Bei trübem Wetter setzen sich die Frühlings- und Osterboten nur zaghaft durch.

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Der Biss ins selbstgemachte Schokoladenei vom Cafe Best weckt trotz Nieselregen Vorfreude auf das nahende Osterfest.

Der Biss ins selbstgemachte Schokoladenei vom Cafe Best weckt trotz Nieselregen Vorfreude auf das nahende Osterfest.

Andreas Fischer

Der Biss ins selbstgemachte Schokoladenei vom Cafe Best weckt trotz Nieselregen Vorfreude auf das nahende Osterfest.

Wuppertal. Der große, wenn nicht größte deutsche Dichter-Denker besaß so gut wie jede Geistesqualität und deshalb auch ein sonniges Gemüt. Entsprechend frohsinnig schickte dieser Goethe seinen "Faust" auf den Osterspaziergang und ließ ihn über enteiste Bäche jubeln. Auf den Wuppertaler Höhen hat sich die Osterbotschaft noch nicht durchgesetzt. "Ich bin et leid", klagt Herbert Gantert und schaut zum grauen Himmel, von dem leise der Regen nieselt.

Im rundum entnervten Ronsdorf hat sich kurz nach Aschermittwoch noch niemand auf das nahende Osterfest eingestellt. Eine Wärmflasche Modell "Bett-Häschen", ein "Gel-Wärm-Bärchen" und diverse Ölbäder zieren das Schaufenster der Albert-Schweitzer-Apotheke. Ein paar Häuschen weiter liegen Wolldecken aus, während nebenan zumindest schon mal die neue Frühjahrskollektion in der Vitrine drapiert wird.

Es war die Zaubernuss und nicht die Forsythie

Richtig frühlingshaft scheint das kleine Blühwunder gegenüber auf dem Bandwirkerplatz. Forsythie, denkt der Laie, aber der Fachmann schüttelt sich. Das, so müsste der Gärtner belehren, ist eine Zaubernuss. Blütezeit zwischen Dezember und Februar, demnach ein ernüchternder Spätzünder.

Auf meisterhafte Unentschiedenheit haben sich auch die Marktstände in Ronsdorf eingeschossen. Da gibt es einen "Schöne-Tage-Strauß" und "Gute Laune sowieso", gleich daneben aber immer noch Schneerosen. Das Sortiment deckt sich mit dem Anblick auf der Hardt: blühende Alpenveilchen, Winterlinge und Schneeglöckchen, erste Krokusse auch, aber noch keine Spur vom frischen Gelb der Osterglocken.

Versprengte Hasen hocken zumindest schon in der Barmer Innenstadt, so bei Strasmann ein Plüschtier mit Möhre gleich neben einem Frosch. Die Apotheken gehen aber auch hier lieber auf Nummer sicher und plakatieren den "Frosch im Hals".

Sack und Asche sind Zeichen der Buße. Am Aschermittwoch werden Palmzweige verbrannt und mit der Asche Kreuze auf die Haut der Gläubigen gezeichnet. Damit beginnt die 46 Tage währende Fastenzeit.

Süsses Für Konditoreien ist der Aschermittwoch traditionell das Datum, um Naschwerk für das nahende Osterfest herzustellen.

Osterstimmung bleibt auf Sparflamme, Eierkerzen im Sixpack genügen da auch nicht als Vorboten. Konditorei Best am Mühlenweg folgt aber noch treu den Traditionen. "Wir haben gleich nach Aschermittwoch angefangen", sagt Anke Reinhardt. Ihr Mann Rainer fertigt echte Kunstwerke zur Osterzeit: Mandelsplittereier aus zarter Schokolade, in deren hohlem Bauch sich ein Sortiment aus Trüffeln verbirgt.

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