Dachverband der buddhistischen Zentren des Landes lädt am Sonntag zum Tag der offenen Tür.

Religion
Sandra Janke ist seit 20 Jahren Buddhistin. Am Sonntag zeigt sie das Zentrum in Wuppertal.

Sandra Janke ist seit 20 Jahren Buddhistin. Am Sonntag zeigt sie das Zentrum in Wuppertal.

Anna Schwartz

Sandra Janke ist seit 20 Jahren Buddhistin. Am Sonntag zeigt sie das Zentrum in Wuppertal.

Wuppertal. Sandra Janke ist Pressesprecherin der buddhistischen Gemeinschaft in Wuppertal. Die 42-jährige Bibliothekarin lebt seit acht Jahren in dem Haus an der Heinkelstraße. Am Sonntag lädt das Zentrum zum Tag der offenen Tür. Sandra Janke erklärt, wie das Zentrum arbeitet und warum es sich lohnt, zu kommen.

Frau Janke, das buddhistische Zentrum an der Heinkelstraße gibt es jetzt seit 27 Jahren. Was genau passiert hier?

Sandra Janke: Das Haus ist eine alte Schule, die Buddhisten gemeinsam saniert haben, ein richtiges Schmuckstück. Im Meditationsraum im Erdgeschoss trifft sich die ganze Gruppe, wir haben etwa 90 Mitglieder. Hier finden zum Beispiel Kurse und Vorträge statt. In den Stockwerken darüber leben 18 bis 20 unserer Mitglieder, im Keller ist unsere Gemeinschaftsküche.

Eine buddhistische WG?

Janke: Genau. Der aktuell jüngste Mitbewohner ist 24, die älteste 51 Jahre alt. Darunter sind Studenten, Lehrer, Sozialarbeiter, Sekretärinnen und Handwerker – man trifft sich wegen des Buddhismus. Viele müssen sich an die Situation erst gewöhnen. Wenn man meditiert sieht man klarer, auch seine eigenen Grenzen. Mir hilft das Leben in der Wohngemeindschaft sehr. Wenn man was für andere macht, vergisst man, auf sich zu sehr selbst zu schauen.

Am 21. September öffnen 100 buddhistische Zentren in Deutschland ihre Türen. An der Heinkelstraße 27 geben die Mitglieder von 11 bis 17 Uhr einen Einblick in das buddhistische Leben. Um 15 Uhr findet ein Einführungsvortrag zum Thema „Geleitete Meditation“ statt. Nähere Informationen gibt es unter Telefon 840 89 oder unter:
www.buddhismus-wuppertal.de
 

Das Buddhistische Zentrum Wuppertal wurde 1979 gegründet, 1987 das fünfstöckige Haus an der Heinkelstraße gekauft. 250 Helfer beteiligten sich an der Sanierung. Das Nachbarhaus wurde 2005 erworben.
Im Hinterhof des Zentrums steht ein Stupa, ein buddhistisches Bauwerk, das Buddha symbolisiert. Es zieht Buddhisten aus ganz Deutschland an.
 

Die Meditationszentren werden ehrenamtlich betrieben und finanzieren sich durch Spenden und Mitgliedsbeiträge. Als Dachverband fasst das Buddhistische Zentrum in Wuppertal 26 Zentren in Nordrhein-Westfalen zusammen.

Sie sind Diamantweg-Buddhisten der Karma Kagyü-Linie. Was bedeutet das?

Janke: Die Karma Kagyü-Linie ist eine der vier großen Schulen des tibetischen Buddhismus. Im Diamantweg-Buddhismus legen wir einen besonderen Wert auf Meditation. Unser Ziel ist dauerhaftes Glück. Ich glaube an keinen Gott, sondern an einen Zustand, den ich selber erreiche. Mit seinem einfachen Zugang spricht diese Form vor allem im Leben stehende Menschen an, auch deshalb ist er in Deutschland so weit verbreitet.

„Mir hilft das Leben in der Wohngemeinschaft sehr. Wenn man was für andere macht, vergisst man, auf sich selbst zu schauen.“

Sandra Janke, Buddhistin

Wie sind Sie zum Diamantweg-Buddhismus gekommen?

Janke: Ich war einige Jahre Zen-Buddhistin. Dann habe ich im Fernsehen, bei Alfred Biolek, Lama Ole Nydahl gesehen und wusste sofort: Den muss ich kennenlernen! Lama bedeutet Lehrer. Ole und seine Frau Hannah Nydahl waren die ersten westlichen Schüler des 16. Karmapas, also des Oberhaupts der Karma Kagyü-Linie, und wurden von ihm beauftragt, den Buddhismus im Westen zu lehren. Lama Ole hat auch das Zentrum in Wuppertal gegründet.

Und haben Sie ihn auch kennengelernt?

Janke: Ja, ich bin viel mit Lama Ole gereist. Aber ich habe auch viele andere tollen Lehrer getroffen. Ein wichtiger Bestandteil des Diamantweg-Buddhismus ist diese Verbindung von Schüler und Lehrer. Das hilft mir auf meinem eigenen Weg. Die Lehrer zeigen Qualitäten, die ich auch erreichen möchte und dienen mir so als Vorbild. Ich möchte irgendwann so selbstsicher werden, dass ich das umsetzen kann, was ich gelernt habe.

Das klingt sehr zeitintensiv. Wie lässt sich die tibetische Religion mit Ihrem deutschen Alltag vereinbaren?

Janke: Viele Bewohner beginnen den Morgen mit einer Meditation und gehen dann zur Arbeit, man meditiert so oft man kann. In unserer Freizeit müssen wir auch die Veranstaltungen hier organisieren. Da werden wir oft von Mitgliedern unterstützt, die nicht hier wohnen.

Warum sollte man das Buddhistische Zentrum am Sonntag besuchen?

Janke: Der tibetische Buddhismus spricht nicht nur Asien-Fans oder Esoteriker an, sondern auch ganz normale Wuppertaler. Wir wollen den Zugang erleichtern. Wir leben den Buddhismus so, dass er auch praktizierbar ist.

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