Tobi Wicht über die Wuppertaler Club-Szene, „sein“ Butan, Familie, Beruf und Jobchancen.

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Disco-Chef und Familienmensch: Tobi Wicht (31) ist seit elf Jahren für das Butan in Heckinghausen zuständig.

Disco-Chef und Familienmensch: Tobi Wicht (31) ist seit elf Jahren für das Butan in Heckinghausen zuständig.

Uwe Schinkel

Disco-Chef und Familienmensch: Tobi Wicht (31) ist seit elf Jahren für das Butan in Heckinghausen zuständig.

Heckinghausen. Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum Preis "Club des Jahres". Bereits zum zweiten Mal nach 2006 geht dieser begehrte Preis der Fachzeitschrift "Raveline" ans Butan. Kehrt langsam Routine beim Sammeln von Preisen ein?

Tobias Wicht: Überhaupt nicht. Im vergangenen Jahr hat das Cocoon auf Ibiza gewonnen, das ist eine ganz andere Kategorie als das Butan. Mitfavorit war auch in diesem Jahr das Berghain in Berlin, solche "weißen Tempel" sind etwas ganz anderes, dagegen sind wir ein einfacher Club. Deshalb war ich sehr überrascht.

Voraussetzung für solche Preise sind tolle Events. Wie überreden Sie internationale Stars, nach Wuppertal zu kommen?

Wicht: Da hilft nur Beharrlichkeit. Sven Väth bekommt jeden Tag 50 Booking-Anfragen. So jemand kommt nur, wenn die Reputation des Clubs gut ist. Da hilft es enorm, jeden Künstler gut zu behandeln, denn natürlich kennt die Szene sich und redet über Clubs.

"Die Wuppertaler Szene ist toll."

Tobi Wicht über die Clubs in Wuppertal

Wie beurteilen Sie denn die Wuppertaler Szene?

Wicht: Die ist toll. Im Vergleich dazu ist Düsseldorf zum Beispiel Brachland. Schade ist nur, dass es keine gut Open-Air-Fläche gibt, auf der man auch die ganze Nacht durchfeiern kann. Deshalb können die Clubs ihre Festivals nicht in der Stadt veranstalten - das ist schade, da verspielt Wuppertal eine große Chance.

Wie ist das Verhältnis der Club-Betreiber untereinander - herrscht große Konkurrenz oder kennt und respektiert man sich?

Wicht: Das Verhältnis ist sehr gut. Das merke ich besonders, wenn ich Events in anderen Städten organisiere. Da ist die Atmosphäre oft deutlich angespannter. Was der U-Club zum Beispiel im Reggae-Bereich auf die Beine stellt, ist internationale Spitze - das erkenne ich neidlos an.

Das Programm des Butan ist breit gefächert. Hat sich das im Laufe der elf Jahre ergeben, oder war es eine bewusste Entscheidung?

Am Samstag findet im Butan wieder die Ü30-Party statt. Auf 3 Floors wird zu 80er, 90er, Pop, Rock, Charts und House getanzt. Beginn ist um 22 Uhr.

Das Butan startete vor elf Jahren in der ehemaligen Fleischfabrik Tielmann in Heckinghausen. Der Geburtstag wurde im Dezember ausgiebig gefeiert.

Wicht: Wir sind kein Techno-Club und waren es nie. Durch Veranstaltung wie unsere "Das erste Mal"-Reihe oder "Rockoko" wird das deutlich. Wir wollen alle Wuppertaler ansprechen und das gelingt auch gut. "Das erste Mal" für unsere jüngeren Gäste ist jedes Mal ab 22 Uhr ausverkauft.

Trotzdem gab es auch Projekte, die Sie aufgeben mussten. Der traditionsreiche "Wackeltreff" ist nicht nur in der Börse irgendwann gescheitert, auch im Butan ist er nie richtig angekommen. Auch das Maxim mussten Sie schließen.

Wicht: Aber aus völlig verschiedenen Gründen: Der "Wackeltreff" findet traditionell donnerstags statt. Hier in Heckinghausen ist die Bus- und Zugverbindung unter der Woche nachts einfach nicht gegeben. Im Maxim hätten wir irgendwann Probleme wegen des Rauchverbots bekommen. Dort einen langen Pachtvertrag zu unterschrieben, wäre Lotto gewesen - und Lotto spiele ich nicht.

Sie sind in der Region nicht nur Partymacher, sondern auch Arbeitgeber.

Wicht: Ja. Wir beschäftigen knapp 50 Mitarbeiter im Butan und bilden auch zum Veranstaltungskaufmann aus. Zurzeit haben wir keinen Auszubildenden, aber irgendwann wird der Richtige kommen. Das ist immer etwas schwierig, weil wir hier eine große Familie sind. Die meisten Angestellten kenn ich seit Jahren. Wenn jemand Neues dazu kommt, muss das passen.

Das Image des typischen Club-Betreibers erfüllen Sie nicht. Sie sind 31 Jahre alt und entsprechen nicht dem Klischee des partygeilen Junggesellen.

Wicht: Nein, ich bin seit zwölf Jahren fest liiert und seit vergangenem Jahr verheiratet. Aber auch wenn ich nicht mehr jede Party mitnehmen muss, liebe ich es zu feiern und finde Partys cool. Sonst kann man diesen Beruf auch gar nicht ausüben.

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