdichtung, in Musik und Parodie geschieht, ist dem Anlass gemäß verständlich.

Das Sinfonieorchester Wuppertal präsentiert sich diesmal sparsamer kostümiert als sonst; immerhin sind verstärkt die gelb-weißen "Theater macht reich"- Protest-T-Shirts neben Hütchen mit im Takt wippenden Blümchen, bunten Perücken und vereinzelten Kostüme auszumachen. Florian Frannek dirigiert im Mozart-Outfit mit bleich geschminktem Gesicht sein Orchester unter bunt dekoriertem Bühnenhimmel.

Elena Fink (Sopran) und Tenor Christian Sturm singen aus Jacques Offenbachs "Die schöne Helena" und - sehr spaßig - aus "Orpheus in der Unterwelt" das Duett "Ich glaubte hier etwas zu fühlen."

Christian Sturm ist Jupiter, aber als fesche Fliege verkleidet, die mit schmeichelndem Summen und Zischen die schöne Eurydice gewinnen will. Durch die heiteren Musikbeiträge führt ein schwäbelnder weiser Grieche, der sich immer mehr als Schauspieler Thomas Braus entpuppt.

Auch Heinz Ehrhardt kommentiert Wuppertals Finanz-Situation

Die witzigen Texte, die dieser angeblich seinen Ghostwritern zu verdanken hat, entlarven sich rasch größtenteils als Wortspielereien des Heinz Erhardt - der selbst vor Schillers "Der Taucher" keinen Respekt hatte: "Wer wagt es, Knippersmann oder Ratt zu schlauchen in diesen Tund?"

Die Taucher, denen des Königs Töchterlein versprochen war, verschwinden schnell, denn: "Sie wussten verlässlich: Die Tochter war grässlich." Auch die Liebenden "Hero und Leander", die zusammen nicht kommen können, thematisiert er. Braus münzt das Gedicht weiter auf die Situation Wuppertals: "Er wollte sparen und ging unter, die Wuppertaler bleiben munter".

Überhaupt durchzieht das Thema "Spardiktat" hier wie im Straßenkarneval die Veranstaltung. Selbst die Kamelle sind eingespart und durch Äpfel ersetzt, welche die Akteure gezielt ins Publikum schleudern.

"So ist’s gemeint" singen Fink und Sturm, während sie mit dem Nudelholz dem eitlen Orpheus nachstellt, der nur Ohren für seine neueste Komposition hat, welche die Solo-Violine hingebungsvoll schluchzt. Als sich endlich Thomas Braus in der Rolle des Hans Styx gar als Sänger outet und koloraturreich jammert: "Als ich einst Prinz war von Arkadien... ich spendete Geld für Wuppertal", ist der Höhepunkt erreicht.

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