Beim legendären Konzert von Louis Armstrong im Thalia-Theater gelang Harold Schmidt 1952 eine kleine Sensation.

Wuppertal. 24 Stunden live, Wuppertals große Fanfare der Begegnungen, möchte vor allem den Bürgern Einblick in Unternehmen der Stadt gewähren. Dass dabei gelegentlich auch Bürger ein interessantes Nähkästchen öffnen, erlebte die freie Initiative BergischLAN bei ihrem "Mobile Banking". Da nahm Harold Schmidt vor der Historischen Stadthalle Platz auf einer eigens installierten roten Bank und erzählte: vom Thalia-Theater, von Louis Armstrong und von einem Foto, das Chronisten bislang gänzlich verborgen blieb.

Schmidt saß in der ersten Reihe und hatte eine Kamera mitgebracht

1952 war Wuppertal auf dem besten Wege, sich zu einer deutschen Jazz-Hochburg zu entwickeln. Die aus Barmen stammenden Musiker Ernst Höllerhagen und Wolfgang Sauer begeisterten das Publikum, das aber auch nach amerikanischen Stars lechzte. So war es für den Musikfan Harold Schmidt mit seinen damals 18 Jahren ausgemachte Sache, das legendäre Konzert von Louis Armstrong und seinen Allstars im Thalia-Theater zu besuchen.

Schmidt hatte sich bestens für den Abend ausstaffiert. Die Karte in der ersten Reihe ließ er sich zehn Mark kosten. Als Fotoenthusiast hatte er außerdem seine Kleinbildkamera mitgebracht, auf der ein imposanter Stabblitz steckte. Um den Eindruck eines "gestandenen Reporters" noch mehr zu unterstreichen, trug Harold Schmidt die Lederjacke seines Vaters.

In der Pause wagte sich Harold Schmid hinter die Kulissen

Doch erst in der Pause schlug seine große Stunde. Der Möchtegern-Journalist wagte sich hinter die Kulissen, wo sich die Stars in ihren Umkleidekabinen ein paar Minuten der Ruhe gönnten. "Vor Armstrongs Tür stand ein amerikanischer Rausschmeißer", erinnert sich Schmidt, der wegen des breitschultrigen Hindernisses erst einmal mit den Bandmitgliedern vorlieb nehmen musste. Kaum hatte er einige Autogramme eingesammelt, da verließ der Leibwächter für eine Weile seinen Posten.

Satchmo stand in Unterwäsche in der Umkleide vor Harold Schmidt

Für den Wuppertaler Jüngling war dies das Signal, einfach die Tür zu Armstrongs Umkleide zu öffnen. Satchmo stand da in Unterhose und Unterhemd. Schmidt riss die Kamera hoch, aber der Blitz versagte. So wurde es eine Aufnahme von historischem und weniger von künstlerischem Wert, freilich gewürzt durch die Tatsache, dass der Türsteher inzwischen zurückgekehrt war. Lediglich Armstrongs Intervention verdankte Schmidt, dass er zunächst glimpflich davonkam. Einen Tritt in den Allerwertesten kassierte er dennoch, nachdem er die Umkleidekabine verlassen hatte.

In privaten Kreisen hatte Harold Schmidt gelegentlich von seinem Abenteuer berichtet. Doch erst als er kürzlich in einem Buch über das Thalia-Theater stöberte, wurde ihm die Bedeutung seiner Aufnahme bewusst. Dort nämlich las er, dass es von Louis Armstrongs Auftritt 1952 in Wuppertal kein Foto gebe.

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