Am Sonntag wäre Johannes Rau 80 Jahre alt geworden. Seine Witwe Christina spricht über die Geburtstage ihres Mannes, über seine Stiftung und die besondere Beziehung zu Wuppertal.

Interview
Nach wie vor häufig in Wuppertal: Christina Rau. Die Stiftung ihres Mannes unterstützt viele Projekte im Tal.

Nach wie vor häufig in Wuppertal: Christina Rau. Die Stiftung ihres Mannes unterstützt viele Projekte im Tal.

Ein intimer Moment aus einer Ehe, die oft genug vor laufenden Kameras geführt werden musste: Johannes Rau flüstert seiner Frau Christina etwas ins Ohr, aufgenommen im Oktober 1993.

Andreas Fischer, Bild 1 von 2

Nach wie vor häufig in Wuppertal: Christina Rau. Die Stiftung ihres Mannes unterstützt viele Projekte im Tal.

Frau Rau, morgen findet ein Konzert zum Gedenken an Ihren Mann Johannes Rau in der Immanuelskirche statt. Er wäre morgen 80 Jahre alt geworden. Generalmusikdirektor Toshiyuki Kamioka wird am Klavier spielen. Freuen Sie sich auf den Abend?

Christina Rau: Oh ja. Sehr sogar. Ich hoffe natürlich, dass viele kommen und sich an der Musik erfreuen. Dass wir zusammen den Geburtstag meines Mannes feiern und an ihn denken. Johannes feierte sehr gerne Geburtstag.

Wie feierte er denn am liebsten?

Rau: Es begann immer mit Singen am Bett: „Wie schön, dass du geboren bist.“ Dazu gab es selbstgebackenen Kuchen, von den Kindern verziert. Und dann arbeitete er. Wenn sein Geburtstag nicht auf einen Freitag fiel, war abends meistens offenes Haus. Der Vater meines Mannes sagte immer: „Bringt alle mit, die ihr lieb habt.“ So war es auch bei uns. Jeder war eingeladen, der sich dazugehörig fühlte. Das war immer sehr schön und unkompliziert.

Und wenn der Geburtstag auf einen Freitag fiel?

Johannes Rau gründete seine Stiftung im Jahr 2000. Schwerpunkte der Förderung sind die Jugendarbeit sowie interkulturelle, musische und literarische Projekte in Wuppertal. Vorstand: Eberhard Robke, Rüdiger Frohn, Christina Rau, Tochter Anna Rau und Peter H. Vaupel.

Sonntag, 16. Januar, 18 Uhr in der Immanuelskirche, Sternstraße. Toshiyuki Kamioka spielt Klaviersonaten von Beethoven und Schubert. Restkarten gibt es noch an der Abendkasse.

Rau: Dann kamen viele zum Neujahrsempfang ins Engelshaus, später, als es immer mehr Gäste wurden, in Bios Bahnhof, der großen Diskothek hinter der Oper. Die Abende waren Tradition.

„Die Verbundenheit zu Wuppertal blieb auch nach unserem Umzug nach Berlin.“

Wer kam alles?

Rau: Viele (lacht). Man konnte vor allem im Laufe der Jahre gut beobachten, wie die Zeit verging. Herbert Wehner, Willy Brandt und Jochen Vogel kamen und dann war irgendwann mal mein Mann selbst der Senior. Mit 27 Jahren war er der jüngste Landtagsabgeordnete gewesen. Daraus wurden dann 37 Jahre in politischer Verantwortung im Landtag von Nordrhein-Westfalen. Ich habe sehr schöne Erinnerungen an diese Abende. Kabarettistenfreunde, von Konrad Beikircher über Thomas Freitag bis Hanns Dieter Hüsch, waren dabei. Höhepunkt waren immer die launigen Reden meines Mannes. Das konnte er sehr gut.

Damals war Johannes Rau noch NRW-Ministerpräsident. Dann wurde er Bundespräsident. Warum haben Sie sich entschieden, den 80. Geburtstag in Wuppertal zu feiern? Es hätte doch auch gut Berlin sein können.

Rau: Wuppertal war 69 Jahre lang die Heimatstadt meines Mannes und die Verbundenheit blieb auch nach unserem Umzug nach Berlin im Jahr 1999, als er Bundespräsident wurde. Er ist in Barmen geboren. Pastor Immer, Mitglied der bekennenden Kirche, wohnte am Klingelholl um die Ecke. Dort war Johannes wie ein zweites Kind im Hause. Später machte mein Mann in Barmen seine Buchhändlerlehre und verdiente sich als Lokalreporter Geld dazu. Dadurch lernte er viele Leute kennen. Er schrieb vor allem über kulturelle Ereignisse in der Stadt, es war die Zeit der Intendanzen von Grischa Barfuß und Arno Wüstenhöfer. Die Artikel habe ich noch.

„Sein reizvollstes politisches Amt war das des Oberbürgermeisters von Wuppertal.“

Und Freunde aus dieser Zeit?

Rau: Ja. Die gibt es natürlich. Wenn man aufsteigt und viele Menschen deine Nähe suchen, auf grunddessen, was du beruflich darstellst, tut es manchmal gut zu wissen, wer unabhängig davon deine Freunde sind. Er liebte seine Skatabende im „Haus Richter“ In der Beek oder den „Karparthen“. Und er schätzte an seinen Freunden und den Menschen in der Stadt generell ihre Zuverlässigkeit.

Das vollständige Interview lesen Sie in der Samstagsausgabe der Westdeutschen Zeitung Wuppertal.

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