WDR-Redakteur Hakan Ekemen erzählt von seinem Weg zum Radio und seiner Herkunft.

WDR-Redakteur Hakan Ekemen erzählt von seinem Weg zum Radio und seiner Herkunft.
Hakan Ekemen war der erste festangestellte Türke beim Westdeutschen Rundfunk.

Hakan Ekemen war der erste festangestellte Türke beim Westdeutschen Rundfunk.

Andreas Fischer

Hakan Ekemen war der erste festangestellte Türke beim Westdeutschen Rundfunk.

Wuppertal. Reggae ist seine Musik. Über sie, über Jamaika und die Reggae-Szene in Deutschland würde er gern mal ein langes Radio-Feature machen. Vorerst ist das nur ein Traum. Denn der Alltag von Hakan Ekemen, Redakteur im WDR-Studio Wuppertal, ist eher von schnelllebigen Nachrichten geprägt. Dass er einst in Istanbul geboren wurde, hört man am Radio nicht und spielt in seinem Alltag nur selten eine Rolle.

Ein Kaffee mit

Hakan Ekemen

Dabei ist er eine Art Vorreiter: „Ich war irgendwie immer der erste Türke“, sagt er lachend. Er und sein Bruder seien einst in Iserlohn die ersten türkischen Kinder im Kindergarten gewesen, später die ersten am Gymnasium. Auch im Journalistik-Studium in Dortmund traf er nur wenige Kommilitonen mit Migrationshintergrund: „Es gab einen aus Tschechien, einen aus Polen und mich.“ Trotz guter Abschlussnoten habe es gedauert, bis er eine feste Stelle fand. Da habe er sich schon gefragt, ob es an seiner Herkunft liegt, sagt er. 1995 bekam er dann eine Redakteursstelle – und gehörte damit zu den ersten festangestellten Türken beim WDR. Inzwischen fallen ihm zahlreiche Kollegen ein. Öfter hört er die Frage, ob er der Quotentürke sei, „das geht einem schon auf die Nerven. Aber ich denke immer noch, ich wurde wegen meiner Qualifikation angestellt.“

Zum Journalismus kam er durch den Fußball. Seit er zehn Jahre alt ist, spielt er, theoretisch bis heute – wenn er nicht gerade Knie-Probleme hätte. Als junger Kicker hat er der örtlichen Zeitung Spielberichte geliefert. Und fand Gefallen daran. Um Sportjournalist zu werden, begann er das Studium in Dortmund. Noch als Student übernahm er eine Sendung beim Privatradio Radio MK . Sein Volontariat absolvierte er beim Kabelpilotprojekt des WDR, wurde dann freier Mitarbeiter. Bei den muttersprachlichen Sendungen des WDR verbesserte er auch sein Türkisch. Denn das war gut für den Alltag, aber anders als im Deutschen fehlten ihm Fachbegriffe für fundierte Berichterstattungen.

In seiner Clique spielten Nationalitäten keine Rolle

Hakan Ekemen wurde 1962 in Istanbul geboren, lebt seit 1966 in Deutschland, seit 2004 hat er die deutsche Staatsbürgerschaft.

Er arbeitet in der Redaktion für Regionalnachrichten und für die Sendung „Stadtgespräch“. Seine Fachgebiete sind etwa Musik, Rechtsextremismus und das Unternehmen Bayer.

Von den Journalisten in deutschen Medien haben nach unterschiedlichen Schätzungen 1,2 bis 5 Prozent einen Migrationshintergrund.

Unterstützung für junge Journalisten mit Migrationshintergrund bieten die Heinrich-Böll-Stiftung mit dem Studienprogramm „Medienvielfalt, anders“, boell.de/studienwerk, die Initiative Neue deutsche Medienmacher mit einem Mentoringprogramm, neuemedienmacher.de, und der WDR mit den Talentworkshops „Grenzenlos“.

Ein paar Erinnerungen an Istanbul hat Hakan Ekemen noch, etwa an die große Wiese hinter dem Haus der Familie mit einem „Riesenfeigenbaum“. Sein Vater, gelernter Weber, ging 1965 nach Iserlohn, als die Textilindustrie Fachkräfte suchte. Die Mutter folgte ein halbes Jahr später, noch ein halbes Jahr später die beiden Söhne. Hakan Ekemen, erinnert sich an den Moment, als er als Vierjähriger aus dem Flugzeug kam und unten seine Mutter sah. Iserlohn ist er treu geblieben. „Ich wollte nie weg, hatte eine Superkindheit und Jugend.“ Zu seiner Clique gehörten Deutsche und ein Grieche – bis heute sein bester Freund. „Die Nationalitäten spielten nie eine Rolle“, betont er. Auch seine Eltern pflegten Kontakte nicht nur zu türkischen Kollegen. Zu seiner Jugend gehörten Fußball, später Diskos und die Musik – seither ist er Reggae-Fan. Er blieb auch in Iserlohn, als er die Stelle in Wuppertal bekam, denn seine Frau hatte als Erzieherin dort eine feste Stelle. Sie ist Deutsche, mit den heute 16 und 21 Jahre alten Kindern „feiern wir alle Feste mit“, muslimische und christliche. Auch wenn er nicht herzog, schätzt er Wuppertal: „Das ist eine tolle Stadt.“ Es gebe „eine tolle Kultur- und Musiklandschaft“, schwärmt er. Wuppertal habe was von Berlin, die Mentalität hier sei ähnlich bodenständig. Er mag das Luisenviertel, trifft sich oft mit Kollegen im Café Engel am Laurentiusplatz.

Nicht zuletzt die Schwebebahn fasziniert ihn. Er war bei einem einschneidenden Ereignis mit ihr sogar beruflich gefordert: „Ich hatte Frühdienst, als 1999 der Schwebebahnunfall passierte“, erzählt er. Ein Kollege habe ihn um kurz nach 6 Uhr angerufen: „Die Schwebebahn ist abgestürzt!“ Er habe das für einen Witz gehalten, doch der Kollege blickte von seiner Wohnung direkt auf die Unglücksstelle und erklärte, was er sah. „Dann haben wir natürlich alles in Bewegung gesetzt.“ Tagelang sei das eines der Hauptthemen in der Berichterstattung gewesen. Sein Traum: Irgendwann mal in seinem südlichen Land leben. Und noch eine Jamaika-Reise.

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