Der mehr als 100 Jahre alte Wagen und die stilecht gekleideten Fahrer entführen die Gäste auf eine Zeitreise.

Schwebebahn
Manfred Trende fährt „seine“ Schwebebahn im Stehen: Wie einst Kaiser Wilhelm II. und seine Gemahlin Auguste Viktoria am 24.  Oktober 1900 nutzen viele Wuppertaler einen Ausflug mit dem berühmten Kaiserwagen. Fotos (2): Andreas Fischer

Manfred Trende fährt „seine“ Schwebebahn im Stehen: Wie einst Kaiser Wilhelm II. und seine Gemahlin Auguste Viktoria am 24.  Oktober 1900 nutzen viele Wuppertaler einen Ausflug mit dem berühmten Kaiserwagen. Fotos (2): Andreas Fischer

Kaffee, Kakao und Kuchen hoch oben über Wuppertal: Szenur Parlak mit Sohn Tueay hatten während der Fahrt mit dem Kaiserwagen sichtlich Spaß.

Fischer, Andreas (f22), Bild 1 von 2

Manfred Trende fährt „seine“ Schwebebahn im Stehen: Wie einst Kaiser Wilhelm II. und seine Gemahlin Auguste Viktoria am 24.  Oktober 1900 nutzen viele Wuppertaler einen Ausflug mit dem berühmten Kaiserwagen. Fotos (2): Andreas Fischer

Wuppertal. Es ist nebelig, als der Kaiserwagen mit seiner ungebrochenen Magie in die Schwebebahnstation Vohwinkel einfährt: Wartende Fahrgäste bringen ihre Kameras in Stellung. Einige posieren vor dem historischen Gefährt, wagen einen Blick durchs Fenster und staunen: „Das Ambiente ist toll. Ich freue mich auf die Fahrt“, sagt Renate Frischkorn, bevor sie von stilecht gekleideten Fahrern in den roten Wagen aus der Kaiserzeit (Kasten rechts) gebeten wird.

Die Zeit drängt. Denn trotz des nostalgischen Fahrvergnügens geht der reguläre Schwebebahnverkehr im Vier-Minuten-Takt weiter. Und so dauert es nicht lange, bis alle 17 Fahrgäste auf den gepolsterten Holzbänken im Kaiserwagen Platz genommen haben und das historische Fahrvergnügen Richtung Oberbarmen am Samstagmittag beginnen kann.

Zwei Fahrer sind an Bord, gesteuert wird im Stehen

Die Fahrt mit dem Kaiserwagen ist für Thorsten Radojewski von den Wuppertaler Stadtwerken (WSW) liebgewonnene Routine: „Zum zehnten Mal fahre ich jetzt mit. Trotzdem ist das immer etwas Besonderes, weil der Kaiserwagen ganz anders gesteuert wird als die heutigen Schwebebahnen.“ Heißt: Zwei Fahrer sind an Bord nötig. Gefahren wird im Stehen.

Und wie der Kaiserwagen selbst, so ist auch die Technik zum Teil mehr als 100 Jahre alt – unter anderem der Antrieb und die Bremsanlage: „Um mit dem Kaiserwagen fahren zu können, bedarf es einer erweiterten Schulung“, sagt Thorsten Radojewski. Ihm zu Füßen liegt das Sonnborner Kreuz. Schwebend geht es weiter. Zoologischer Garten, Elberfeld, Barmen: „Hier befinden wir uns im Herzstück der Bergischen Textilindustrie“, erzählt Beate Haßler von Wuppertal Marketing. Wie gebannt hängen die Fahrgäste an ihren Lippen, nehme jede neue Information rund um das rechts und links Gesehene auf, während der Kaiserwagen an Felsen, Häusern und Straßen vorbei schwebt.

Ein exklusiver Blick auf die neue Wagenhalle in Oberbarmen

„Stadtführung mal anders“, sagt Teilnehmer Robert Grünewald aus München. Eine Arbeitskollegin hatte ihm „von einer Bahn, die seit mehr als 100 Jahren über den Straßen schwebt“, erzählt. „Das wollte ich ausprobieren“, verrät er.

Fahrten mit dem Kaiserwagen sind zum Beispiel am Sonntag, 26. Januar, 15 Uhr, am Samstag, 1. Februar, 15 Uhr, und am Sonntag, 2. Februar, 15 Uhr, möglich. Buchung und weitere Termine auch unter:
www.kaiserwagen.de
 

Am 24. Oktober 1900 schwebte Kaiser Wilhelm II. mit seiner Frau auf Probefahrt von Elberfeld nach Vohwinkel – und gab damit dem berühmten Wagen der Schwebebahn seinen Namen.

An der Schwebebahnstation in Oberbarmen angekommen, gibt’s was Besonderes: Die herrschaftlichen Gäste im Kaiserwagen sitzen bleiben und durch die Schleife fahren. Dabei wird ihnen ein Blick auf die neue Wagenhalle gewährt. Dann führt die Zeitreise zurück nach Vohwinkel.

Doch was wäre eine Fahrt mit dem Kaiserwagen ohne Kaiserfamilie: Die wird im Mittelteil des Wagens, dort wo einst Kaiser Wilhelm II. und seine Gemahlin Auguste Viktoria saßen, aus den Reihen der Fahrgäste gekürt: Michaela Schnitzker und Andreas Hoffmann heißt das Kaiserpaar dieses Mal. Mit neuer Identität geht es auf den Heimweg: „Es war wirklich schön“, sagen die beiden begeistert.

So auch Renate Frischkorn: „Ich bin froh, dass ich heute spontan ein Ticket bekommen habe. Die Fahrten sind ja immer sehr begehrt.“

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