Auftakt-Wanderung: Mit 30 Trassen-Fans ging es gestern vom ehemaligen Haltepunkt Bracken aus bis zum Bahnhof Wichlinghausen.

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Los geht’s: Vom ehemaligen Haltepunkt Nächstebreck aus geht es auf die Nordbahntrasse bis zum Bahnhof Wichlinghausen.

Los geht’s: Vom ehemaligen Haltepunkt Nächstebreck aus geht es auf die Nordbahntrasse bis zum Bahnhof Wichlinghausen.

Uwe Schinkel

Los geht’s: Vom ehemaligen Haltepunkt Nächstebreck aus geht es auf die Nordbahntrasse bis zum Bahnhof Wichlinghausen.

Wuppertal. Nächstebreck - es ist 9.59 Uhr, als Petrus im Himmel über der ehemaligen Haltestelle der Rheinischen Strecke einen Moment lang Gnade walten lässt: Schüchtern schiebt sich ein Sonnenstrahl durch die bleischweren Wolken. Und mit genau diesem Gruß beginnt sie punkt 10 Uhr tief im Wuppertaler Osten - die erste gemeinsame Sommertour über die Nordbahntrasse.Mit fünf Wanderungen küsst die Wuppertalbewegung gemeinsam mit der WZ die Trassen-Prinzessin auf dem Schotterbett bis Anfang August wach.

Die erste Tour führt an diesem Vormittag von Nächstebreck aus bis zum Bahnhof Wichlinghausen. Gut 30 Trassen-Fans sind der Einladung zur Premiere gefolgt - und werfen vor dem Abmarsch nach Süden erst mal einen Blick auf die hübsch hergerichtete Ex-Haltestelle Nächstebreck. Hoch im Norden lässt sich der Tunnel Schee, der über Sprockhövel ins Ruhrgebiet führt, nur erahnen. Gleiches gilt für die berühmt-berüchtigte Nordbahntrassen-Fledermaus, der Wuppertals Rockbarde Sascha Gutzeit bereits ein musikalisches Denkmal gesetzt hat. Aber das ist eine andere Geschichte.

Gleis-Schotter knirscht - und die Füße gewöhnen sich ans Auf und Ab

Mit Schee und Bracken im Nacken geht es unter Dächern aus Baumkronen hinein in die Trassen-Wildnis. Unter den Schuhsohlen knirscht geduldig Gleis-Schotter und lässt manchen Wandersmann - zumindest auf den allerersten Tour-Metern - wanken wie einen später Heimkehrer aus dem Wuppertaler Brauhaus. Doch mit der Zeit gewöhnen sich selbst die zartesten Füße an das ständige Auf und Ab. Dornröschen lässt bitten.

Nach gut zehn Minuten steht die Schar oberhalb der Straße Bracken vor einem Abgrund: Hier stand einst eine Brücke, und hier soll in absehbarer Zeit wieder eine errichtet werden - diesmal allerdings eine in Leichtbauweise und nur für Radfahrer und Wanderer. Bis es soweit ist, hilft nur Improvisation: Die Trassen-Scouts Rolf Dellenbusch, Olaf Nagel und Lutz Eßrich haben Seile dabei, die beim Abstieg und Wiederaufstieg helfen. Das hat schon was von Indiana Jones.

Wenig später wird die Wittener Straße unterquert, und es geht vorbei an den Gewerbegebieten Im Hölken und Nächstebreck in die weit gezogene Trassen-Schleife parallel zur Nächstebrecker Straße. Und sie lassen nicht lange auf sich warten - die imposanten Ein- und Ausblicke jenseits der Strecke: nach Langerfeld und über die Nächstebrecker Straße hinweg, bevor es am Eckstein durch eine imposante Felsschlucht geht, die sich als Kulisse für einen Karl-May-Film bestens eignen würde - auch ohne Schienen und Indianer.

Die WZ wandert mit der Wuppertalbewegung in Etappen bis Anfang August über die Nordbahntrasse. Die nächste Wanderung führt am kommenden Mittwoch, 15. Juli, um 10 Uhr vom Bahnhof Wichlinghausen aus zum Heubruch. Aus jeder öffentlichen Mittwochs-Wanderung wird eine Reportage in der WZ und eine Fotogalerie.

Nach einer Trassen-Unterbrechung im Gewerbegebiet am Diek eröffnet sich eine weite Steppenlandschaft aus Gras, Sträuchern und Birken. Willkommen auf dem Bergischen Plateau, wo Schienenstränge im Nirgendwo enden und sich ein alter Schaltschrank wie ein bizarres Kunstwerk aus dem Gras in den Himmel reckt. Hier soll eines Tages ein Wohngebiet entstehen.

Noch ein Blick auf den dunklen Ziegelturm des Luhns-Geländes an der Schwarzbach, bevor es an der Trassen-Meisterei und der Skaterhalle Wicked Woods zum ersten Zielbahnhof Wichlinghausen geht. Und wieder grüßt Sonnenschein, immer noch schüchtern. Aber so ist sie manchmal, die Nordbahntrasse.

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