Premiere bei „Himmel und Erde“: Theatergruppe spielte „Stress im Champus-Express“.

Unterbarmen
Angelika Dreher, Birgit Romünter-Neise und Sabina Woker (v.l.) im Bordbistro.

Angelika Dreher, Birgit Romünter-Neise und Sabina Woker (v.l.) im Bordbistro.

Gerhard Bartsch

Angelika Dreher, Birgit Romünter-Neise und Sabina Woker (v.l.) im Bordbistro.

Kothen. Moët & Chandon im Regal eines Bordbistros? Der „Champus-Express“, den das Laientheater „Himmel und Erde“ auf die Reise schickt, ist in der Tat kein Zug für den Durchschnittsbürger. „Gut situierte Fahrgäste“ sind laut Programmheft in den Waggons unterwegs. Das garantiert freilich nicht, dass die Reisenden voll zurechnungsfähig wären.

Mit Autor Spehling zum Publikumserfolg

Bernd Spehling schrieb den amüsanten „Stress im Champus-Express“, der am Freitag Premiere hatte und 220 Zuschauer ins Gemeindezentrum Petruskirche an der Meckelstraße lockte. Für Regisseur Reinhard Figge ist Spehling eine Erfolgsgarantie. „Das ist bereits das vierte Stück von ihm, das wir aufführen.“

Auch für sich selbst hatte Figge eine Rolle reserviert, aber eine Erkältung verhinderte seinen Auftritt. So übernahm Andreas Gilsbach kurzerhand die Rolle des „Fietsers“, eines holländischen Radfahrers, der mangels Platzangebot heimatlos durch die Waggons respektive durchs Bühnenbild irrt.

Abstruse Gestalten gehören zum Plot, darunter auch die verstörte Kellnerin Gertrud (Sabina Woker), die nach ungesunder Selbsteinschätzung überzeugt ist, die Lage im Griff zu haben. Beinahe realitätsnah statt überkandidelt spielt Woker die kecke Saftschubse, eine Wohltat für alle, die sich an den gängigen Kunstgriffen von Laientheatergruppen sattgesehen haben.

Therapeutische Wirkung für Schauspieler und Zuschauer

Mit Zugschaffner Wischnewski und Kommissar Zöllner hat Holger Kotzan als Neuzugang im Team gleich eine Doppelrolle übernommen und spielt beide Charaktere bemerkenswert besonnen – kein Hänger bei der Premiere, eine stolze Leistung für einen Newcomer.

Als „Therapiegruppe“ sieht Figge das Ensemble, das seit Oktober für den „Champus-Express“ geprobt hat. Wer gestresst von seiner Arbeit komme, könne sich bei den Proben wunderbar regenerieren. Das gilt nicht minder für die Zuschauer, die sich von Wortwitz und Tempo des Stückes nahezu in Trance treiben ließen. Das gelungene Bühnenbild trug seinen Teil dazu bei.

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