Der Bassist gründete den Grammy-Sieger Kraftwerk mit. Aktuell bereitet der Wuppertaler eine Performance in Berlin vor.

Musik
Eberhard Kranemann und Ina Sladic in Aktion.

Eberhard Kranemann und Ina Sladic in Aktion.

Gerhard Bartsch

Eberhard Kranemann und Ina Sladic in Aktion.

Wuppertal. Der Wuppertaler Künstler Eberhard Kranemann gründete 1967 mit seinem Freund Florian Schneider-Esleben die Band Kraftwerk. Wer kennt nicht die Stücke „Autobahn“ oder „Die Roboter“? Kraftwerk hat Musikgeschichte geschrieben und gilt als Wegbereiter der elektronischen Musik. Am Samstag wurde die Band in Los Angeles mit dem Grammy für ihr Lebenswerk ausgezeichnet, zusammen mit einer anderen Legende der Musikwelt, den Beatles. Der Grammy gilt als höchste Auszeichnung für Künstler in der Musikbranche.

Frühes Experimentieren mit Verfremdung der Klänge

Kranemann, der eine klassische Ausbildung am Kontrabass absolviert hatte, experimentierte schon damals mit der elektronischen Verfremdung der Klänge. Bekannt war Kraftwerk nur in Insiderkreisen. „Wir haben maximal zehn Konzerte im Jahr gegeben, die nur von Mitgliedern der alternativen Szene besucht worden waren“, erinnert sich der Musiker. „Das war nur ein kleiner Kreis dem das anfangs gefiel“.

„Die herkömmlichen Instrumente habe ich schon ausgereizt.“

Eberhard Kranemann

Verdient haben die Musiker nur wenig. Kranemann verließ die Band aus monetären Zwängen heraus. Er hatte 1971 eine feste Anstellung als Kontrabassspieler beim Düsseldorfer Schauspielhaus bekommen. „Das kollidierte mit den Auftritten und Proben bei Kraftwerk“, erzählt er. Jahre später nach seinem Austritt feierte Kraftwerk mit den Hits „Autobahn“ oder „Das Model“ die ersten kommerziellen Erfolge. Für die Musikwelt war die Band prägend.

„Die Massenkultur der elektronischen Popmusik ist durch Kraftwerk entstanden“, erklärt der Künstler. Kranemann ist der elektronischen und experimentellen Kunst weiterhin treu geblieben.

Seine Liebe zur elektronischen Verfremdung liege in der Vielfalt der Klänge. „Die herkömmlichen Instrumente habe ich schon ausgereizt. Mit Elektronik kann man sehr viel mehr machen.“

Durch echte Pionierarbeit auf dem Elektropop-Gebiet hat sich die Gruppe Kraftwerk nicht nur einen Namen gemacht, sondern auch einige folgende Musikbewegungen deutlich beeinflusst. Laut Wikipedia beeinflusste die Gruppe Kraftwerk zahlreiche andere Künstler, darunter befinden sich auch so solche Namen wie David Bowie, Human League, Depeche Mode, Duran Duran, Alphaville, O.M.D., Rammstein, Ultravox, Moby, New Order (Krafty) und Front 242. In den Anfangsjahren bekannte sich Kraftwerk zudem eindeutig zu deutschen Namen der Stücke, später wurde das etwas verwässert.    

www.kraftwerk.com

Sein aktuelles Projekt ist die interdisziplinäre Performance „100 years of paranoia“, eine Hommage an William S. Burroughs, der laut Eberhard Kranemann „der berühmteste alternative Schriftstellers des letzten Jahrhunderts ist“. Seine zuweilen sehr drastischen Texte hat Kranemann elektronisch verfremdet.

Die Tänzerin Ina Sladic interpretiert Text und Klang durch Tanz, Mimik und Gestik. Am 15. Februar wird diese Performance auf dem Berlinale Filmfestival in Berlin zu sehen sein. Unterstützt wird dieses Projekt von der Stadtsparkasse und dem Kulturbüro Wuppertal.

Auch sein Kurzfilm „Im Panikraum“ wird in Berlin zu sehen sein. Die düstere Lyrik der Berliner Autorin Peggy Neidel bildet die Grundlage eines Films, der die „Gegenwart als Kampfzone“ darstellt.

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