WZ-Kolumnist Uwe Becker erinnert sich an sein ständiges Hungergefühl.

WZ-Kolumnist Uwe Becker erinnert sich an sein stetiges Hungergefühl.
Uwe Becker, 1954 in Wuppertal geboren, ist Chefredakteur des Wuppertaler Satiremagazins Italien. Jeden Mittwoch schreibt er in der WZ über sein Wuppertal.

Uwe Becker, 1954 in Wuppertal geboren, ist Chefredakteur des Wuppertaler Satiremagazins Italien. Jeden Mittwoch schreibt er in der WZ über sein Wuppertal.

Joachim Schmitz

Uwe Becker, 1954 in Wuppertal geboren, ist Chefredakteur des Wuppertaler Satiremagazins Italien. Jeden Mittwoch schreibt er in der WZ über sein Wuppertal.

Michelle Obama hat kürzlich kritisiert, dass die Trump-Regierung die strengen Richtlinien für besseres Schulessen kassierte. In den USA soll es wieder ungesundes Essen geben, weil gesundes Essen Kosten von 1,2 Milliarden Dollar verursachen würde. In den Vereinigten Staaten ist jedes sechste Kind übergewichtig oder fettleibig.

Hier in Wuppertal sieht es an den Bildungsstätten auch nicht viel besser aus. Die Qualität ist überwiegend schlecht. In manchen Einrichtungen fehlt der Mittagstisch gar komplett. Unsere Nachwuchs muss gut, reichlich und gesund essen, das ist wichtig, und daran sollte man nicht sparen.

Zum Thema Ernährung fällt mir eine ganz persönliche Geschichte ein. Ich erinnere mich, dass ich in der Kinder- und Jugendzeit einen sehr guten Appetit hatte. Ich erwachte als pubertierender Jüngling morgens immer hungrig. Meine Mutter, mein Vater und meine Oma kochten zwar gut und gesund, aber es war mir oft zu wenig. Ich war, ja, das kann man so sagen, ein kleiner Vielfraß. Ich weiß noch, wie ich im Alter von dreizehn Jahren an einem Sonntagvormittag, auf der Berliner Straße spazieren ging, um mir die Zeit bis zum Mittagessen zu vertreiben.

Ich kaufte mir dann beim Griechen an der Ecke ein großes Schweineschnitzel mit Pommes und Mayonnaise, obwohl es mittags Rinderbraten mit Salzkartoffeln und Blumenkohl in Béchamelsoße gab. Ich habe das Imbiss-Gericht dann heimlich in mein Jugendzimmer geschmuggelt und unter den Kleiderschrank geschoben. Die Aluminiumfolie hielt das liebevoll hergerichtete Imbissgericht schön warm. Der Imbiss-Besitzer schenkte mir dazu auch noch eine kleine Tüte mit Oliven und ein buntes, gekochtes Ei, die gab es bei den Griechen schon damals das ganze Jahr. Ich aß als Kind sehr gerne hartgekochte Eier und ärgerte mich, dass es die bei uns nur zu Ostern gab.

Nach dem reichhaltigen Mittagessen verzog ich mich in mein Zimmer, legte mich auf den Bauch, zog den Plastikteller mit meinem Schnitzel unterm Schrank hervor, befreite die silberne Verpackung von einigen Staublusen und begann, diese Köstlichkeit genüßlich zu verschlingen. Zweimal kam meine Mutter ins Zimmer, um mich irgendwas zu fragen. Ich schob dann das Schnitzel samt Pappteller blitzschnell wieder unter den Schrank und tat so, als ob ich etwas suchen würde. Nachmittags reichte meine Mutter oft noch Kuchen mit Sahne.

Zum Abendbrot gab es übrig gebliebene Bratensoße mit Brot. Natürlich auch Wurst und Käse. In der Nacht schlich ich mich auf den Flur und lauschte an der Schlafzimmertür meiner Eltern. Wenn sie leise tuschelten, wusste ich, gleich tauschen sie Intimitäten aus. Diese Zeit nutze ich, um mir noch drei Eier mit Speck in die Pfanne zu hauen. Da meine Eltern nach dem Sexualverkehr direkt einschliefen, konnte ich in aller Seelenruhe alles aufessen. Da ich in meinem Zimmer keine Vorräte mehr hatte, nahm ich mir auch noch eine Dose Bratheringe vom Regal und deponierte diese in meinem Zimmer. Als meine Mutter vier Wochen später beim Staubsaugen die leere Fischdose unter meinem Kleiderschrank fand, fragte sie mich naserümpfend: „Wie kommt das hier unter deinen Schrank?“ Ich schob die Schuld geistesgegenwärtig auf die Katze. Mein Pech war, wir hatten leider keine. Nur zwei Goldfische im Aquarium, die gaben sich allerdings gegenseitig ein wasserdichtes Alibi. Einige Monate später hatte ich meine erste Freundin. Sie hatte, das gefiel mir an ihr besonders, immer was zum Knabbern dabei.

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