Eberhard Kranemann und BrindlArt sind demnächst mit zwanzig Installationen in Shanghai vertreten.

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Kreative im Zwiespalt: Eberhard Kranemann (li.) und BrindlArt sehen China kritisch – trotz ihrer Freude über die Ausstellung.

Kreative im Zwiespalt: Eberhard Kranemann (li.) und BrindlArt sehen China kritisch – trotz ihrer Freude über die Ausstellung.

Uwe Schinkel

Kreative im Zwiespalt: Eberhard Kranemann (li.) und BrindlArt sehen China kritisch – trotz ihrer Freude über die Ausstellung.

Wuppertal/Shanghai. Spektakulär schaut sie aus, die „Trash Art Performance“, zu deutsch etwa „Müll-Kunst-Vorstellung“. Kilometerweit ist das Künstler-Duo Kranemann + BrindlArt dafür die Wupper entlang geschlendert, um nach Zivilisationsmüll zu suchen. Neben vielen metallischen Materialien fanden sie Tierkadaver, verbeulte Räder und eine mit Algen überzogene Puppe. Komplex und subtil sind die Fundstücke zu einer Skulptur geformt worden. Diese Installation wird nun vom 16. bis 31. August in Shanghai als deutscher Beitrag der Ausstellung „Trash Art“ zu sehen sein.

„Der Kontakt kam über das chinesische Außenministerium zustande“, erinnert sich BrindlArt. Mitte Juni bekamen er und sein Kollege elektrische Post von einem gewissen Bruce Chen. Der entpuppte sich als Organisator der internationalen Veranstaltung. „Offensichtlich hatte er andere Arbeiten von uns gesehen“, mutmaßt Eberhard Kranemann. „Vielleicht hatte ihm unsere Bücherskulptur gefallen – wir haben für sie Schriften von Marx und Engels verwendet.“

„Wir mussten erst mal nachdenken, ob wir wirklich etwas in China zeigen wollen. Eigentlich darf man mit solchen Verbrechern nicht zusammenarbeiten.“

Eberhard Kranemann

Ästhetische Strukturen im Müll zu erkennen und aus dem, was andere ausrangieren, einen besonderen Wert zu erkennen – das ist als Thema für die beiden Wuppertaler Experimentalkünstler nicht neu. Mit ihren Performances, zuletzt bei der Nacht der Museen vor der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf dargestellt, setzen sie gute Traditionen fort. „Auch Kurt Schwitters arbeitete mit Müllelementen“, beschreiben sie die Arbeit des Dadaisten – und verweisen in diesem Kontext auch auf „Fountain“, das legendäre, aus einem gekippten Urinal bestehende Kunstwerk von Marcel Duchamps aus dem Jahr 1917.

Die Einladung nach Asien freut und ehrt sie. „Aber wir mussten erstmal nachdenken, ob wir wirklich etwas in China zeigen wollen. Eigentlich darf man mit solchen Verbrechern nicht zusammen arbeiten“, beschreibt Eberhard Kranemann seine zwiespältige Einstellung zu dem Land, das er wegen seiner Menschenrechtsverletzungen kritisiert. Aber dann kam die Einsicht, dass „durch Verweigerung nichts zu erreichen ist und nur Diskussion und Austausch Mauern einreißen können“, wie es BrindlArt formuliert. Und, so der gebürtige Österreicher: „Mir hat die Idee gefallen, deutschen Müll nach China zu bringen.“

Als Duo arbeiten Kranemann und BrindlArt seit 2000 immer wieder zusammen. Kranemann, der einst Mitglied bei der legendären Formation Kraftwerk war, demonstrierte im Kolkmannhaus lautstark an der Gitarre gegen eine Kulturetat-Kürzung. „Am Anfang war der Protest“, so BrindlArt. Seitdem haben er und Kranemann mehr als 80 verschiedene Aktionen gemeinsam gestaltet – Schlamm-Malereien, bemalte Kartoffeln als Weihnachtsgeschenke etwa oder Wander-Performances. Eine Kreativität, die offenbar auch in China ankommt – gleich zwanzig der Wuppertaler Müll-Installationen werden dort in Form überdimensionaler Fotos zu sehen sein.

Als Geschmacksverstärker für die Sinne ist das Künstler-Duo Kranemann + BrindlArt am 27. August in Wuppertal zu erleben. Bei der Sommerresidenz 2011 im Mirker Freibad wollen sie einen Dialog aus Malerei und Klang entstehen lassen.

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