Im Sog der Abwrackprämie lassen auch viele Wuppertaler ihre alten Autos verschrotten. Doch für einige Liebhaber käme das nie in Frage. Die WZ hat zwei gesprochen.

Wuppertal. Abwrackprämie? Ralph Buchbender schüttelt energisch den Kopf. "Das ist das Letzte, was ich meinem Wagen antun würde." Der 48-Jährige fährt seit fünf Jahren einen 36 Jahre alten, smaragdgrünen Ford Granada, mit dem er überaus glücklich ist. Dabei musste ihn ein Freund damals erst zum Kauf des alten Schätzchens überreden. "Ich hab den Wagen damals für gut 2000 Euro mit dem Versprechen gekauft, dass er die Reparaturen übernimmt", erzählt Buchbender.

Doch viel zu schrauben gibt es an dem Granada eigentlich nicht. "Das sind nie große Reparaturen, weil an dem Auto noch alles mechanisch ist", sagt der Wuppertaler. Für ihn einer von vielen Vorteilen seines Oldtimers. "Allein aus dem Grund würde ich ihn nicht gegen einen Neuwagen tauschen - mit der ganzen Elektronik, wie der Wegfahrsperre und automatischen Türverrieglern, will ich gar nichts zu tun haben." Neue Wagen gefallen ihm schon von der Optik nicht, sagt er. Auch daher kann ihm die Abwrackprämie gestohlen bleiben.

"Der Individualismus spielt sicher auch eine große Rolle", räumt der Musikjournalist und Promoter von Cargo-Records ein. "Wenn ich irgendwo vorfahre, schauen alle hin." Mit einem weit verbreiteten Vorurteil räumt er auch gleich auf. "Ständig fragen mich Leute, ob der Wagen nicht zu teuer ist - Nein, ist er nicht", sagt er entschieden. Bezüglich Steuern und Versicherung sei der Granada so günstig, dass er gerne auch mehr Sprit verbrauchen dürfe.

"Die Abwrackprämie ist interessant für Leute mit Schrottautos, nicht mit Liebhaberfahrzeugen."

Ralph Buchbender

Dass Buchbender so an seinem Oldtimer hängt, hat auch einen sehr nostalgischen Grund. Als er 1979 seinen Führerschein machte, war sein erstes Auto - richtig, ein Ford Granada. Somit war der Schritt zum Oldtimer 2001 "back to the roots". "Die Abwrackprämie ist interessant für Leute mit Schrottautos, nicht mit Liebhaberfahrzeugen."

So schätzt auch Norbert Schmidt die Lage ein. Der 41-Jährige betreibt an der Schwelmer Straße in Langerfeld einen Friseursalon im 50er Jahre-Stil. "Hier ist die Abwrackprämie ein Dauerthema", erzählt er. Denn alle seine Kunden haben sich alle dem Geist der 50er Jahre verschrieben. "Sie tragen die entsprechenden Outfits und die Haare im Elvis-Style", so Schmidt. Und sie fahren die passenden Wagen. "Wer in die Schwelmer Straße fährt, glaubt schon mal, er sei in der Zeit zurück gereist."

Haben auch Sie ein altes Auto, das für Sie mehr ist als nur ein fahrbarer Untersatz? Mit dem Sie eine Geschichte verbinden? Falls ja, dann senden Sie Ihre Auto-Geschichte samt Foto an die WZ-Lokalredaktion, z.H. Florian Launus, Otto-Hausmann-Ring 185, 42115 Wuppertal oder an die folgende E-Mail-Adresse: redaktion.wuppertal@westdeutsche-zeitung.de. Die Bilder werden wir zudem in einer Online-Galerie veröffentlichen.

Die Verschrottung ihrer Oldtimer wäre für ihn und seine Kunden schier ein Unding. Er selbst fährt einen hellblauen, 46Jahre alten VW Käfer. Mit den Jahren ist der Wagen immer wertvoller werden. Einst für 4000 Mark gekauft, ist das gute Stück heute zwischen 4500 und 6000 Euro wert. "Und es gibt ohne Ende Ersatzteile, die auch nicht teuer sind", freut sich der Oldtimer-Fan.

Daran, dass er mit seinem kleinen Käfer überall auffällt, hat sich Schmidt längst gewöhnt. "Die Leute haben Pippi in den Augen, wenn ich mit dem Auto vorfahre", amüsiert sich der Friseur. "Ich komme einfach immer zu spät zu meinen Terminen, weil mir die Leute alle erzählen, dass sie auch mal so einen gefahren haben." Viele plaudern von ersten Reisen, die sie mit dem VW unternommen haben - nach Italien, über den Brenner. "Der Wagen ist ein absolutes Wirtschaftswunder", so Schmidt.

"Die Leute haben Pippi in den Augen,
wenn ich mit dem Auto vorfahre."

Norbert Schmidt

Gerade aus diesen dokumentarischen Gründen ärgert er sich über die Abwrackprämie. "Vor allem ältere Leute sehen nur das Geld, was ihnen geboten wird, und geben ihren alten Golf I dann weg. Von ihm bleibt nichts außer ein großer Schrott-Klotz. Für die Nachwelt sind diese Wagen ein für allemal futsch." Und wie schön es sein kann, wenn sich auch spätere Generationen an den alten Wagen erfreuen, spürt Schmidt, wenn er mit seiner Oma zusammen ist. Die fuhr vor vielen Jahren auch einen Käfer.

"Neulich haben wir uns alte Dias angesehen", erzählt der Friseur. Eines hat der Nostalgiker gleich zurückbehalten. Es zeigt seinen Opa, wie er vor der Alpenkulisse den Wagen an seinem Käfer wechselt. "Meine Oma war ganz gerührt, als sie das sah. Und noch erfreuter, weil sie weiß, dass ich heute ebenfalls so einen fahre." Und weil das Motiv Norbert Schmidt selbst so gut gefiel, lässt er sich einen großen Abzug davon machen, den er in seinem Friseursalon aufhängt. Stilecht, wie alles bei ihm. Verschrotten sollen doch die anderen!

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