Bela B., Trommler der Band Die Ärzte, erzählt, warum er für „King Ping“ eine Frauenrolle spielt und welchen Eindruck Wuppertal auf ihn gemacht hat.

Schinkel, Uwe (schin)

Novotel, Otto-Hausmann-Ring. Es ist kurz nach 17 Uhr. „Bela B. kommt im Kostüm“, hieß es zur Vorwarnung. Als dann eine stilvoll frisierte Dame in Leggins auf 20-Zentimeter-Absätzen aus dem „Raum Beyenburg“ des Hotels stakst, sind zwei, drei Blicke nötig: DAS ist Bela B.? Tatsächlich!

Bela B., warum machen Sie bei „King Ping“ mit?

Bela B.: Weil ich eine Frauenrolle angeboten bekommen habe – nicht mehr und nicht weniger. Als ich die Anfrage vor ein paar Monaten bekam, habe ich die zunächst nicht mal durchgelesen, weil ich so dermaßen beschäftigt war. Aber dann hat mich eine befreundete Schauspielerin, die zunächst auch hier mitspielen wollte, dazu gebracht, nochmal hinzuschauen. Und als ich dann den Rollennamen gesehen habe, „Szene-Mutti Biggi“, habe ich gesagt: „Ich mach’s!“

„Jeder kennt das Bild von dem Elefanten, der aus der Hochbahn fällt.“

Also hat sie die künstlerische Herausforderung nach Wuppertal gelockt?

Bela B.: Also, wenn das Drehbuch totale Grütze wäre, hätte ich’s nicht gemacht! Aber es ist ja gut – und auch der Drehort ist toll. Ich war vorher noch nie in Wuppertal – da muss man ja auch erstmal hinkommen.

Sie wirken sehr zufrieden mit der bisherigen Arbeit hier. . .

Bela B.: Ja! Es war anstrengend, weil wir vier Drehtage auf drei reduzieren mussten, aber wir haben es geschafft.

Sie haben ja schon mit Tarantino gedreht. . .

Bela B.: Da ist ein Komparse im Film, der so aussieht wie ich, im Abspann steht mein Name nicht (lacht) – ich möchte dazu nichts sagen (Bela B. ist im Tarantino-Film „Inglorious Basterds“ von 2009 in einer ganz kurzen Szene als Kino-Platzanweiser zu sehen; Anm. d. Red.).

Okay. Dann mal so gefragt: Sehen Sie sich jetzt mehr als Schauspieler denn als Musiker?

Bela B.: Ich habe 1983 den ersten Kinofilm gemacht und bin seit 1997 in einer Agentur – von daher weiß ich nicht, was ich noch machen muss, damit die Leute akzeptieren, dass ich das ernsthaft betreibe. Natürlich nimmt Musik die meiste Zeit in meinem Leben ein, und deshalb kann ich immer nur Engagements annehmen, die ich mir zeitlich erlauben kann.

Jetzt spielen Sie eine Frau, ich habe Sie schonmal in einem Film als Vampir gesehen, ihre Doppelgänger erscheinen bei Tarantino – was kommt als nächstes?

Bela B.: Im April läuft auf ZDF kultur „Der Sandmann“ nach einem Roman von E.T.A. Hoffmann mit mir in der Titelrolle. Anfang des Jahres habe ich in einem Musikfilm von Alexander Marcus mitgespielt – den mag ich sehr, er hat damit sein Album „Glanz und Gloria“ verfilmt. Ich hoffe, der Film kommt bald in die Kinos.

Haben Sie da überhaupt noch Zeit für Die Ärzte? Oder treten die jetzt ein wenig in den Hintergrund?

Bela B.: Nein, überhaupt nicht! Am 13. April erscheint das neue Album „Auch!“. Die Single „Zeitverschwendung“, die ich singe, läuft im Radio rauf und runter, und in der kommenden Woche bin ich in ganz Deutschland unterwegs, um Werbung für das Album zu machen. Und dann gehen wir den größten Teil des Jahres auf Tournee. Also, wenn man mich jetzt fragt, ob ich Zeit für Urlaub habe – da muss ich Abstriche machen.

Wie wär’s mal mit einem Konzert in Wuppertal?

Bela B.: Ja, warum nicht. Ich finde Wuppertal wirklich schön – nennt man es nicht das San Francisco des Ruhrgebiets?

San Francisco ja – Ruhrgebiet nein?

Bela B.: Oh, so hat man mir das gesagt. Wie nennt man das hier?

Bergisches Land.

Bela B.: Okay, alles klar. Aber Dortmund und Duisburg sind nicht so weit weg – und das ist doch Ruhrgebiet, oder? Da habe ich Freunde, die ich treffen wollte, was der Drehplan leider nicht zugelassen hat. Aber Wuppertal – ich finde es super. Gut, die Stadt kennt man natürlich, jeder kennt das Bild vom Elefanten, der aus der Hochbahn fällt. Aber irgendwie war ich noch nie hier, habe hier noch nie gespielt. Ich find’s schön hier. Gibt’s hier Clubs? Stadthallen?

Clubs jede Menge. Aber was die Hallen angeht, ist hier bei 3000 Plätzen Schluss. Reicht das für Die Ärzte?

Bela B.: Ach, zur Not treten wir einfach unter falschem Namen auf.

Eine Frage noch: Wie schwer war es, sich an die Absätze Ihres Kostüms zu gewöhnen?

Bela B.: Es geht. Ich habe eine halbe Stunde geübt, dann ging das. Und es hatte ja auch Vorteile, weil ich an Drehtagen die Damentoilette benutzen konnte, ohne dass sich jemand beschwert hat. Obwohl: Nach dem zweiten Drehtag musste ich nachts noch einen Anzug anziehen, weil ich nach Köln zu Harald Schmidt musste. Da kam ich nicht in die Anzughose, weil die Waden so geschwollen waren. Ich kann nur jedem Mann raten, mal solche Dinger anzuziehen – anschließend hat er mehr Verständnis für seine Frau oder Freundin. Oder auch, sich richtig hinzusetzen in einem Minirock – das ist auf die Dauer echt anstrengend. Vielleicht gipfelt all das mal in einem Song: „Als ich eine Frau war.“

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