Regisseur Berengar Pfahl ließ am Montag in der Stadthalle den Ersten Weltkrieg ausrufen.

dreharbeiten
Drehten drei Tage lang in der Stadthalle (von links): Jan Henrik Stahlberg, Felicitas Woll, Berengar Pfahl, Sebastian Blomberg und Ken Duken, der die Hauptrolle spielt. „Die Männer der Emden“ kommt 2012 in die Kinos.

Drehten drei Tage lang in der Stadthalle (von links): Jan Henrik Stahlberg, Felicitas Woll, Berengar Pfahl, Sebastian Blomberg und Ken Duken, der die Hauptrolle spielt. „Die Männer der Emden“ kommt 2012 in die Kinos.

Andreas Fischer

Drehten drei Tage lang in der Stadthalle (von links): Jan Henrik Stahlberg, Felicitas Woll, Berengar Pfahl, Sebastian Blomberg und Ken Duken, der die Hauptrolle spielt. „Die Männer der Emden“ kommt 2012 in die Kinos.

Wuppertal. Es ist kurz vor 11 Uhr. In zwei Stunden soll der Erste Weltkrieg ausgerufen werden. Die Weingläser sind gut gefüllt und stehen bereit, die runden Tische sind festlich gedeckt, die Stimmung ist hoffnungsfroh.

Doch etwas ist falsch. Richtig: Das Schlagwort „Coffee to go“ war 1914 noch gar nicht erfunden, und so ist es bezeichnenderweise eine Frau, die dafür sorgt, dass „Die Männer der Emden“, die Berengar Pfahl in seinem gleichnamigen Kinofilm feiert, keinen Fauxpas erleben: Schauspielerin Felicitas Woll beseitigt im Vorbeigehen eine verräterische Spur und entfernt einen Pappbecher von der feierlichen Tafel. Moderne Kaffee-Kultur zwischen historischen Kostümen – das geht nun wirklich nicht.

„Die Stadthalle hat genau die Aura, die wir brauchen.“

Berengar Pfahl, Regisseur

Dafür passen Ort und Stoff bestens zusammen: „Die Stadthalle ist wahnsinnig schön und verwunschen. Sie führt wirklich in eine andere Zeit“, sagt Pfahl, der schon rund um den Globus gedreht hat. Nur das buchstäblich Naheliegende, die Wuppertaler Stadthalle, hat der Haaner erst jetzt entdeckt: „Sie ist genau in der Zeit entstanden, in der der Film spielt. Perfekt! Wir mussten kaum etwas umgestalten.“ Locker, aber auch souverän steht der 64-Jährige zwischen Kameras, Schauspielern und Technikern. Er wirkt wie die Ruhe selbst, obwohl große Erwartungen auf seinen Schultern lasten.

Stürmische Wüstenritte und eine Liebe auf Distanz

Denn hinter dem Historiendrama, das die Odyssee der Matrosen der SMS Emden erzählt, steckt ein Budget von knapp neun Millionen Euro, noch dazu eine ganze Riege bekannter Gesichter: Ken Duken spielt einen jungen Offizier, Felicitas Woll seine Verlobte. Eine Liebe auf Distanz also. Nach Stationen in Sri Lanka, Malta, Athen und Tunesien sind sie nun in Wuppertal vereint. Wer dort den Kaffee stehen gelassen hat? 90 Teammitglieder kommen in Frage. Die berühmtesten sind Ken Duken und Sebastian Blomberg. Was sie gereizt hat? Dass die Charaktere vielschichtig, die Drehorte nicht alltäglich waren. Jan Henrik Stahlberg ergänzt mit einem Augenzwinkern: „Die Bezahlung.“ Sagt’s, lacht und rückt die Uniform zurecht.

Es ist kurz vor 12 Uhr. In einer Stunde wird der Krieg ausgerufen. Die Uniformen sitzen, die Stimmung ist filmreif. Und der Regisseur nimmt das Ganze mit Humor: „Nachdem wir an exotischen Orten waren und Wüstenritte bei Sandstürmen erlebt haben, freue ich mich, in Wuppertal wieder geschlossene Räume zu haben . . .“

Der Film, der 2012 Uraufführung auf der Berlinale feiert und später in der ARD zu sehen ist, erzählt die Odyssee der kaiserlichen SMS Emden, die 1914 in der damaligen deutschen Kolonie Tsingtao vom Beginn des Ersten Weltkriegs überrascht wird.

Zwar gingen in Elberfeld „nur“ drei von 50 Drehtagen über die Bühne, doch wichtige Filmszenen spielen sich in der Stadthalle ab – darunter eine Hochzeitsfeier, die vom Kriegsausbruch jäh beendet wird. Damit wurde zum Schluss der dreimonatigen Dreharbeiten der Anfang der Geschichte aufgezeichnet.

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