In der Villa Media mussten sich die rund 70 Gäste ganz auf ihren Tast-, Geruchs- und Geschmackssinn verlassen.

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Kellner Marko Roschowski kennt seine Laufwege – unter dem Personal ist der Einsatz beim Dinner in der Dunkelheit begehrt.

Kellner Marko Roschowski kennt seine Laufwege – unter dem Personal ist der Einsatz beim Dinner in der Dunkelheit begehrt.

Uwe Schinkel

Kellner Marko Roschowski kennt seine Laufwege – unter dem Personal ist der Einsatz beim Dinner in der Dunkelheit begehrt.

Wuppertal. Das Foyer der Villa Media ist beleuchtet. Es sind die letzten Minuten für die kommenden dreieinhalb Stunden, in denen die rund 70 Gäste etwas und vor allem sich gegenseitig sehen können. Denn sie haben sich an diesem Abend für das „Dinner in der Dunkelheit“ entschieden. Noch ist die Stimmung gut, das soll sich in wenigen Momenten aber zumindest kurzfristig ändern.

„Die Einsätze bei der Show im Dunkeln sind beim Servicepersonal sogar richtig beliebt. Darum streiten wir uns fast schon.“

Conny Omieczienski von der Villa Media

Nach kurzen Erklärungen von Moderator Michael Baute ist klar: Niemand weiß so recht, worauf er sich eingelassen hat. Nur wenige haben bereits einmal in einem sogenannten Dunkelrestaurant gegessen. Das Essen ist noch nicht serviert, aber die Getränke sind im Anmarsch. Rotwein, heute lieber mal nicht.

Der erste Gang ist eine Suppe – die könnte ja zur Not auch direkt aus dem Gefäß geschlürft werden, mutmaßt der Tisch mit der Nummer R 4. Dort sitzen Christian Jentzsch (29), der von seinen Freunden Jennifer Mahmoudi (26) und Markus Finke (25) mitgenommen wurde.

Jeder Tisch hat eine eigene Bedienung. Für Tisch R 4 ist Conny Omieczienski (22) zuständig. Ist es nicht ein gastronomischer Alptraum, Essen und vor allem Getränke im Dunkeln servieren zu müssen? „Nein, die Einsätze bei der Show im Dunkeln sind beim Servicepersonal sogar richtig beliebt. Darum streiten wir uns fast schon “, erzählt sie.

In einem beleuchteten Raum zu kellnern, seien sie gewohnt. Das Dinner im Dunkeln ist für das Personal eine willkommene Abwechslung. Klar, könne man sich auch ein wenig beweisen, sagt Conny und lächelt dabei – denn an diesem Abend wird an Tisch R 4 kein Malheur passieren.

Das sogenannte Dunkelrestaurant hat es mittlerweile in den Duden geschafft. Es steht für ein Restaurant in einem völlig abgedunkelten Raum, in dem sich sowohl das Personal als auch die Gäste ohne die Hilfe der Augen orientieren müssen. 2004 stand das Wort erstmals in dem Standardwerk der deutschen Rechtschreibung.

Die Unsicht-Bar nennt sich selbst erstes Dunkelrestaurant Deutschlands. Zwölf Jahre sind seit der Gründung der ersten Unischt-Bar in Köln vergangen. In vielen dieser Restaurants bedienen Menschen mit Sehschwäche oder komplett erblindete Kellner die Gäste. Dunkelrestaurants gibt es auch in Hamburg und Berlin.

Nachdem der erste Gang wieder abgeräumt und die zweite Runde Getränke aufgetischt ist, hat sich Tisch R 4 an die Dunkelheit gewöhnt. Auch im übrigen Raum ist die Stimmung wieder ausgelassener. Die ersten zappendusteren Momente waren doch ein ziemlicher Schock. So dunkel hat sich niemand die Dunkelheit vorgestellt.

Ab Gang zwei wird „ritterlich“ gespeist

Gang zwei ist da, alle an Tisch R 4 kommen damit zurecht. Nur das ein oder andere nicht immer zu identifizierende Gemüse flutscht auf dem Teller hin und her. Genüssliches Schmatzen deutet darauf hin, dass die Ersten begonnen haben, mit den Fingern zu essen und diese zur Reinigung abschlecken. Das Adjektiv „ritterlich“ wird im Verlauf des Abends – und vor allem während des dritten Gangs – zu einem geflügelten Wort werden.

Hinterher sind sich alle einig: Die Dinnershow in völliger Dunkelheit war eine einmalige Erfahrung. Der ein oder andere wundert sich, wie wenig er die einzelnen Zutaten des Überraschungsmenüs erschmecken konnte. Nur eines haben manche Gäste zu bemängeln: Das Preis-Leistungs-Verhältnis sei doch noch verbesserungswürdig.

» Weitere Termine am 9. Februar und 3. April, Reservierung unter

www.villamedia-eventlocation.de

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