Ein Wuppertaler sorgt in Köln für gute Laune: Schlagzeuger Oliver Kerstan trommelt für Uwe Ochsenknecht und Maite Kelly.

Wenn Hauptdarsteller Uwe Ochsenknecht (nächstes Bild) als Edna über die Bühne wirbelt, gibt Oliver Kerstan den Takt an.
Wenn Hauptdarsteller Uwe Ochsenknecht (nächstes Bild) als Edna über die Bühne wirbelt, gibt Oliver Kerstan den Takt an.

Wenn Hauptdarsteller Uwe Ochsenknecht (nächstes Bild) als Edna über die Bühne wirbelt, gibt Oliver Kerstan den Takt an.

Veranstalter/Martina Thöne

Wenn Hauptdarsteller Uwe Ochsenknecht (nächstes Bild) als Edna über die Bühne wirbelt, gibt Oliver Kerstan den Takt an.

Wuppertal/Köln. Was wäre Uwe Ochsenknecht ohne Oliver Kerstan? Ein Star ohne den dazugehörigen Trommelwirbel. Denn wer glaubt, dass jemand, der den Durchbruch längst geschafft hat, niemanden mehr braucht, der regelmäßig für ihn trommelt, kennt Oliver Kerstan nicht. Der 33-jährige Wuppertaler arbeitet im Kölner Musical Dome zwar im Hintergrund, hat aber Entscheidendes in der Hand: Wenn er samt seiner Schlagstöcke in Streik träte, sähe Uwe Ochsenknecht alias Edna Turnblad ziemlich alt aus - zumindest noch älter, als er für seine (Mutter-)Rolle geschminkt wird.

Trommelwirbel, Toleranz und Taktgefühl

Da Kerstan aber viel zu viel Taktgefühl hat, um einen Einsatz zu verpassen, sieht die Arbeitsteilung bei "Hairspray" so aus: Ochsenknecht spielt die lebenslustige Mutter eines toupierten Teenagers, der die Welt mit Liebe, Toleranz und Haarspray revolutionieren will, Kerstan gibt derweil den routinierten Schlagzeuger im Musical-Orchester.

Seit Dezember 2009 sorgt der Cronenberger in Köln für den guten Ton. Was ihm daran so gefällt? "Die tolle Band, die tollen Darsteller, die tolle Musik." Das sind gleich drei Erklärungen auf einmal, die zu der Annahme führen könnten, dass die Begeisterung nur PR in eigener Sache ist. Doch Kerstan ist nicht nur ein alter Hase im Musical-Geschäft. Er ist auch ein Realist, der offen zugibt: "Es gibt wenig Möglichkeiten, als Pop- und Jazz-Schlagzeuger eine feste Anstellung zu finden." "Hairspray" ist eine davon.

Die Liebe fand er im Orchestergraben

Kein Wunder, dass die Schlagzeuger-Stelle heiß begehrt war: 40 Bewerber wurden zwei Tage lang getestet, am Ende hat sich der Wuppertaler durchgesetzt. Seitdem beschäftigt ihn ein haariges Thema: "Hairspray" erzählt die Geschichte der vollschlanken Tracy (Maite Kelly), die dem Rassismus fröhlich den Kampf ansagt, alle Vorurteile über Bord wirft und dabei auch noch allerlei Schmetterlinge im Bauch hat.

Apropos Gefühle: Kerstan selbst hat seine große Liebe im Orchestergraben entdeckt. Als "Die Schöne und das Biest" in Oberhausen ihr Publikum verzauberten, verstärkte Constanze Löffler als Aushilfe das Orchester. Schnell war klar: Die Geigerin und der Schlagzeuger verbindet mehr als die Liebe zur Musik. Inzwischen haben sie zwei Kinder und Kerstan hat eine neue Musical-Mission in Köln. Und das hat seinen ganz besonderen Reiz: "Im Unterschied zu anderen Musicals gibt es hier Stücke, die nicht nur angespielt werden. Hier wird ein Lied zu Ende gespielt, dann kommt das nächste."

Sprint-Einlage beim Finale: Der Arbeitstag endet mit einem Lächeln

Oliver Kerstan wurde am 22. April 1977 in Bergisch Gladbach geboren. Nach dem Studium an der Wuppertaler Musikhochschule spielte er mit dem Gürzenich Orchester, den Bläck Föös, Bill Ramsey und Marla Glenn. Inzwischen ist Kerstan ein echter Musical-Experte. Nach Einsätzen in Köln ("Jekyll und Hyde", "Spamalot"), Düsseldorf ("Cats", "Saturday Night Fever") und Oberhausen ("Die Schöne und das Biest", "Tanz der Vampire") musiziert er nun wieder am Rhein: Seit der Premiere im Dezember 2009 gehört er zum Kölner "Hairspray"-Orchester.

Kerstan unterrichtet an der Bergischen Musikschule und ist seit seiner Studienzeit Wuppertal treu geblieben. Heute wohnt er zusammen mit seiner Frau Constanze, einer Geigerin, und den gemeinsamen Kindern Martha (3) und Frederik (fünf Monate) in Cronenberg.

"Hairspray" ist noch bis Sonntag, 26. September, im Musical Dome in Köln zu sehen. Karten können unter Telefon 0180/

"Welcome to the Sixties", "Glocken klingen hell" und "You can’t stop the beat" - das sind die Ohrwürmer, die die Füße wippen lassen und die Herzen bewegen, jedenfalls die der Live-Zuschauer.

Seine Wuppertaler Schützlinge hingegen sind deutlich reservierter. So hat er auf die Frage, ob seine Zöglinge denn jetzt noch mehr Respekt hätten, weil er für Uwe Ochsenknecht trommelt, eine eher ernüchternde Antwort: "Meine Schüler interessieren sich nicht unbedingt für Musicals..." Dabei ist ihr Lehrer im Vergleich zu seiner Zeit in Oberhausen sogar "aufgestiegen": Statt in einem Orchestergraben unter der Bühne "thront" er nun in einem erhöhten Glaskasten. Doch auch diesmal gilt: Wenn er arbeitet, ist er fürs Publikum unsichtbar.

Zum guten Schluss zeigt er sich aber doch: Beim Finale gibt Kerstan noch einmal alles. Dann flitzt er auf die Bühne, um den Applaus entgegenzunehmen, verbeugt sich kurz, sprintet prompt zurück und schlägt wieder zu - mit einem Lächeln, schließlich gefällt ihm am Gute-Laune-Musical vor allem eines: "Das Finale ist anstrengend, aber großartig. Danach geht man wirklich mit einem Lächeln nach Hause."

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