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Gärtnerin Sandra Weißenborn gibt Tipps: Karin May, Marlene Höhne und Evelyn John (v.l.) lauschen gespannt. Die Orchideen und auch die Peperomia (links) sollen von ihren Besitzerinnen umgetopft werden.

Gärtnerin Sandra Weißenborn gibt Tipps: Karin May, Marlene Höhne und Evelyn John (v.l.) lauschen gespannt. Die Orchideen und auch die Peperomia (links) sollen von ihren Besitzerinnen umgetopft werden.

Andreas Fischer

Gärtnerin Sandra Weißenborn gibt Tipps: Karin May, Marlene Höhne und Evelyn John (v.l.) lauschen gespannt. Die Orchideen und auch die Peperomia (links) sollen von ihren Besitzerinnen umgetopft werden.

Wuppertal. Marlene Höhne betritt mit besorgter Mine den Raum. Ein Notfall. Vorsichtig zieht sie die Patientin aus einer Plastiktüte – es tropft auf den Boden. „Können Sie ihr helfen?“ Sandra Weißenborn wirft einen kurzen Blick auf das Opfer. Dann die erschütternde Diagnose: „Eindeutig ertrunken.“

Die Szene spielt sich nicht etwa im Krankenhaus ab, die Sprechstunde von Sandra Weißenborn findet im Gartenzimmer der Villa Eller statt. Und ihre Patienten sind Pflanzen. So tropft aus dem Topf kein Blut, sondern Wasser. „Ich war 14 Tage im Urlaub, als ich zurück kam, war der Kübel bis zum Rand mit Wasser voll“, erklärt Marlene Höhne, die in Schwelm wohnt. Der Pflanzensitter hatte versagt.

„Mein Herz hängt so an ihr.“

Marlene Höhne über ihre Pflanze

Mittlerweile hat sich auf dem Tisch eine Lache gebildet. Sandra Weißenborn, Gärtnerin im Botanischen Garten, drückt einen Daumen in die Erde: „Viel zu nass.“ Marlene Höhne holt tief Luft. „Mein Herz hängt so an ihr. Ich habe sie vor zehn Jahren in meiner Heimat Tirol geschenkt bekommen. Sie war einmal so schön.“ Den Gießunfall haben nur fünf kleine Ableger überlebt. „Damit diese Wurzeln bilden, müssen sie trocken gelegt werden: am besten in Sand umtopfen. Und am Anfang packen sie die Ableger in Folie ein.“ Ein Folienverband für die Patienten – darunter bildet sich Luftfeuchtigkeit, die über die Blätter aufgenommen werden kann, so lange keine Wurzeln zum Trinken gewachsen sind.

Drei Orchideen warten im Einkaufskorb auf Hilfe

Ein schwerer Fall – Überleben ungewiss. Der nächste ist deutlich einfacher. Evelyn John hat gleich ihren halben Fensterbank-Schmuck mitgebracht. Drei Orchideen warten im Einkaufskorb auf Hilfe. Die Gärtnerin nimmt die Exemplare in die Hand. „Die sieht doch super aus. Aber die beiden anderen, da müssen sie was tun.“ Bei einen Sorgenkind hängen die Blätter schlapp über den Topfrand. „Wo stehen die denn?“, fragt Sandra Weißenborn. „Auf der Fensterbank über der Heizung“, sagt John. „Aha“ – die Pflanzendoktorin lächelt wissend. „Wegen der trockenen Luft müssen sie die öfters gießen. Einmal die Woche unter Wasser tauchen bis keine Luftbläschen mehr aufsteigen, dann ordentlich abtropfen lassen.“ Außerdem rät sie die beiden kränklichen Blumen umzutopfen: neue Erde, neue Kraft.

Beatrix Dröse, die eigentlich wegen ihrer Zitrusbäume gekommen ist, hört aufmerksam zu. Auch sie hatte schon einmal Orchideen-Probleme. Ihren Schätzchen konnte aber niemand mehr helfen: Schildläuse. „Die sind sehr hartnäckig, selbst, wenn man die Blätter einzeln abwäscht und sie mit einem Mittel einsprüht, kommen sie oft wieder“, erklärt Weißenborn. Jetzt haben die Schädlinge auch die Zitrusbäume im Wintergarten befallen.

Ein Spezialmittel soll gegen Schildläuse helfen

Die Sprechstunde vom „Pflanzendoktor“ findet jeden ersten Mittwoch im Monat von 13 bis 15.30 Uhr im Gartenzimmer der Villa Eller im Botanischen Garten statt. Der nächste Termin ist am 1. Februar.

Gärtnerin Sandra Weißenborn rät: „Die Pflanze mitbringen. Eine Ferndiagnose ist immer schwer.“ Sie und ihre Kollegen geben Tipps zu Zimmer- und Gartenpflanzen. Das Angebot ist kostenlos.

Dröse kramt Blätter aus der Tasche – übersät mit brauen Punkten. „Das sind die Ausscheidungen der Läuse“, stellt die Doktorin ihre Diagnose. Sie nennt der Wuppertalerin ein Spezialmittel. Die Orchideen wanderten bereits in den Müll – dieses Schicksal sollen die Zitrusbäume nicht erleiden.

Marlene Höhne hat noch eine letzte Frage: „Wie heißt meine Pflanze eigentlich?“ „Wahrscheinlich ist es eine Peperomia, ein tropisches Gewächs.“ Um die Art genau zu bestimmen, müsse sie aber noch einmal in einem Buch nachschlagen. „Lassen sie mir ein Blatt und ihre Telefonnummer da.“ Höhne zögert, dann zupft sie sanft ein Blättchen ab. Zur nächsten Sprechstunde will sie wieder kommen. Hoffentlich mit einer Patientin auf dem Weg der Besserung.

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