Trans-Europa-Lauf: Der WUppertaler hielt durch – auch bei Orkanstärken.

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Ein harter Kampf: Achim Heukemes beim Trans-Europa-Lauf. Im Moment erholt der Ultraläufer sich in Süddeutschland.

Ein harter Kampf: Achim Heukemes beim Trans-Europa-Lauf. Im Moment erholt der Ultraläufer sich in Süddeutschland.

privat

Ein harter Kampf: Achim Heukemes beim Trans-Europa-Lauf. Im Moment erholt der Ultraläufer sich in Süddeutschland.

Nordkap. "Die letzten drei Tage waren die absolute Hölle! Ich bin froh, dass es vorbei ist und ich mich jetzt ein paar Tage am Bodensee erholen kann." Und auch wenn das Wetter in Süddeutschland in diesen Tagen teilweise noch schlechter als in seiner Heimat ist, so genießt der Wuppertaler Achim Heukemes den warmen Regen auf der Haut. Denn verglichen mit dem, was der Ultraläufer noch vor wenigen Tagen am Nordkap erlebt hat, ist das mitteleuropäische Mistwetter fast so etwas wie ein Hauptgewinn.

Eine angenehme warme Dusche nach neunwöchiger Plackerei auf den Straßen vom süditalienischen Bari bis hinauf zum Nordkap in Norwegen. Heukemes war dabei beim zweiten Trans-Europa-Lauf - so etwas wie die Tour de France für Läufer. Nur länger und wahrscheinlich auch noch eine Nummer härter. Denn an 64 Tagen in Folge mit Etappen von bis zu 94 Kilometern liefen die Männern und Frauen aus zwölf Nationen insgesamt 4500 Kilometer.

"Ich kann mit den jungen Burschen nicht mehr mithalten."

Achim Heukemes

Der 57-jährige Heukemes ist als Langstreckenlauf-Profisportler solche Strapazen eigentlich gewohnt und hatte sich einen Podestplatz - vielleicht sogar den Gesamtsieg - im Kampf gegen die Weltelite ausgerechnet. Doch am Ende musste sich der Ultra-Mann mit Rang 13 begnügen und war um eine Erkenntnis reicher: "Ich bin so schnell gelaufen wie selten, aber ich kann mit den jungen Burschen, die zwischen Ende 20 und Mitte 30 sind nicht mehr mithalten."

Mit der Zange den Zehennagel herausgerissen

Die haben von Anfang an ein unglaublich irres Tempo angeschlagen. Fast alle der 68 Teilnehmer sind jede Etappe ans Limit gegangen. Deswegen mussten nach ein paar Tagen ja auch schon neun Leute aufgeben." Das passierte einem erfahrenen Mann wie Heukemes freilich nicht, obwohl er sich diesmal mit einigen Blessuren herumschlagen musste. Am 42. Tag plagte ihn eine Infektion. Zehn Tage später riss er sich mit einer Zange eigenhändig den Nagel des großen Zehs heraus.

"Es war die einzige Möglichkeit den Eiter, der sich darunter gebildet hatte, vollständig heraus zu bekommen. Sonst hätte ich nicht weiterlaufen können", erzählt er. Dass die schlimmste Prüfung noch folgen sollte, ahnte Heukemes zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Und die letzten drei Tage hätte er sich gerne erspart. Denn mit dem Nordkap in Reichweite wurde das Wetter immer schlechter. Am drittletzten Tag quälten sich die Läufer Regen, Kälte und Windstärke sechs über 93 Kilometer - am letzten Tag dann bei Eisregen und Windstärke neun. "Das ist Orkan! Und dann läufst du fast die ganze Zeit über ein kahles Hochplateau. Nur der Gedanke an das nahe Ziel hat uns noch angetrieben."

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