Der Wuppertaler Daniel Samaan feiert die Vereidigung Obamas in New York.

Der Wuppertaler Daniel Samaan inmitten der Menge (li).
Der Wuppertaler Daniel Samaan inmitten der Menge (li).

Der Wuppertaler Daniel Samaan inmitten der Menge (li).

Der Wuppertaler Daniel Samaan inmitten der Menge (li).

Harlem. In Washington wurde am Dienstag Geschichte geschrieben. Aber in New York wurde sie gefühlt, gefeiert, bejubelt wie nirgendwo sonst. Der erste schwarze Präsident Amerikas wird vereidigt, und ganz Harlem ist auf den Beinen. Alles pilgert in New Yorks schwarzem Viertel mit Amerika-Flaggen, -Kappen und Obama-T-Shirts in Richtung der Plätze, an denen Großleinwände stehen. Jeder soll es miterleben: Barack Obama ist Präsident der Vereinigten Staaten.

Ein Wuppertaler, Daniel Samaan, lebt seit fünf Jahren in Harlem und ist an diesem Tag mitten unter ihnen. Denen, die feiern, 40 Jahre nach der Rede von Martin Luther King: "I have a dream." Es ist zehn Uhr, die Fernsehübertragungen haben gerade begonnen. "Die Leute sind freudig erregt, überall sieht man lachende Gesichter", beschreibt Samaan die Stimmung. Dicht gedrängt verfolgen die Menschen das Geschehen in Washington. Immer, wenn Obama im Bild erscheint, jubelt die Masse - immer, wenn George W. Bush gezeigt wird, kassiert er Buhrufe.

Für die Menschen in Harlem bedeute der Tag noch mehr als für den Rest Amerikas, mehr als nur das Ende der Ära Bush, sagt Samaan. "Ein Plakat, das einer meiner Nachbarn an seine Haustür geklebt hat, beschreibt es sehr treffend. Es zeigt Martin Luther King und Barack Obama nebeneinander: ‚Ich habe einen Traum - Martin Luther King 1968’ - ‚Ich bin dieser Traum - Barack Obama 2008.’"

Dennoch seien die Emotionen anders als bei der Wahl am 2. November - gefasster, vernünftiger, beschreibt der 33-Jährige. "Alle strahlen, kaum einem laufen die Tränen über das Gesicht." Im November habe der völlige Ausnahmezustand geherrscht. "Menschen weinten, fielen auf die Knie, streckten die Hände in die Höhe und schrieen einfach nur laut ,O-ba-ma’ - da spielte Unglaube und Angst eine Rolle, der Traum könne nie wahr werden."

Die Vereidigung dagegen hat eher den Charakter eines großen Familienfestes. "Die Menschen haben es mittlerweile begriffen - ein Schwarzer ist der mächtigste Mann der Welt." Auch viele Weiße sind mit der Metro gekommen, um in Harlem zu feiern, dieses Glück mitzufühlen. Nur 70Prozent des Publikums seien schwarz, dreißig weiß - "ungewöhnlich, obwohl auch in Harlem immer mehr Weiße leben - wegen der billigen Mieten." Eines haben alle gemein: Sie lassen den Tag in den Harlemer Clubs ausklingen. Die Partys heißen "Rockabama!" - aber auch "Bon Voyage Bush Party".

Der gebürtige Wuppertaler (33) lebt seit fünf Jahren Manhattan-Harlem. Seit 2005 ist er Dozent und Doktorand an der volkswirtschaftlichen Fakultät der New School for Social Research.

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