Die Dance Academy am Hofkamp wird von Daniel Fromme und Ceyhan Keles geleitet. Die haben schon mit Stars zusammen getanzt.

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Im Trend: In der Dance Academy zeigten junge Wuppertalerinnen was sie können – und was sie wollen.

Im Trend: In der Dance Academy zeigten junge Wuppertalerinnen was sie können – und was sie wollen.

Andreas Fischer

Im Trend: In der Dance Academy zeigten junge Wuppertalerinnen was sie können – und was sie wollen.

Elberfeld. Trister Beton der Großstadt, das Erotikgeschäft an der Ecke, ein düsterer Hinterhof und die Polizei als guter Nachbar eine Straße weiter. Ein Viertel, trostloser als manch anderes in einer deutschen Metropole, ein Abbild der New Yorker Bronx, so scheint es.

Dort, in New York, wo vor 30 Jahren für ein paar Dollar die erste Hip Hop-Party stieg. Alles Geschichte? Nein, der Hip Hop ist populär wie nie zuvor, jedenfalls in der Szene. Und die gibt es auch am Hofkamp in Wuppertal - versteckt liegt der Seiteneingang zur Jugendkultur.

Dritte Etage, Sportzentrum: Dort ist das Zuhause der jungen Insider, die "DC Dance Academy": Wummernde Bässe, harte Beats und souliger Sprechgesang dröhnen aus den gigantischen Lautsprechern der Musikanlage, Ghetto-Sound im XXL-Format mit musikalischen Minimalaufwand.

Die Spiegelwand vibriert. Und davor proben Daniel Fromme und Ceyhan Keles die Hip-Hop-Choreographie, die sie ihren Tanzschülern an diesem Sonntag in einer Stunde beibringen wollen.

Stehen die Profis sonst mit Popstar Jeanette Biedermann und DJ Tommek auf der Bühne, eröffneten sie nun eine Talentschmiede für junge Leute.

Hip Hop ist eine Musikrichtung, die ihre Wurzeln in der "schwarzen" Musik des Funk und Soul hat. Bedeutendes Element ist der Sprechgesang, der Rap. Aus der Urzeit des Rap sind Bands wie Grandmaster Flash and the furios five sowie die Sugarhill Gang bekannt. Die Musik hat sich aus den US-Ghettos entwickelt.

Hip Hop ist auch eine Mixtur der Musik, mit Breakdance und Graffiti, eine Subkultur.

"On Stage" hieß auch das Motto der sechsten Staffel der Castingshow "Popstars", an der Daniel Fromme 2007 teilnahm. Den "heißesten Live Act Deutschlands" suchte die Jury damals. Für den Erfolg trainierte ihn sogar der streitbare Star-Choreograph Delef D! Soost. "Das Training mit Detlef hat mich tänzerisch weitergebracht", erinnert sich Fromme an den Start seiner Karriere als Profi.

Nebenbei der Unterricht mit den Hip Hoppern. "Ich will zeigen, dass man mit wenig Geld viel machen kann. Das ist die Alternative für Jugendliche zur Straße", sagt der 26-Jährige.

Das Outfit passt: Stylische Pudelmütze, angesagte Turnschuhe und auf dem Shirt steht: "Dance or Die" (Tanz oder stirb), eine klare Ansage - Hip Hop als Lebensstil.

So empfindet das auch Kevin (18), der an diesem Tag beim Training dabei ist. Dreiviertellange Hose, Baseball-Kappe und Sneakers, alles in Schwarz. Um den Hals schmiegt sich eine Silberkette. Das sitzt. Auch seine Tanzschritte sitzen fast perfekt.

Justyna (15) übt die Schritte. Noch während sie ihren Oberkörper nach vorne fallen lässt, tänzelt sie auf Fußspitzen in die andere Ecke des Saales. Ihr zu Zöpfen geflochtenes Haar und die großen Ohrringe springen mit dem Rhythmus. "Easy, easy", korrigiert Fromme.

Währenddessen feilt Heilana (16) aus Langerfeld an ihrer Pose: Provokanter Blick, sexy Selbstbewusstsein und mädchenhafter Charme. Sie gehört zu den Teenagern, die Poster an die Zimmerwand pinnen und davon träumen, es ihrem Star Justin Timberlake wie im Videoclip gleichzutun. Die 16-Jährige spricht von Respekt. Den gewinnt sie mit ihrer Crew "Lunatic Jokers" bei Tanz-Wettkämpfen, zum Westdeutschen Vizemeister hat sie es schon gebracht. Dafür trainiert sie hart. Jeden Tag, in der Tanzschule. Keine Zeit zum Chillen.

Die Musik spielt weiter, draußen auf der Straße heult eine Polizeisirene. Es hat ein bisschen was von New York.

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